Nahwärme

Der Begriff Nahwärme bezeichnet ein Konzept für die Wärmeversorgung mehrerer Gebäude. Somit ähnelt sie der Fernwärme mit dem Unterschied, dass die Abnehmer in einem Nahwärmenetz selten weiter als einen Kilometer vom Wärmeerzeuger entfernt sind. Häufig befinden sie sich sogar in unmittelbarer Nähe, etwa innerhalb eines Quartiers. Die Nahwärmeversorgung bietet sich besonders für neu zu errichtende Gebäude oder Wohngebiete und Niedrigenergiehaus-Siedlungen an, auch bei relativ dünner Siedlungsdichte. Aber auch die Nachrüstung von Bestandsgebäuden kann vor dem Hintergrund der Energiewende sinnvoll sein.

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Die Wärme, mit der ein Nahwärmenetz betrieben wird, kann mittels unterschiedlicher Energieträger und Technologien produziert werden. Ob aus fossilen Brennstoffen wie Gas oder – weitaus zukunftsträchtiger – aus umweltfreundlichen, erneuerbaren Energiequellen wie Biomasse, Edwärme oder Solarenergie – letztlich ist nahezu jede Wärmequelle möglich. Als Wärmeerzeuger werden vorrangig Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen oder Solarthermieanlagen eingesetzt. Welcher Wärmeerzeuger am besten geeignet ist, hängt von den individuellen Rahmenbedingungen ab, also etwa der Größe des Nahwärmenetzes, der nötigen Leistung oder der Frage, ob mit dem Nahwärmenetz nur die Grundlast oder auch die Spitzenlast gedeckt sein soll.

Funktionsweise

Der Unterschied zwischen Fernwärme und Nahwärme liegt neben der Entfernung zwischen Erzeuger und Abnehmer auch in der Dimension. Wird bei Fernwärmenetzen in großen Heizkraftwerken eine meist hohe Temperatur erzeugt und über viele Kilometer hinweg zu den Haushalten transportiert, sind Nahwärmenetze eher Quartierslösungen für eine begrenzte Anzahl an Abnehmern mit kleineren Anlagen, deren Leistung ein Megawatt meist nicht übersteigt. Eine genaue Definition, bis zu welchem Radius ein Nahwärmesystem wirtschaftlich betrieben werden kann, gibt es nicht. In der Regel aber weiten sich Nahwärmenetze maximal wenige Kilometer weit aus. Die kleinste Form eines Nahwärmenetzes ist im Grunde eine Zentralheizung in Mehrfamilienhäusern.

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Ausgehend von einem Wärmeerzeuger wird die Wärme (meist zwischen 75 und 100 °C) dann über wassergeführte Rohrleitungen (Erdleitungen oder innerhalb von Bauten) zu den verschiedenen Gebäuden transportiert. Dort erfolgt die Wärmeübergabe mittels Wärmetauscher an das interne Heizsystem. Nach der Wärmeübergabe gelangt das abgekühlte Wasser wieder zurück zum Wärmeerzeuger und wird dort erneut erwärmt. Durch diesen Kreislauf ist eine kontinuierliche Versorgung der Verbraucher mit Wärme sichergestellt.

Sinnvoll kann die Integration eines Pufferspeichers in ein Nahwärmesystem sein. Denn bei vielen Anlagen zur Wärmeerzeugung gilt, dass sie am effizientesten arbeiten, je gleichmäßiger sie laufen können, etwa bei Blockheizkraftwerken. Da jedoch die Abnahme der Wärme nicht kontinuierlich erfolgt, sollte die zeitweise zu viel produzierte Wärme zwischengespeichert werden, sodass sie zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden kann.

Vor- und Nachteile

Wie die Fernwärme, so ist auch die Nahwärme eine effiziente und bequeme Lösung für eine nachhaltige, wirtschaftliche und für die Verbraucher*innen wartungsarme Versorgung mit Wärme. Ob sich die Beteiligung an einem Nahwärmenetz lohnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Führt man alle Investitions- und Betriebskosten zusammen, kann eine Einsparung von bis zu zwanzig Prozent gegenüber der Einzelversorgung realisiert werden.

Vorteile von Nahwärme:

  • In Nahwärmenetzen wird häufig die Abwärme aus industriellen Prozessen oder Wärme aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt. Dadurch werden CO₂-Emissionen reduziert.
  • Ein zentraler Wärmeerzeuger kann effizienter betrieben werden, als mehrere einzelne Geräte; Wartung und Instandhaltung sind zudem wirtschaftlicher.
  • Durch die kurzen Lieferwege von den Wärmeerzeugern zu den Verbrauchern werden Transportverluste reduziert (gegenüber der Fernwärme).
  • In den Gebäuden, in denen sich nur die Übergabestationen befinden, werden keine baulichen Voraussetzungen für einen Wärmeerzeuger benötigt; der Platz, den eine Übergabestation benötigt, ist recht gering.
  • Muss ein Brennstoff zur Wärmeproduktion eingesetzt werden, kann dieser in größeren Mengen und daher kostengünstiger eingekauft werden.
  • Wird die Wärme mittels eines Blockheizkraftwerks erzeugt, entsteht zusätzlich Strom, der entweder selbst genutzt oder verkauft werden kann.
  • Die Abwärme aus naheliegenden Produktionsprozessen kann für ein Nahwärmesystem genutzt werden.
  • Für den Einbau sind staatliche Förderungen möglich.

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Nachteile von Nahwärme:

  • Bei Anschluss an ein Nahwärmenetz entsteht eine Abhängigkeit vom Anlagenbetreiber, die zum Beispiel für Mietende in der Regel unkündbar ist. Bei Immobilieneigentum werden oft langfristige Verträge abgeschlossen.
  • Verbraucher haben in der Regel keinen Einfluss auf die bauliche Qualität eines Nahwärmesystems, müssen eventuelle Netzverluste jedoch mittragen.
  • Als Verbraucher in einem Nahwärmenetz hat man in der Regel keinen Einfluss auf den eingesetzten Energieträger bzw. die eingesetzte Technologie zur Wärmeproduktion.
  • Die Leistung des Wärmeerzeugers und der Bedarf der Verbraucher sind üblicherweise aufeinander abgestimmt. Nachrüstungen und Ausweitungen eines Nahwärmenetzes sind somit oftmals nicht möglich.
Nahwärmenetze und das GEG
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) zielt darauf ab, den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren und die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern. Dementsprechend gewinnen die Fern- sowie die Nahwärme an erheblicher Bedeutung. Wärmenetzbetreiber müssen sicherstellen, dass das Wärmenetz zum Zeitpunkt des Netzanschlusses die jeweils geltenden rechtlichen Anforderungen erfüllt. Die von der kommunalen Wärmeplanung abhängigen Fristen gelten sowohl für Fern- als auch für Nahwärmenetze, damit Hauseigentümer eine Orientierung erhalten, ob ihr Haus künftig an ein Fern- oder Nahwärmenetz anschlossen werden soll oder ob sie bei ihrem (neuen) Heizsystem auf eine Wärmepumpe oder eine adäquate Alternative setzen sollten (siehe Beitrag zum Heizungsgesetz).

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