Planung von Entwässerungsanlagen

Bei der Planung und Bemessung von Entwässerungsanlagen sollten vorrangig alle Möglichkeiten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung genutzt werden, um die Einleitung von Regenwasser in die öffentliche Kanalisation zu reduzieren. Denn vermehrt vorkommende Starkregenereignisse bei gleichzeitiger Zunahme versiegelter Bodenflächen führen immer häufiger zur Überlastung der öffentlichen Kanalisation. Mittlerweile verwehren viele Städte und Gemeinden ganz oder teilweise die Einleitung von Regenwasser vom Grundstück in die öffentliche Kanalisation. Regenwasser darf nicht auf öffentliche Verkehrsflächen geleitet werden.

Galerie

Geregelt ist die Planung von Entwässerungsanlagen in der DIN 1986-100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 100: Bestimmungen. Diese enthält europäische Bestimmungen in Verbindung mit der DIN EN 752: Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden  Kanalmanagement und DIN EN 12056: Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden. Ebenfalls zu berücksichtigen sind die Arbeitsblätter der DWA-A 117: Bemessung von Regenrückhalterräumen, DWA-A 118: Planung und hydraulische Überprüfung von öffentlichen Entwässerungssystemen und DWA-A 138: Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall sowie die KOSTRA-DWD Rasterdaten zu Niederschlagshöhen und -spenden für Deutschland des Deutschen Wetter Dienstes in der aktuellen Fassung.

Galerie


Faktoren für die Planung und Bemessung von Regenwasserleitungen

Für die Planung und Bemessung von Regenentwässerungsanlagen sind folgende Faktoren zu berücksichtigen: Regenspenden (r), die sogenannten abflusswirksamen Flächen (A) sowie der Abflussbeiwert (C). Die Entwässerungsleitungen werden nach dem Regenwasserabfluss Qr in l/s bemessen:

Qr = r (D,T) x C x A x 1/10.000

Regenspenden (r)

Die Bemessungsregenspende (auch Regenspende genannt) ist eine Kenngröße zur Berechnung von anfallenden Regenwassermengen und für die Bemessung von Regenentwässerungsanlagen, Notentwässerungen sowie zur Erstellung von Überlastungs- und Überflutungsnachweisen. Zur Ermittlung der erforderlichen Regenspenden sind die Werte nach KOSTRA-DWD zu verwenden. In Tabelle A.1 der DIN 1986-100 findet sich eine Übersicht der Regenspenden für mehrere Großstädte in Deutschland. Die Jährlichkeit des Berechnungsregens für die Entwässerung von Dachflächen muss mindestens einmal in 5 Jahren (T = 5) betragen. Die maßgebende Regendauer ist mit D = 5 Minuten zu berücksichtigen. Eine Berechnungsregenspende r(5,5) ist für alle Dachflächen, unabhängig von der Dachneigung und Konstruktion, maßgebend.

Beispielberechnung in der Stadt Bonn: r(5,5) = 299 l/(s ha)

Die Jährlichkeit des Berechnungsregens für Grundstücksflächen (ausgenommen Dachflächen) muss für Niederschlagsflächen ohne geplante Regenrückhaltung mindestens einmal in 2 Jahren (T = 2) betragen. Bei einer vorgeschriebenen Regendauer von D = 5 Minuten muss für diese Flächen auch weiterhin eine Berechnungsregenspende r(5,2) in Ansatz gebracht werden.

Beispielberechnung in der Stadt Bonn: r(5,2) = 215 l/(s ha)

Galerie


Abflusswirksame Flächen (A)
Als wirksame Dachfläche gilt in Deutschland grundsätzlich die im Grundriss projizierte Dachfläche. Bei größeren aufgehenden Fassaden mit Windeinwirkung ist zu prüfen, ob mit einem Einfluss auf den Regenwasserabfluss in die Entwässerungsanlage zu rechnen ist. Ist das der Fall, muss die wirksame Fläche gemäß DIN 12056-3: Dachentwässerung, Planung und Bemessung berechnet werden. Hierbei wird die Gesamtfläche der aufgehenden Fassade zu fünfzig Prozent als wirksame Fläche angerechnet. Die abflusswirksame Grundstücksfläche ist aus dem Außenanlagenplan unter Berücksichtigung der Abflussbeiwerte zu berechnen.

