Toilettenpavillon Maida Hill in London

Zirkuläres Bauen im öffentlichen Raum

Mit einem öffentlichen Toilettengebäude aus wiederverwendetem Naturstein setzt das Planungsbüro Studio Weave im Londoner Stadtteil North Paddington ein Zeichen für zirkuläres Bauen im öffentlichen Raum. Der kleine Pavillon entstand als Teil der Aufwertung des Maida Hill Market und antwortet zugleich auf den Wunsch der lokalen Bevölkerung nach besserer öffentlicher Infrastruktur.

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Rückgang öffentlicher Sanitäranlagen

Die Planung basiert auf den Ergebnissen einer Bürgerbeteiligung und setzt sich mit dem zunehmenden Rückgang öffentlicher Sanitäranlagen im Stadtraum auseinander. Laut der British Toilet Association wurden seit dem Jahr 2000 rund vierzig Prozent der öffentlichen Toiletten im Vereinigten Königreich geschlossen. Ursachen hierfür sind unter anderem steigende Unterhaltskosten sowie die eingeschränkte Barrierefreiheit vieler bestehender Anlagen, wodurch diese für Kommunen zunehmend zur Belastung wurden.

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Revitalisierung des öffentlichen Raums

Der Maida Hill Market an der Kreuzung von Harrow Road und Fernhead Road gilt als wichtiger sozialer Treffpunkt im Quartier. Im Rahmen des übergeordneten North Paddington Programme des Westminster City Council wurde das Umfeld des Marktplatzes umfassend aufgewertet und neu gestaltet. Der barrierefreie Toilettenpavillon auf Straßenniveau bildet den Abschluss der Maßnahmen und ersetzt die vorherige unterirdisch angeordnete Sanitäranlage. Die Entwürfe entstanden auf Grundlage langjähriger Ideen und Wünsche lokaler Gemeinschaftsgruppen und Netzwerke.

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Klein aber fein

Als kompakter, rechteckiger Block fügt sich das Bauwerk entlang der Elgin Avenue in den öffentlichen Raum ein. Die automatisierten Zugänge zu den drei Sanitärkabinen – darunter eine barrierefrei ausgeführte Einheit – sind auf der zum Platz orientierten Fassadenseite angeordnet. Der separate Technik- und Servicebereich wird über eine eigene Tür an der schmalen Gebäudeseite erschlossen. Der Grundriss misst insgesamt etwa 17 Quadratmeter.

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Flickenartiges Fassadenkleid

Nicht seine einfache Kubatur, sondern vor allem die Fassadengestaltung verleiht dem Pavillon seine besondere Ausdruckskraft. Großformatige, wiederverwendete Natursteinmodule mit unterschiedlichen Farben, Abmessungen und Oberflächenstrukturen bekleiden das Bauwerk und erzeugen ein flickenartiges Erscheinungsbild. Das Material diente ursprünglich als Fassadenverkleidung eines rückgebauten Bürogebäudes im Broadgate-Komplex in der City of London. Für die neue Nutzung wurden die Natursteine – rosafarbener finnischer Granit und norwegischer Larvikit – zu rechteckigen Modulen zugeschnitten und als tragende Struktur des Toilettengebäudes eingesetzt. Die Oberflächen der Elemente zeigen die Spuren des Schneidens und Spaltens und machen die Wiederverwendung des Materials sichtbar, anstatt sie zu kaschieren.

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Demontierbarkeit und Materialkreislauf

Die steinerne Hülle ist konstruktiv unabhängig von der innenliegenden Toiletteneinheit. Dadurch kann die technische Ausstattung künftig ausgetauscht oder modernisiert werden, ohne das Gebäude selbst zu demontieren. Auch die Steine wurden so detailliert geplant, dass sie bei Bedarf wieder ausgebaut und erneut verwendet werden können. Der Ansatz folgt dem Prinzip des sogenannten „Urban Quarry“ (städtischer Steinbruch): der Vorstellung, dass bestehende Gebäude und urbane Räume bereits über große Mengen hochwertiger Materialien verfügen, die als wertvolle Ressourcen für zukünftige Bauaufgaben genutzt werden können.

Öffentliche Toiletten sind ein wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden, sicheren und inklusiven öffentlichen Raums. Studio Weave gelingt es, dieser häufig wenig beachteten Gebäudetypologie mit hoher gestalterischer Sorgfalt und zugleich ökologischen sowie wirtschaftlichen Aspekten zu begegnen. 

Bautafel

Architektur: Studio Weave, London
Projektbeteiligte: Webb Yates Engineers (Statiker und Gebäudetechnik); Stone Masonry Company / FM Conway (Bauunternehmer); Window Flowers (Landschaftsbau); Tom Massey Studio (Gartengestaltung); 
Bauherr*in: Westminster City Council
Fertigstellung: 2025
Standort: Maida Hill Market, City of Westminster, London
Bildnachweis: Lorenzo Zandri

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