Neue Direktion Köln

Terrassierte Aufstockung lässt Mansarddach aufleben

In unmittelbarer Nähe zum Kölner Hauptbahnhof, dem Dom und der Innenstadt liegt die ehemalige Bahndirektion am Konrad-Adenauer-Ufer. Die repräsentative historische Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts veranschaulicht den gesellschaftlichen Stellenwert des Eisenbahnwesens zu jener Zeit. Das Verwaltungsgebäude der Königlichen Eisenbahndirektion zu Cöln wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe stark beschädigt, das Mansarddach brannte vollständig ab und wurde später nur provisorisch ersetzt. Bis 2001 diente das Gebäude der Verwaltung der Deutschen Bahn, danach stand es leer und war Schauplatz temporärer Nutzungen. Ein Projektentwickler erwarb den Altbau und benannte das Objekt Neue Direktion Köln; den Wettbewerb zu dessen Umgestaltung konnte das Aachener Büro Kadawittfeldarchitektur für sich entscheiden. Hinter historischen Mauern und auf vier neuen, gestaffelten Dachgeschossen entstanden moderne, flexibel nutzbare Büroflächen für die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA.

Gallerie

Der Dachgeschossaufbau hebt sich mit einer stringent horizontalen Linienführung und einer gegensätzlichen Materialität in Glas und Metall von der sandfarbenen Massivität und vertikalen Struktur des Bestands deutlich ab. Aus der Ferne erscheint das neue Volumen merkwürdig vertraut, als fülle es Verlorenes auf. Tatsächlich stellen die ergänzten Geschosse mit umlaufenden Metallbändern die Konturen des ursprünglichen Mansarddachs wieder her. Hinter der bandartigen Aluminiumbekleidung treten die gläsernen Bürofassaden zurück, sodass Raum für Dachterrassen entsteht.

In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege wurde die viereinhalb Geschosse hohe, historische Natursteinfassade aufgearbeitet und saniert, die imposante Eingangshalle originalgetreu in den Neubau integriert. Der Zugang erhielt eine behindertengerechte Rampen- und Treppenanlage. Die seitlich der bestehenden Eingänge liegenden Fenster wurden zu bodentiefen Türöffnungen erweitert, sodass mehr Tageslicht in die Halle dringt. Sie ermöglichen langfristig eine Aufteilung in verschiedene Mietbereiche. Erhaltenswerte Bauteile im Innenraum wie schmiedeeiserne Geländer, ein Treppenantritt aus Marmor, Laibungen und Stuckornamente wurden restauriert und wieder eingesetzt, sodass der Charme des Altbaus an einigen Stellen spürbar bleibt.

Für die offen und flexibel konzipierten Bürolandschaften entwickelten die Architekten das Design- und Farbkonzept „Himmel über Köln“: Jedes Stockwerk erhielt eine eigene Farbe, in Anlehnung an die Abstufungen des Himmels bei Sonnenuntergang. Diese findet sich an Wänden, Teppichen und Möbeln sowie am gepixelten Stockwerksanzeiger. Bezug nehmend auf die Aufgaben der EASA zeigen großflächige, fein linierte Wandbilder technische Zeichnungen von Flugobjekten – vom kleinen Papierflieger im Erdgeschoss über Ballons und Segelflieger bis hin zum großen Passagierflugzeug A380 im siebten Stockwerk. Über alle drei Innenhöfe, die das Gebäude gliedern, erstreckt sich eine Fotocollage aus Porträts von 800 Mitarbeitern der Europäischen Agentur für Flugsicherheit, die sich zu einer überdimensionalen Europakarte zusammensetzen.

Baumaßnahmen/Bauphysik
Im Sinne einer zukunftsfähigen, wirtschaftlich tragbaren Lösung blieb vom Bestand neben einzelnen Elementen aus dem Innenraum nur die Außenwand aus Mauerwerk und Naturstein erhalten. Sie dient nach wie vor als statisch wirksame Wand, in die die Lasten aus den neuen Geschossdecken eingeleitet werden. Sie wurde gereinigt, aufgearbeitet sowie teilweise restauriert. Auf der Innenseite wurde ein Metallständerwerk mit Mineralwolledämmung vorgesetzt. Die darauf verlegte Dampfbremse verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem warmen Innenraum in die kalten Bauteilschichten gelangt und dort kondensiert, die abschließend angebrachten Schallschutzplatten aus Gipskarton absorbieren insbesondere den Schall tieferer Frequenzen und erhielten einen Anstrich.

Gestalterisch zurückhaltend sind die neu eingesetzten Kastenfenster mit vorgesetzter Prallscheibe und dahinterliegendem Sonnenschutz ausgeführt. Zwar entsprechen ihre Abmessungen den ursprünglichen Fensterformaten; sie setzen sich jedoch durch eine umlaufende Schattenfuge vom Bestand ab. Die Dreifachverglasung in den Fensterflügeln reduziert Transmissionswärmeverluste und wird den hohen energetischen wie schallschutztechnischen Anforderungen gerecht. Die rückwärtige, neue und verputzte Westfassade „Am Alten Ufer" prägen vertikale Fensterbänder, die über alle Geschosse verlaufen. Damit unterscheidet sie sich vom Bestand und hebt sich gleichfalls vom Dachaufbau ab. An dieser Gebäudeseite sind Lüftungsöffnungen für die Technikbereiche integriert.

