Best Workspaces 2025
Arbeitswelten neu gedacht
Callwey Verlag, München 2025
384 Seiten, 400 Fotos und Abbildungen, fester Einband
Format 23 x 30 cm
Preis: 98 EUR
ISBN 978-3766727749
Normalerweise präsentieren wir an dieser Stelle Bücher über die Struktur, Organisation und Leitung von Teams. Doch Arbeitsabläufe werden zunehmend flexibler und interdisziplinärer – New Work und agiles Arbeiten ist in vieler Münder. Da stellt sich Architekturschaffenden die Frage: Welche Auswirkungen hat das auf den Arbeitsraum und wie beeinflusst der wiederum die Arbeitskultur und das Prozessmanagement?
Über fünfzig Antworten dafür liefert das Buch New Workspaces 2025 – Ausgezeichnete Arbeitswelten und Bürobauten. Es präsentiert außergewöhnliche Arbeitsplatzgestaltungen und Bürogebäude, die im gleichnamigen Wettbewerb eingereicht wurden. Nach zwei einführenden Texten zum Status Quo unserer Arbeitsweise, folgen die gut ausgewählten Projekte, die sich nach den Wettbewerbsrubriken zu Kapiteln sortieren: zwei erste Preise, drei Anerkennungen, einen Fotografiepreis, viele Auszeichnungen und die beiden Kategorien Architects' Voice und Architects' Choice. Jedes Projekt wird auf mindestens drei Seiten mit großformatigen Fotos, einer Projektbeschreibung, einem Kurzinterview und gefetteten Zitaten dargestellt. Das Layout sowie die Projekt- und Fotoauswahl sind sehr ansprechend, das Stöbern im Buch macht Freude.
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Seit der ersten Auflage der Publikation im Jahr 2020 haben sich die Arbeitsweisen im Vergleich zu den Jahrzehnten davor besonders stark verändert und flexibilisiert. Die im Buch gezeigten Arbeitswelten haben daher einen gemeinsamen Nenner: Büros werden zu Orten der Begegnung. Gemeinschaftsflächen und Kommunikationsformen bekommen einen größeren Stellenwert, die aneinandergereihten Einzelbüros und das auf Effizienz ausgelegte Schreibtischraster scheinen dagegen auszusterben. Das zieht viele gestalterische Aspekte nach sich, die in den gezeigten Projekten unterschiedlich gelöst sind: Da sind Fragen zum Schall- und Sichtschutz, zum Fixpunkt im Flexiblen, zur kollektiven und individuellen Identität, zur Abgrenzung, Privatsphäre und Interaktion und zu digitalen und analogen Prozessen. Immer geht es dabei um das richtige Maß, damit die gestalteten Räume Unternehmen und Individuum gerecht werden.
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In seiner Einleitung schreibt Jörg Staff, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Personalführung und Jurymitglied: „Future Workspaces sind mehr als physische Räume – sie sind strategische Ressourcen, die maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen“. Deshalb investieren Unternehmen in hochwertige Interieurs, deshalb lassen ebendiese tief blicken und verbildlichen die Situation der Wirtschaft. Wer genau hinsieht, liest in den Fotos das Ringen um neue Fachkräfte und um den guten Draht zu den Beschäftigten, damit diese treu bleiben. Man sieht die Bemühungen für mehr Transparenz in komplexeren Prozessen, mehr Luft für Ideen bei schneller wechselnden Anforderungen, mehr Verspieltheit in härter umkämpften Märkten. Es menschelt, weil der Best-place-to-work ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Allerdings werden in den abgebildeten Interieurs auch die versteckten Erwartungen der Unternehmen an ihre Mitarbeitenden sichtbar: Transparenz bei der Arbeit, eine hohe soziale Kompetenz und ausgeprägte Integrationsbereitschaft und Freude, sich dynamisch weiterzuentwickeln. Vorbei sind die Zeiten der Kolleg*innen, die Ihre Büros mit Kinderfotos schmücken, sich bei schlechter Laune hinter geschlossenen Türen und großen Zimmerpalmen verstecken und die Tage bis zur Rente zählen.
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Einen Haken hat das Buch und der entspringt der Realität: Best Workspaces finden offensichtlich nur in progressiven und privilegierten Büroarbeitsplätzen statt. Dabei sind Workspaces auch der Montagetisch in der Fabrikhalle oder die Hebebühne in der Autowerkstatt. Auch diese unterliegen – ganz ohne remote work – einem Wandel durch die Digitalisierung von Prozessen und durch den Fachkräftemangel. Insofern ist der Titel sehr irreführend und eine Erweiterung des Blicks auf andere Arbeitswelten wäre wünschenswert und dringend notwendig. -rg
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