Galerie

Abflussbeiwert (C)

Der Abflussbeiwert C dient der Ermittlung des Regenwasserabflusses, beispielsweise nach einem Starkregen. Er ist in der DIN 1986-100 festgelegt und abhängig von der Art der Niederschlagsfläche. Für Kiesdächer ist beispielsweise ein Abflussbeiwert von 0,5 zu berücksichtigen, für Gründächer je nach Beschaffenheit und Aufbau zwischen 0,2 und 0,7, für die übrigen Dächer gilt der Abflussbeiwert 1,0.

Galerie

Balkone und Loggien

Der Anschluss von Abläufen zur Entwässerung von Balkonen und Loggien ist lediglich unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen: Haben Balkone und Loggien keine geschlossene Brüstung, kann auf getrennte Fallleitungen für die Dach- und Balkonentwässerung verzichtet werden. Hierbei müssen jedoch mindestens fünfzig Prozent der Brüstung als freier Ablauf zur Verfügung stehen, damit das Wasser im Überflutungsfall ungehindert abfließen kann.

Abläufe von Balkonen und Loggien im Erdgeschoss sollten aus Sicherheitsgründen getrennt an die Regenwassergrundleitung angeschlossen werden. Abläufe von Terrassen sollten wegen Überflutungsgefahr möglichst erst nach einem Entspannungspunkt (Hofablauf oder Schacht mit offenem Durchfluss und Lüftungsöffnungen) an die weiterführende Regenwassergrundleitung angeschlossen werden.

Galerie

Bemessungsgrundlagen

Die Bemessung großer privater Grundstücken mit eigener Infrastruktur ist in DIN 1986-100, Abschnitt 14.2.1 geregelt. Sie ist für Grundstücke bis zu einer befestigten Fläche bis etwa 60 ha (AE,b) oder Fließzeiten bis zum Anschlusspunkt an ein Gewässer oder den öffentlichen Anschlusskanal bis etwa 15 Minuten anzuwenden. Die Berechnung von Au muss mit dem Spitzenabflussbeiwert Cs nach Tabelle 9 durchgeführt werden.

Europäische Entwässerungsnormen

Die Anforderungen der europäischen Entwässerungsnormen DIN EN 12056-1: Allgemeine und Ausführungsanforderungen bis 12056-3 und teilweise DIN EN 12056-4: Abwasserhebeanlagen; Planung und Bemessung sowie DIN EN 752 wurden bei der Änderung 2016 berücksichtigt.

Ausnahmeregelung nach Abschnitt 5.3.1 im Anhang C

Im Gegensatz zu Abschnitt 6.4 der Euronorm DIN EN 12056-3 darf in Deutschland grundsätzlich kein Regenwasser in Schmutzwasserfallleitungen eingeleitet werden. Dies gilt gemäß Abschnitt 5.3.1 der DIN 1986-100 nicht für die Entwässerung von Auffangflächen von im Freien aufgestellten Kühlaggregaten von Kälteanlagen nach § 19 (4) AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) mit einem maximalen Regenwasserabfluss ≤1,0 l/s über Dachabläufe mit DN 50 an eine Schmutzwasserfallleitung ≥ DN 100.  Die entsprechenden Anforderungen für die Planung und Ausführung gemäß der Ausnahmeregelung sind im Anhang C der Norm enthalten.

Quelle: IZEG Informationszentrum Entwässerungstechnik Guss, Bonn

Fachwissen zum Thema

Im Tür- und Fassadenbereich von Balkonen, Loggien und Terrassen muss sichergestellt sein, dass keine Feuchtigkeit von außen in das Gebäude eindringen kann.

Im Tür- und Fassadenbereich von Balkonen, Loggien und Terrassen muss sichergestellt sein, dass keine Feuchtigkeit von außen in das Gebäude eindringen kann.