Die Fassadenbänder der aufgesetzten Dachgeschosse bestehen aus pulverbeschichtetem Aluminium. Um sie den Konturen des ursprünglichen Mansarddachs anzupassen, wurden sie in der Höhe zweitgeteilt und ihre Oberlichtbänder ein Stück nach innen versetzt. Die unteren Fensterelemente besitzen Drehflügel und thermisch getrennte Aluminiumprofile, die Wärmebrücken verhindern. Überall sind Dreifach-Isolierverglasungen eingebaut; jeder zweite Flügel lässt sich öffnen. Die Verglasungen der Oberlichter sind zudem mit einer reflektierenden Sonnenschutzbeschichtung versehen. Als außen liegender Sonnenschutz sind Raffstore aus aluminiumbeschichteten Lamellen angebracht, die den Tageslichteinfall kaum beeinträchtigen. Eine Besonderheit stellt die Attikakonstruktion auf dem historischen Gesims dar. Sie ist mit einem Sammler für die Notentwässerung ausgestattet und besteht ebenfalls aus pulverbeschichtetem Aluminium (siehe Abb. 14 und 16). Durch die Aufgliederung der Dachgeschosse, der auch die Brüstungsbänder folgen, und der Verwendung des gleichen Materials entsteht das zeichenhafte Bild der historischen Dachform – und ist weithin über den Rhein wahrnehmbar.

Bautafel

Architekten: Kadawittfeldarchitektur, Aachen in Arbeitsgemeinschaft mit Graf + Graf Architekten, Montabaur
Projektbeteiligte: Kadawittfeldconsult, Aachen (Innenarchitektur); AWD, Köln (Statik); Thor Bauphysik, Bergisch Gladbach (Bauphysik); Kempen Krause Ingenieure, Köln (Brandschutz); Bähr Ingenieure, Köln (Haustechnik); Bilfinger Hochbau, Köln (Bauleitung und Generalunternehmer); Greenbox Landschaftsarchitekten, Köln (Freiraumplanung)
Bauherr: Hochtief Projektentwicklung, Niederlassung Rhein-Ruhr
Standort: Konrad-Adenauer-Ufer 3, 50668 Köln
Fertigstellung: 2016
Bildnachweis: Jens Kirchner, Düsseldorf; Ralph Richter, Düsseldorf; Stefan Schilling, Köln

Baunetz Architekten

Fachwissen zum Thema

Übersicht einiger üblicher Dämmstoffe für unterschiedliche Anwendungsbereiche

Übersicht einiger üblicher Dämmstoffe für unterschiedliche Anwendungsbereiche

Wärmeschutz

Dämmstoffe: Eigenschaften, Anwendungen, Kennwerte

Wichtiger Bestandteil des energieeffizienten Bauens und Wärmeschutzes sind die Dämmstoffe. Die Rohdichten [kg/m³] und die daraus...

Schematischer Temperaturverlauf in unterschiedlichen Wandaufbauten; monolithische Wand links, Mitte von außen gedämmte Wand, rechts Wand mit Innendämmung

Schematischer Temperaturverlauf in unterschiedlichen Wandaufbauten; monolithische Wand links, Mitte von außen gedämmte Wand, rechts Wand mit Innendämmung

Wärmeschutz

Dämmungsysteme und deren Wirkung

Zur Reduzierung des Wärmeenergiebedarfs in einem Gebäude ist die Dämmung von Fassade, Dach und Bodenplatte eine der wichtigsten...

Das tatsächliche Schalldämm-Maß eingebauter Fenster hängt ab von der Schalldämmung der Verglasung, der Schalldämmung des Rahmens, der Qualität des Einbaus und der Schalldämmung weiterer Bauteile wie integrierter Lüftungssysteme oder Rollladenkästen.

Das tatsächliche Schalldämm-Maß eingebauter Fenster hängt ab von der Schalldämmung der Verglasung, der Schalldämmung des Rahmens, der Qualität des Einbaus und der Schalldämmung weiterer Bauteile wie integrierter Lüftungssysteme oder Rollladenkästen.

Schallschutz

Schutz gegen Außenlärm

Die Anforderungswerte der Norm DIN 4109-1: Schallschutz im Hochbau – Teil 1: Mindestanforderungen beziehen sich auf den...

Ob sich ein Gebäude im Sommer überhitzt, ist im Wesentlichen von seinem Glasflächenanteil und der einfallenden Sonneneinstrahlung abhängig

Ob sich ein Gebäude im Sommer überhitzt, ist im Wesentlichen von seinem Glasflächenanteil und der einfallenden Sonneneinstrahlung abhängig

Tageslicht

Tageslicht und sommerlicher Wärmeschutz

Ob sich ein Gebäude im Sommer überhitzt, ist im Wesentlichen von seinem Glasflächenanteil und der einfallenden Sonneneinstrahlung...

