Pelletkessel

Funktionsweise, Vor- und Nachteile sowie Klimabilanz

Zentralheizungen stellen eine sehr effiziente Art der Gebäudeheizung und Warmwasserbereitung dar. In Bestandsbauten findet man häufig noch Öl- oder Gaskessel, die aus Gründen des Umwelt- und Klimaschutzes jedoch zunehmend durch Heizsysteme auf Basis erneuerbarer Energien ersetzt werden. Eine Möglichkeit dafür sind Pelletkessel. Sie verbrennen genormte Holzpellets – kleine, zylindrische Presslinge aus getrockneten Sägespänen und Holzspänen, die als Nebenprodukte der Holzverarbeitung anfallen. Holz gilt als nachwachsender Energieträger; bei nachhaltiger Forstwirtschaft wird seine energetische Nutzung im Allgemeinen als weitgehend CO₂-neutral betrachtet.

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Pelletkessel sind in einem Leistungsbereich von etwa 4 bis 240 kW erhältlich und eignen sich damit für Ein- und Mehrfamilienhäuser ebenso wie für Gewerbe- oder Hotelgebäude. Auch Kaskadenlösungen für höhere Leistungsanforderungen sind möglich. Der Kessel wird automatisch mit dem Brennstoff, den Pellets, beschickt. Die Leistung von Pelletkesseln ist groß genug, um damit alle gängigen Heizsysteme wie Radiatoren, Fußboden-, Wand- und Deckenheizungen zu betreiben. Im Unterschied zu Pelletöfen dienen sie als zentrale Wärmeerzeuger für das gesamte Gebäude.

Die wesentlichen Bestandteile eines Pelletkessels sind:

  • Brennstoffzuführung (Förderschnecke)
  • Brennteller (Retorte) oder Brennrost (Brennertopf)
  • Brennraum mit Primär- und Sekundärluftzuführung
  • Wärmeaustauscher
  • Regelung

Funktionsweise von Pelletkesseln

Bei modernen Anlagen läuft der gesamte Heizvorgang automatisch ab. Die einzelnen Schritte werden von Sensoren und Steuerungseinheiten reguliert und überwacht, um maximale Effizienz und Sicherheit zu jeder Zeit zu gewährleisten.

  • Lagerung: Die Holzpellets müssen trocken und in einem separaten Tank, einem Gewebesilo oder einem Lagerraum gelagert werden. Dieses Lager muss absolut frei von Feuer und Funken sein, da sich eventueller Holzstaub schnell entzünden kann. 
  • Transport: Vom Lager aus werden die Pellets üblicherweise entweder mechanisch über eine rotierende Förderschnecke oder pneumatisch über ein Sauggebläse in einen Zwischenbehälter transportiert.
  • Einschub und Zündung: Aus diesem Zwischenbehälter fallen oder rutschen die Pellets genau dosiert in die Brennkammer auf den Brennteller. Ein Heißluftgebläse entflammt die Pellets dort innerhalb kurzer Zeit vollautomatisch.
  • Verbrennung: Sobald das Feuer brennt, wird die Zufuhr von Luft und weiteren Pellets exakt gesteuert. Zusätzlich wird mit einer Lambdasonde im Abgasrohr der Restsauerstoff kontinuierlich gemessen, womit die Qualität der Verbrennung bestimmt wird, um den Brennstoff möglichst sauber und vollständig auszunutzen. 
  • Wärmeübertragung: Die heißen Verbrennungsgase strömen nun durch einen Wärmetauscher, in dem die Wärme an das Heizungswasser des Heizsystems übergeben wird. Die danach abgekühlten Abgase strömen schließlich durch den Schornstein nach draußen.
  • Speicherung: Es ist in den meisten Fällen sinnvoll, im Heizsystem einen Pufferspeicher zu integrieren. Diese dient als thermische Batterie, aus der sich der Heizkreis sowie die Warmwasserbereitung bedienen können.
  • Entaschung: Die durch die Verbrennung des Holzes anfallende Asche fällt durch einen Rost in eine Aschelade. Von dort muss sie entweder händisch entfernt werden, oder sie wird automatisch komprimiert und in eine externe Box transportiert, die pro Heizperiode ein- bis zweimal geleert werden muss.