Entwässerung

Entwässerung von Balkonen, Loggien und Terrassen

Ableitung des anfallenden Wassers auf der Bodenoberfläche und in der Dränageebene gemäß DIN 1986-100

Entwässerungsrinne für den Schwerlastverkehr von ACO

Entwässerungsrinne für den Schwerlastverkehr von ACO

Regelwerke

Normen: Entwässerung

Die Zusammenstellung bietet eine Auswahl an Normen in Bezug auf Entwässerung.

Für Grundstücke mit einer abflusswirksamen Fläche von über 800 Quadratmetern ist ein Überflutungsnachweis erforderlich.

Für Grundstücke mit einer abflusswirksamen Fläche von über 800 Quadratmetern ist ein Überflutungsnachweis erforderlich.

Entwässerung

Überflutungsnachweis

Geeignete Maßnahmen gemäß DIN 1986-100: Sicherheit in der Gebäudeentwässerung zur Verhinderung von Überflutungen auf Grundstücken mit abflusswirksamen Fläche von über 800 Quadratmetern.

Surftipps

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Treppen sponsored by:
ACO GmbH
Am Ahlmannkai
24782 Büdelsdorf
Tel. +49 4331 354-700
www.aco.de
Zum Seitenanfang

Außenanlagen und Freiflächen

Wasserflächen wie hier auf dem Vorplatz der Firma Leica in Wetzlar kühlen aufgrund von Verdunstung die Umgebung in Hitzeperioden.

Wasserflächen wie hier auf dem Vorplatz der Firma Leica in Wetzlar kühlen aufgrund von Verdunstung die Umgebung in Hitzeperioden.

Wassersensible Gestaltung urbaner Räume mittels Linien- und Punktentwässerung, Versickerung und Rückhaltung.

Entwässerung von Fassaden

Rund 50 Prozent des anfallenden Regenwassers auf Grundstücken kann an Fassaden niedergehen. Sie müssen neben Dach- und Freiflächen daher ebenfalls bei der Planung von Entwässerungskonzepten mitgedacht werden.

Rund 50 Prozent des anfallenden Regenwassers auf Grundstücken kann an Fassaden niedergehen. Sie müssen neben Dach- und Freiflächen daher ebenfalls bei der Planung von Entwässerungskonzepten mitgedacht werden.

Rund 50 Prozent des anfallenden Regenwassers auf Grundstücken kann an Fassaden niedergehen. Sie müssen neben Dach- und Freiflächen daher ebenfalls bei der Planung von Entwässerungskonzepten mitgedacht werden.

Entwässerung von Balkonen, Loggien und Terrassen

Im Tür- und Fassadenbereich von Balkonen, Loggien und Terrassen muss sichergestellt sein, dass keine Feuchtigkeit von außen in das Gebäude eindringen kann.

Im Tür- und Fassadenbereich von Balkonen, Loggien und Terrassen muss sichergestellt sein, dass keine Feuchtigkeit von außen in das Gebäude eindringen kann.

Ableitung des anfallenden Wassers auf der Bodenoberfläche und in der Dränageebene gemäß DIN 1986-100

Versickerung in der Freiflächenentwässerung

Bei unversiegelten Flächen kann das Niederschlagswasser direkt in den Boden versickern.

Bei unversiegelten Flächen kann das Niederschlagswasser direkt in den Boden versickern.

Fahrradwege, Straßen und Parkanlagen können über Flächen-, Mulden- und Schachtversickerung sowie kombinierte Systeme entwässert werden. 

Entwässerungsstrategien

Freiflächen in städtischen Gebieten dienen als Orte der Erholung, des sozialen Zusammentreffens oder der sportlichen Betätigung.

Freiflächen in städtischen Gebieten dienen als Orte der Erholung, des sozialen Zusammentreffens oder der sportlichen Betätigung.

Vorteile, Herausforderungen und Entwässerungslösungen für unversiegelte und für versiegelte Freiflächen

Planung von Entwässerungsanlagen

Die immer häufiger vorkommenden Starkregenereignisse überlasten die öffentliche Kanalisation.

