Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien

Geringer Energieverbrauch, angenehmes Raumklima

Es ist das älteste Krankenhaus der österreichischen Hauptstadt: Das Kaiser-Franz-Josef-Spital im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten besteht bereits seit 1891 und wird seit einigen Jahren neu strukturiert. Nachdem Nickl & Partner Architekten 2008 den Wettbewerb für sich entscheiden konnten, ist ihr ergänzender Neubau auf einem Grundstück an der Triester Straße seit 2016 als zweiter Abschnitt fertiggestellt. Der ursprünglich pavillonartige Bestand wies durch zahlreiche Um- und Anbauten ein äußerst heterogenes, zerfasertes Bild auf. Die Architekten schufen stattdessen eine klare, verdichtete städtebauliche Struktur, deren elementierte, bedruckte Glasfassade kennzeichnend ist. Ein modularer Grundriss macht den Gebäudekomplex flexibel und erweiterbar, die differenzierte Höhenentwicklung und Gliederung durch Höfe und Dachterrassen bewirkt eine gelungene Einbindung ins Umfeld.

Gallerie

Auf insgesamt sechs Ebenen – eine davon unterirdisch – beherbergt der Baublock ein Mutter-Kind- sowie ein OP-Zentrum, außerdem Pflegestationen mit 258 Betten. Während der Grundriss im Erd- und Obergeschoss kompakt rechteckig ist, gegliedert durch sechs gleichmäßig verteilte Lichthöfe, sind die oberen Etagen mit den Pflegestationen verkleinert. Die Grundrisse im dritten und vierten Obergeschoss bestehen aus drei übereck verbundenen Quadraten, die jeweils einen Hof fassen. Diese Höfe sind größer als jene im Erd- und Obergeschoss. Durch die Überlagerung entstehen Dachterrassen, die wiederum der dritten Etage zugutekommen (siehe Grundriss Abb. 11). Die Freiflächen zwischen den Aufbauten gen Süden, Osten und Nordwesten bieten als bepflanzte innerstädtische Dachterrassen hohe Aufenthaltsqualität.

Über das Untergeschoss erfolgt die Anbindung des Neubaus an einen (im ersten Bauabschnitt errichteten) Wirtschaftshof. Im Erdgeschoss befindet sich das Ambulanzzentrum. Darüber ist das OP-Zentrum untergebracht, dessen acht Operationssäle Tageslicht erhalten. Der Haupteingang an der Südwestseite eröffnet die zentrale Erschließungsachse des Gebäudes, von der beidseitig und symmetrisch jeweils ringförmig Flure abgehen. Durch Aufweitungen werden die Lichthöfe in die Magistrale miteinbezogen. Auf den Ebenen drei bis fünf reihen sich die Ein- und Zweibettzimmer für die Patienten entlang der Außenfassaden, sind also hell und bieten Aussicht zur Stadt. Die Arbeitsräume des Personals richten sich zu den begrünten Innenhöfen.

Durch den Neubau als Ergänzung des einst beispielhaften Kaiser-Franz-Josef-Spitals ließen sich die Wege deutlich verkürzen und Arbeitsabläufe optimieren. So ist sein künftiges Bestehen als modernes Schwerpunktkrankenhaus Österreichs gesichert.

Zertifiziert als „A+“, gilt das Krankenhaus in Österreich als Niedrigstenergiegebäude. Es ist mit einer hochwirksamen Wärmerückgewinnung ausgestattet, verfügt über flächendeckende Klimatisierung durch Betonkernaktivierung sowie abgehängte Klimadecken. Das sind Gipskartonplatten mit Ausfräsungen, die mit Kühlschläuchen ausgestattet sind. In den Patientenzimmern herrscht dadurch ein angenehmes Raumklima. Alle Räume werden mechanisch be- und entlüftet. In den Wintermonaten lassen sich durch die Verglasungen passive solare Wärmegewinne erzielen.

Bei der Elementfassade, die vorgefertigt wurde und auf einem Raster von 3,90 Metern basiert (begründet durch das Achsmaß der Patientenzimmer) variieren geschlossene Elemente, teils emaillierte Gläser und Fensterflügel mit Schallschutzverglasung. Diese schirmt den Verkehrslärm seitens der stark befahrenen Triester Straße ab. Sogenannte Lüftungsboxen ermöglichen in den Ein- und Zweibettzimmern das individuelle Lüften von Hand: Hier sind Lochbleche vor den Fensterflügeln angebracht, damit kein Teddy auf der Straße landet, falls der Patient noch ein Kind ist. Die mit dem Abstand des Wartungsgangs vorgesetzte, verschiebliche Glasfassade fungiert als Sonnenschutz. Sie ist einem Gestaltungskonzept entsprechend mit einer unregelmäßigen Punktstruktur bedruckt, die im Sichtbereich der Patienten gute Durchsicht freilässt, darüber und darunter jedoch die Sonneneinstrahlung effektiv behindert. Sonnenschutz und Temperatur sind über sogenannte Raumbediengeräte steuerbar.

Die Operationsräume erhalten Tageslicht durch Oberlichter, zwei von ihnen auch durch Verglasungen an der Außenseite. Die Zugänge zu den Dachterrassen sind barrierefrei und rollstuhlgerecht ausgeführt. Ihre Entwässerung erfolgt innenliegend über Einzelabläufe.

Da die Haupttreppe – eine freitragende Sichbetonkonstruktion zentral im Gebäude – im Brandfall als Fluchtweg genutzt wird, wurden eine Überdruckanlage und Brandschutzvorhänge installiert. Diese sorgen für Rauchfreiheit im Bereich der Treppe und den anliegenden Aufzügen. us

Bautafel

Architekten: Nickl & Partner Architekten, München
Projektbeteiligte: Rinderer & Partner ZT, Graz (Tragwerksplaner); DI Dr. Küttner, DI Wenger & Partner, Graz (Medizintechnik); TB Eipeldauer + Partner, Traiskirchen (TGA); Prause Bauphysik, Wien (Bauphysik); Norbert Rabl Ziviltechniker, Graz (Brandschutz)
Bauherr: Stadt Wien
Fertigstellung: 2016
Standort: Kundratstraße 3, 1100 Wien
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin

Baunetz Architekten

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