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Arten der Pelletkessel

Je nach technischer Ausführung und Funktionsprinzip wird zwischen dem grundlegenden Kesselprinzip, der Art der Verbrennung sowie dem Grad der Automatisierung und der Ausführung des Brenners unterschieden.

Grundlegende Kesselprinzipien
Grundsätzlich wird zwischen Pellet-Heizkesseln und -Brennwertkesseln unterschieden. Heizkessel leiten die Abgase mit vergleichsweise hoher Temperatur über den Schornstein ab. Pellet-Brennwertkessel hingegen nutzen – wie alle Kessel mit Brennwerttechnologie – zusätzlich die im Abgas enthaltene Kondensationswärme. Hierzu werden die Abgase stark abgekühlt, sodass der Wasserdampf kondensiert und die freiwerdende Wärme dem Heizsystem zugeführt werden kann. Damit kann der Wirkungsgrad einer Anlage spürbar gesteigert werden. Allerdings benötigt man einen feuchtigkeitsunempfindlichen Schornstein, ein Gebläse sowie einen Kondensatanschluss.

Feuerungssysteme
Die Zuführung und Verbrennung der Pellets kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:

  • Bei der Unterschubfeuerung werden die Pellets über eine Förderschnecke von unten in den Brennertopf eingebracht, wobei die Asche durch den nachrückenden Brennstoff an den Rand verdrängt wird.
  • Bei der Fallschachtfeuerung werden die Pellets mittels einer Förderschnecke in eine Position oberhalb des Brenners transportiert, von wo aus sie über eine Fallrinne in den Brennertopf rutschen.
  • Die Querfeuerung (auch: Quereinschubfeuerung) arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip wie die Unterschubfeuerung, jedoch mit seitlicher Brennstoffzufuhr.
  • Bei der Sturzbrandtechnik fallen die Pellets von oben in die Brennkammer; ein Saugzuggebläse führt die Flamme nach unten, wodurch eine sehr vollständige Verbrennung mit geringer Aschebildung erreicht wird.
Betriebs- und Systemvarianten
Neben der Feuerungstechnik unterscheiden sich Pelletkessel auch im Automatisierungsgrad. Halbautomatische Kompaktgeräte sind nicht mit einem großen Lager ausgestattet, sondern haben ein internes Lager, das händisch mit Sackware befüllt werden muss. Der Vorteil dieser Geräte ist der geringe Platzbedarf.

Brennerbauarten
Je nach Pelletbrenner, dem Herzstück des Pelletkessels, unterscheidet man zwischen Kesseln mit Rechteckbrenner, Topfbrenner, Ovalbrenner, Walzenrostbrenner oder Zyklonenbrenner.

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Vor- und Nachteile von Pelletkesseln

Vorteile:

  • Komfort: vollautomatischer Betrieb, was sie von Gas- oder Ölkesseln kaum unterscheidet.
  • Regionale Verfügbarkeit: unabhängig von fossilen Importen, meist regionale Pelletproduktion
  • Preisstabilität: Im langjährigen Vergleich hat sich gezeigt, dass Pellets flachere Preiskurven und eine geringere Volatilität als fossile Brennstoffe aufzeigen.
  • Systemkombination: Pelletkessel lassen sich sehr gut mit anderen Technologien kombinieren, etwa mit Solarthermie.

Nachteile:

  • Investitionskosten: Zusätzlich zum Kessel muss die nötige Lager- und Fördertechnik angeschafft werden. 
  • Platzbedarf: Neben dem Platz für den Kessel benötigt man einen großen und absolut trockenen Lagerraum oder ein entsprechendes Silo.
  • Wartung: Die beweglichen Bauteile in der gesamten Pelletkesselanlage können verschleißen, weswegen sie regelmäßig gewartet werden müssen. Außerdem muss die Aschebox regelmäßig geleert werden.