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de

Baunetz Wissen Boden sponsored by:
Deutsche FOAMGLAS®  | www.foamglas.com
Zum Seitenanfang

Westansicht von der De Beauvoir Road: Ursprünglich umfasste der Gebäudeblock sechs Warenlager aus dem 19. Jahrhundert

Westansicht von der De Beauvoir Road: Ursprünglich umfasste der Gebäudeblock sechs Warenlager aus dem 19. Jahrhundert

Büro/​Gewerbe

De Beauvoir Block in London

Aufstockung mit Modulen in Holzrahmenbauweise

Nordwestliche Eingangsseite: Das Hafven lässt an eine Festung denken

Nordwestliche Eingangsseite: Das Hafven lässt an eine Festung denken

Büro/​Gewerbe

Coworking Space Hafven in Hannover

Markanter Sichtbetonbau mit Kerndämmung aus Schaumglas

Mit einer Länge von 310 Metern, 72 Metern Breite und einer lichten Höhe von knapp neun Metern prägt der ehemalige Güterbahnhof Station F das Stadtgefüge im 13. Arrondissement von Paris maßgeblich

Mit einer Länge von 310 Metern, 72 Metern Breite und einer lichten Höhe von knapp neun Metern prägt der ehemalige Güterbahnhof Station F das Stadtgefüge im 13. Arrondissement von Paris maßgeblich

Büro/​Gewerbe

Station F in Paris

Baudenkmal aus Spannbeton wird Gründerzentrum

Das Marine Building 27E sollte nach seiner Ertüchtigung durch das Bureau SLA im Jahr 2016 als temporäres Verwaltungs- und Konferenzgebäude im Rahmen der niederländischen EU-Ratspräsidentschaft dienen

Das Marine Building 27E sollte nach seiner Ertüchtigung durch das Bureau SLA im Jahr 2016 als temporäres Verwaltungs- und Konferenzgebäude im Rahmen der niederländischen EU-Ratspräsidentschaft dienen

Büro/​Gewerbe

Marine Building 27E in Amsterdam

Umnutzung einer Umnutzung

Der markante Turm der Sihlpost mit den gelben Lettern und den vertikalen Fensterbändern ist heute das Wahrzeichen des neuen Quartiers an der Europaallee

Der markante Turm der Sihlpost mit den gelben Lettern und den vertikalen Fensterbändern ist heute das Wahrzeichen des neuen Quartiers an der Europaallee

Büro/​Gewerbe

Sihlpost Zürich

Energetische Ertüchtigung einer Schweizer Ikone

Die ehemalige Königliche Eisenbahndirektion in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms erhielt einen fein gestaffelten Aufbau, der das Bild der historischen Dachform nachzeichnet

Die ehemalige Königliche Eisenbahndirektion in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms erhielt einen fein gestaffelten Aufbau, der das Bild der historischen Dachform nachzeichnet

Büro/​Gewerbe

Neue Direktion Köln

Terrassierte Aufstockung lässt Mansarddach aufleben

Entworfen zu Beginn der 1950er-Jahre von Helmut Hentrich und Hans Heuser, erfolgte der Umbau des Hochhauses bis 2016 durch die Architekten und Stadtplaner Kister Scheithauer Gross (Südansicht)

Entworfen zu Beginn der 1950er-Jahre von Helmut Hentrich und Hans Heuser, erfolgte der Umbau des Hochhauses bis 2016 durch die Architekten und Stadtplaner Kister Scheithauer Gross (Südansicht)

Büro/​Gewerbe

Gerling Hochhaus in Köln

Energetische und brandschutztechnische Sanierung eines Stahlskelettbaus

Das 1960 von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg entworfene Dreischeibenhaus in Düsseldorf gilt heute als wichtiges Zeugnis der deutschen Nachkriegsmoderne

Das 1960 von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg entworfene Dreischeibenhaus in Düsseldorf gilt heute als wichtiges Zeugnis der deutschen Nachkriegsmoderne

Büro/​Gewerbe

Dreischeibenhaus in Düsseldorf

Modernisierung eines denkmalgeschützten 60er-Jahre-Baus

Ostfassade mit ehemaliger Laderampe, rechts daneben der barrierefreie Zugang

Ostfassade mit ehemaliger Laderampe, rechts daneben der barrierefreie Zugang

Büro/​Gewerbe

Bürogebäude The Box in Berlin

Umbau eines Lagerhauses aus den 1960er-Jahren

Das Vitrahaus beherbergt Ausstellungsräume

Das Vitrahaus beherbergt Ausstellungsräume

Büro/​Gewerbe

Vitrahaus in Weil am Rhein

Gestapelte Dachlandschaft

Wärmebrückenfrei bauen

Thermische, bauphysikalische und ausführungsbedingte Wärmebrücken sicher vermeiden – mit dem Wärme-dämmelement FOAMGLAS PERINSUL

Partner-Anzeige