Architectural Development / Quartains of Confusions
Architekturwelten mit KI
Wenn Menschen nicht nur Steine, sondern gleich Pyramiden werfen, wenn sie ganze Gebäude schultern oder zuschauen, wie Straßenbahnen in endlosen Raupen gen Himmel kreiseln, dann hat der Architekt und Künstler Hassan Ragab einmal mehr seine Fantasie und die KI bemüht. Der in Kalifornien lebende Künstler setzt sich mit aktuellen Fragen der Architektur- und Stadtgestaltung auseinander, ebenso wie mit gesellschaftskulturellen Fragen.
Galerie
Für seine Bildfolge Architectural Development / Quartains of Confusions (deutsch: Vierzeiler der Verwirrung) ließ sich Ragab von den vierzeiligen Gedichten (Rubaiyat) des ägyptischen Dichters Salah Jaheen inspirieren. In der Bildserie verweben und verbinden sich die Fassadenelemente und bilden hier und da Löcher, Ausstülbungen oder pflanzenähnliche Fasern – amorphe Netze, die keiner Konstruktionslogik folgen, aber die Gebäude fest umwickeln. Ragab sagt dazu: „Es ist ein Versuch, Verwirrung in noch mehr Verwirrung zu verweben – nicht um sie zu lösen, sondern sie als einen Raum zu umarmen, in dem Bedeutung zusammenbricht und etwas Neues entstehen könnte.“
Der Künstler fand über computational design (Algorithmisches Entwerfen) zu neuen medialen Ausdrucksformen und nutzte lange vor anderen Architekturgestaltenden Large-Language-Tools für den Entwurf realistischer oder fantastischer Bilder. Darin stellt er das Gebaute stets in den Kontext zu Mensch und Natur und erschafft komplexe Architekturutopien und dystopische Szenen einer ambivalenten Gesellschaft. Passend dazu experimentiert er mit unterschiedlichen Stilen und Abstraktionsgraden und lässt seine Bilder mal wie Collagen, mal wie Gemälde oder Fotos wirken. Mit Licht, Farbe und Materialität lenkt er den Fokus in seinen Bildern vom Gebauten auf die Stimmung, die den Raum dazwischen füllt. Mithilfe von KI macht er das Unsichtbare im Raum sichtbar.
Galerie
Und dennoch schreibt der Künstler: „Ich bin tief besorgt über die Auswirkungen von KI auf unser Leben und damit darauf, wie wir das erschaffen, was wir schaffen.“ KI-Werkzeuge, so Ragab, würden zweifellos die Zukunft unserer Spezies und unseres Planeten bestimmen. Seine Warnung äußerte er 2025 auf einem Websummit in Katar (Video am Ende des Beitrags).
BauNetz fragte daher bei ihm nach:
Wird KI die gebaute Realität oder schon das Ideal, das wir anstreben, verändern?
Ragab: „Ich glaube, beides geschieht bereits, während wir hier sprechen. Das beigefügte Beispiel aus meiner Arbeit habe ich vor über einem Jahr erstellt. Damals war dafür eine komplizierte Technik erforderlich, die nur wenige Architekten in ihrer Arbeit anwenden konnten. Heute sind diese Werkzeuge jedoch weit verbreitet, und immer mehr Designer integrieren sie täglich in ihre Arbeitsabläufe. Persönlich hoffe ich, dass wir diese Tools nutzen, um bedeutungsvollere Kreationen zu schaffen, die uns tief mit kulturellen und gesellschaftlichen Themen verbinden.“
Wird KI die Architektur verbessern oder verschlechtern?
Ragab: „Ich denke, dass es sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die gebaute Umwelt geben wird. Aber dies wird eher von unseren Absichten und der Anwendung als von den Tools selbst abhängen. Ich habe immer befürchtet, dass KI als Werkzeug dienen würde, um die generischen und stereotypen Ergebnisse zu verstärken, die wir derzeit in unserer gebauten Umwelt sehen – und ich habe das Gefühl, dass diese Befürchtungen Realität werden. Dennoch besteht weiterhin die Möglichkeit, diese Werkzeuge zu nutzen, um authentische und neue Ausdrucksformen zu schaffen. So oder so sehen wir bereits, dass diese Auswirkungen die AEC-Branche mit jedem Jahr stärker treffen, und ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändern wird.“
Fachwissen zum Thema
Surftipps
PROJEKT PRO GmbH | Kontakt +49 8052 95179-0 | www.projektpro.com