Umwelt- und Klimaschutz

In der Theorie verbrennen Holzpellets klimaneutral, denn sie setzen beim Verfeuern nur die Menge an Kohlendioxid frei, die der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat und die letztlich beim Verrotten im Wald ebenfalls freigesetzt würde. In der Praxis allerdings ist ein differenzierterer Blick nötig:

Die Ernte, Trocknung und Pressung, also die Produktion der Pellets nach dem Fällen des Baums, sowie der Transport verursachen ebenfalls CO₂-Emissionen, die als graue Energie in die Energiebilanz eingerechnet werden müssen. Diese grauen Emissionen können je nach Herkunft und Produktionsweise erheblich variieren. Bei kurzen Transportwegen und einer Produktion aus zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft fallen sie vergleichsweise gering aus. Werden Pellets hingegen über weite Strecken transportiert oder aus weniger streng bewirtschafteten Regionen bezogen, steigt der CO₂-Fußabdruck entsprechend an.

Neben der Klimabilanz ist auch die Luftschadstoffemission zu berücksichtigen. Die Holzverbrennung stößt im Vergleich zu gasförmigen Energieträgern deutlich mehr Feinstaub und Stickoxide aus. Moderne Pelletkessel können diese Emissionen durch optimierte Verbrennungsführung zwar deutlich reduzieren, in vielen Regionen sind jedoch zusätzliche Abgasreinigungen, etwa durch Elektrofilter, erforderlich.

Holz ist außerdem eine endliche Ressource, wenn auch eine nachwachsende. Wird für die Pelletproduktion ausschließlich Restholz aus der Holzverarbeitung genutzt ist dies ökologisch sinnvoll. Eine gezielte Nutzung von Stammholz jedoch würde eine Rohstoffkonkurrenz erzeugen. Die wichtige Funktion der Wälder als CO₂-Speicher würde damit gefährdet.

Normen und Regelwerke

Verschiedene gesetzliche Vorschriften, Umweltauflagen und technische Normen sollen den sicheren und emissionsarmen Beitrieb von Pelletkesseln sicherstellen:

  • 1. BImSchV (Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen): Dieses für Betreiber sehr wichtige Gesetz legt strenge Grenzwerte für den Ausstoß von Kohlenmonoxid (CO) und Feinstaub fest. Der Schornsteinfeger überprüft die Einhaltung dieser Werte bei Kesseln ab 4 kW Leistung regelmäßig.
  • § 19 der 1. BImSchV (Ableitbedingungen für Abgase): Diese Regelung schreibt exakt vor, wie der Schornstein beschaffen sein muss. Die Mündung muss nah am Dachfirst liegen und diesen überragen, damit die Abgase optimal vom Wind abgetragen werden und sich nicht in der Nachbarschaft anreichern.
  • Ökodesign-Richtlinie (EU 2015/1189): Diese europäische Vorgabe regelt das Inverkehrbringen. Ein Hersteller darf in der EU nur noch Pelletkessel verkaufen, die Mindestanforderungen an die saisonale Energieeffizienz und die Emissionen im Teillastbetrieb erfüllen.
  • DIN EN ISO 17225-2 (Brennstoffqualität): Holzpellets sind nicht einfach Holzreste, sondern ein streng genormtes Industrieprodukt. Für private Zentralheizungen ist die Klasse A1 dieser Norm zwingend vorgeschrieben, die die Grenzwerte für Wassergehalt, Ascheanteil, Heizwert und mechanische Festigkeit genau definiert.
  • DIN EN 303-5 (Kesselprüfung): Diese Norm teilt Heizkessel für feste Brennstoffe in verschiedene Klassen ein. Moderne Pelletkessel müssen die höchste Klasse 5 erreichen. Geprüft werden der Wirkungsgrad, die Kesselsicherheit und die Emissionen unter Laborbedingungen.
  • FeuVo (Feuerungsverordnung der Bundesländer): Die FeuVo regelt die baulichen Anforderungen. Ab einer bestimmten Gesamtleistung des Kessels (meist über 50 kW) oder bei größeren Brennstofflagern (ab ca. 6,5 Tonnen bzw. 10.000 Litern Volumen) ist etwa ein eigener, feuerbeständiger Heiz- bzw. Lagerraum gesetzlich vorgeschrieben.

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