Die immer häufiger vorkommenden Starkregenereignisse überlasten die öffentliche Kanalisation.

Faktoren, technische Regelwerke und Normen für die Planung und Bemessung.

Entwässerung geneigter Dächer

Ein gut gestaltetes Entwässerungssystem verhindert Wasseransammlungen und schützt dadurch das Gebäude.

Ein gut gestaltetes Entwässerungssystem verhindert Wasseransammlungen und schützt dadurch das Gebäude.

Die Wahl des Entwässerungssystems hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Dachtyp, Neigung, klimatische Bedingungen und architektonische Gestaltung.

Entwässerung von Flachdächern

Auf Flachdächern anfallendes Niederschlagswasser muss sicher abgeführt werden.

Auf Flachdächern anfallendes Niederschlagswasser muss sicher abgeführt werden.

Anforderungen an Mindestgefälle, einzuhaltende Abstände und zu berücksichtigende Normen.

Freispiegelentwässerung und Druckentwässerung

Funtkionsschema Freispiegelentwässerung: Das Regenwasser wird auf Grundlage des Schwerkraftprinzips über die Flachdachabläufe und die nachfolgende Rohrleitung entwässert.

Funtkionsschema Freispiegelentwässerung: Das Regenwasser wird auf Grundlage des Schwerkraftprinzips über die Flachdachabläufe und die nachfolgende Rohrleitung entwässert.

Für die Entwässerung von Flachdächern. Für kleinere Flächen eignen sich Systeme zur Freispiegelentwässerung, für Flächen ab 150 Quadratmeter Systeme, die mit Unterdruck arbeiten.

Entwässerung von Gründächern

Ein gut geplantes und fachgerecht installiertes Entwässerungssystem ist für den Erhalt eines Gründachs unerlässlich.

Ein gut geplantes und fachgerecht installiertes Entwässerungssystem ist für den Erhalt eines Gründachs unerlässlich.

Ein gut geplantes und fachgerecht installiertes Entwässerungssystem trägt dazu bei, die Funktion eines Gründachs zu sichern, seine ökologischen Vorteile zu maximieren und die Leistungsfähigkeit des gesamten Gebäudes zu gewährleisten.

Punktentwässerung

Bei der Punktentwässerung wird das Wasser an einem Punkt in der Fläche gesammelt und abgeleitet.

Bei der Punktentwässerung wird das Wasser an einem Punkt in der Fläche gesammelt und abgeleitet.

Für die Ableitung von Regen- und Oberflächenwasser auf kleineren Flächen wie Terrassen, Flachdächer, Höfe oder Auffahrten.

Linienentwässerung in der Infrastruktur

Entwässerungsrinnen für den Einsatz in Parkhäusern, Parkdecks und Tiefgaragen müssen äußerst stabil, frost- und tausalzbeständig sein.

Entwässerungsrinnen für den Einsatz in Parkhäusern, Parkdecks und Tiefgaragen müssen äußerst stabil, frost- und tausalzbeständig sein.

Für die Ableitung des Oberflächenwassers in Parkhäusern, Parkdecks und Tiefgaragen, auf Straßen und befestigten Verkehrsflächen, für Schwerlast, Tunnel und Brücken.

Überflutungsnachweis

Für Grundstücke mit einer abflusswirksamen Fläche von über 800 Quadratmetern ist ein Überflutungsnachweis erforderlich.

Für Grundstücke mit einer abflusswirksamen Fläche von über 800 Quadratmetern ist ein Überflutungsnachweis erforderlich.

Geeignete Maßnahmen gemäß DIN 1986-100: Sicherheit in der Gebäudeentwässerung zur Verhinderung von Überflutungen auf Grundstücken mit abflusswirksamer Fläche von über 800 Quadratmetern.

ACO MULTILINE SEAL IN

Dicht von Anfang an: So entspricht Ihr Projekt schon heute in Sachen Umweltschutz und Wasserqualität den Anforderungen von morgen.

Partner-Anzeige