Tageslicht, Fenster und Wohlbefinden

Physiologische, psychologische und medizinische Faktoren

Die Nutzung des Tageslichts durch Fenster ist einerseits ein bauphysikalisches und technologisches Thema, andererseits sind physiologische, psychologische und medizinische Aspekte relevant. Sonnenlicht ist wesentlich für unser Hormon- und Immunsystem und für den Biorhythmus bzw. den Tag- und Nacht-Rhythmus. Sonnen- und Tageslicht sind jedoch keine statischen Werte. Das Sonnenlicht kann direkt und diffus strahlen, je nach Wolken und Lichtbrechung durch die Atmosphäre. Teils dramatisch und teils unmerklich verändernde Helligkeits- und Farbkontraste, die durch Absorption, Streuung und Reflektion erzeugt werden, wirken belebend, denn sie machen Raum und Zeit erfahrbar. Wintergärten, prinzipiell verglaste Anbauten und lichtdurchflutete Atrien sind im Herbst und Winter attraktive Aufenthaltsbereiche.

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Phänomene wie Winterblues, andauernde Schläfrigkeit sowie Schlafstörungen, Benommenheit, Kopfschmerzen, aber auch Stress, Bluthochdruck und Erkrankungen der Augen werden mit mangelndem körperlichen Zugang zu Sonnenlicht in Verbindung gebracht. Sonnenlicht ist eine unverzichtbare Grundlage für das Wohlbefinden von Menschen. So lässt sich z. B. Vitamin D, eigentlich nach strenger Definition eine Hormonvorstufe, in ausreichendem Maße nur über UVB-Strahlung mit der Haut aufnehmen. Vitamin D steuert die Aufnahme von Kalzium, das wiederum lebensnotwendig für den Aufbau und den Erhalt von Knochen und Zähnen ist.

Bereits 1983 konstatierte die WHO das Sick Building Syndrome, das fehlendes Sonnen- und Tageslicht als einen Faktor auflistet, zusätzlich zu mangelnder Lüftung und Problemen mit Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur. Insbesondere Großraumbüros ohne Fenster werden seitdem kritisch beurteilt. Künstliches Licht und Klimaanlagen können diese Parameter in einem physiologischen Sinn offensichtlich nicht ausgleichen.

Die Bauordnungen der Bundesländer fordern für Aufenthaltsräume, dass mindestens 1/8 der Nettogrundfläche eines Raums als Fensterfläche auszubilden ist. Diese Verpflichtung zur minimalen Fenstergröße ist unabhängig von weiteren baurechtlichen Vorgaben wie u. a. die Höhe von Brüstungen oder auch zur Breite von Fenstern, wenn sie als Fluchtwege dienen sollen.

Für die Proportionierung von Fensterflächen in Bezug auf die optimale Anordnung der Schreibtische in Büroarbeitsplätzen gilt die 30°/45°-Faustformel. Diese zeigt einen theoretischen bzw. geometrisch vereinfachten vertikalen und horizontalen Lichteinfall auf, ist also relativ leicht anzuwenden. Die Faustformel berücksichtigt jedoch weniger die tatsächliche Qualität und Quantität des Tageslichts hinsichtlich Jahreszeit, Azimut sowie Verschattungen durch Bäume und Nachbarbebauung.

Um auf genau diese Art von möglicherweise dauerhafter Verschattung durch zu enge und zu hohe Bebauung zu reagieren, wurde bereits 1916 in New York die „ Zoning Resolution" erlassen. Die Hochhäuser sind in Abhängigkeit von Volumen und Höhe nach oben zu staffeln, damit überhaupt noch Tageslicht auf die Fenster der unteren Geschosse und die Strasse einfallen kann. Ein vergleichbares Gesetz wurde in den 1960er-Jahren in Tokyo eingeführt, das „Nissho-Ken", das Recht auf Sonnenlicht.

Die unterschiedlichen funktional-formalistischen Anforderungen an Fenster in Wohn- und Arbeitsräumen lösen sich jedoch mehr und mehr auf. Stichworte für diese Entwicklung sind Umnutzungen nicht nur bei Lofts, flexible Co-Working-Räume mit geradezu wohnzimmerartigen Chill-Areas und nicht zuletzt die Home Offices der Corona-Pandemie. Die Fenster lassen die Hülle eines Gebäudes für Sonne, Licht und Luft durchlässig werden, um ein gesundes und natürliches Raumklima zu schaffen.

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Tageslicht, Fenster und Wohlbefindenneu

Sonnenlicht ist eine unverzichtbare Grundlage für das Wohlbefinden von Menschen. Balkone und Fensterflächen sorgen für Lichteinfall (Lokdepot, Berlin).

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Fenster und Sonnenstandneu

Die Anordnung der Fenster erfolgt zwar klassischerweise nach den vier Himmelrichtungen, aber in einem präziseren Sinne nach der Ekliptik der Sonne (im Bild: Fensterwand mit beweglichen Glaslamellen als Sonnen- und Blendschutz).

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Ein Fenster besteht aus mehreren Elementen, die sich zu einer Einheit fügen.

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Direkte und indirekte Belichtung mit Spiegeleffekten (Mediaspree Berlin, Tchoban Voss Architekten)

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