Wild Mile in Chicago
Schwimmendes Feuchtgebiet
Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert diente der Chicago River als zentraler Transport- und Abwasserkanal der namensgebenden nordamerikanischen Großstadt. Um zu verhindern, dass das verschmutzte Flusswasser in den Lake Michigan und damit in das lokale Trinkwasser gelangte, wurde die Fließrichtung des Flusses Anfang des 20. Jahrhunderts in einer legendären Infrastrukturmaßnahme umgekehrt. Dieser massive Eingriff in den lokalen Wasserkreislauf hinterließ seine Spuren und integrierte den Fluss in eine großmaßstäbliche Wasserinfrastruktur. Die Wild Mile ist ein Gegenentwurf zu dieser funktionalen Beziehung der Stadt zu ihrem Fluss.
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Entlang des nördlichen Flussarms entsteht seit 2021 Chicagos erster schwimmender Landschaftsraum. Pontons bilden modulare Plattformen, die als Pflanzenbeete dienen. Die lokale Non-Profit-Organisation Urban Rivers entwickelte das Projekt gemeinsam mit dem ortsansässigen Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill (SOM) und lokalen Umweltinitiativen. Ziel ist es, das stark regulierte und verschmutzte fluviale Ökosystem zu regenerieren und den Fluss wieder als öffentlichen Stadtraum zugänglich zu machen. Nachdem 2022 die ersten 120 Meter eröffnet wurden, konnten nach erfolgreicher Finanzierung und einer zweiten Bauphase 2022 weitere 90 Meter eingeweiht werden.
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Künstliches Feuchtgebiet
Die schwimmenden Pflanzmodule bilden künstliche Feuchtgebiete, wie sie einst die lokale Wasserlandschaft prägten. Die Wurzeln der Pflanzen auf den Pontons reichen ins Flusswasser, wo sie Schadstoffe und Nährstoffeinträge filtern. Gleichzeitig schaffen sie Lebensräume für Fische, Muscheln, Wasservögel und Insekten, sowohl unter als auch über Wasser. Im Gegensatz zu konventionellen Uferbefestigungen ist die modulare Konstruktion zwar am Ufer und auf dem Grund des Flusses verankert, kann sich aber dank ihrer Flexibilität an wechselnde Wasserstände und potenzielle Hochwasserereignisse anpassen.
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Begegnungs- und Naherholungsort
Neben der Regeneration des lokalen Wasserkreislaufs schafft die Wild Mile zugleich einen Begegnungs- und Erholungsort. Lokale Akteur*innen beteiligen sich an Pflanzaktionen, Konzerte bieten musikalischen Genuss, und andere genießen einfach die Ruhe im Grünen. Mit weiterer Finanzierung hofft die Initiative das schwimmende Feuchtgebiet weiterbauen zu können. Dem Namen entsprechend soll mindestens eine Meile, rund 300 Meter zusammenkommen. -hs
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