Beiersdorf Campus in Hamburg

Warum agile Arbeitsorte agile Planungsmethoden benötigen

New Work ist ein Buzzword, hat aber ganz konkrete Auswirkungen auf die Gestaltung von Innenräumen. Das zeigt sehr beispielhaft der Beiersdorf Campus in Hamburg. Die Architektur des 2023 eingeweihten Gebäudes planten Hadi Teherani Architects. Die Innenarchitektur stammt von der Ippolito Fleitz Group. Diese hat sich in den vergangenen Jahren ausgiebig mit New Work beschäftigt und entwickelte eine eigene Herangehensweise (Kraft x Weg) zur Planung der dafür passenden Büroflächen. 

Galerie

Agilität und Identität 

Mitarbeitende bei Beiersdorf sollen jederzeit frei wählen dürfen, wie und wo sie am besten arbeiten. Ein bedarfsgerechtes, selbstbestimmtes Arbeitsumfeld, so der Gedanke, könnte das Büro attraktiver und hybrider machen und einen Raum schaffen für direkte Kommunikation und Kollaboration – das Büro als ein Marktplatz, auf dem Ideen ausgetauscht und verhandelt werden. Die Flächen dafür sollen sich flexibel an verschiedene und sich zukünftig immer wieder verändernde Arbeitsweisen anpassen. Sicher, das Innenarchitektur-Team hätte einfach ein schön gestaltetes Open-Space-Design samt Desk-Sharing-Modell präsentieren können. Doch der Haken des agilen Arbeitens und der daraus folgenden flexiblen Bürofläche ist sehr häufig die Angst der Beschäftigten, mit dem festen Schreibtisch auch das vertraute Arbeitsumfeld und in der Folge Individualität und Wirksamkeit einzubüßen und einen Bedeutungsverlust zu erfahren.  

Galerie

Change Management 

Ein Change Management kann helfen, dass Menschen sich mit dem Neuen identifizieren und es sich aneignen. Das Ziel ist, Veränderungen im Unternehmen positiv wahrzunehmen. Aber es gibt einen zweiten Haken: Die Arbeitsweisen verändern sich derzeit schneller, als ein Büro geplant und gebaut ist. Selbst wenn also eine Planung den Mitarbeitenden gefällt, ist sie zum Zeitpunkt der Realisierung bereits veraltet. 

Daher gilt für die Planung, was auch für die Nutzung gilt: Sie muss selbst agil, flexibel und kollaborativ sein und Teilhabe ermöglichen, damit ebendiese Werte die Nutzung überdauern und Flächen bedarfsgerecht und wandelbar bleiben. Daher begann das Team der Ippolito Fleitz Group nicht mit der Planung, sondern mit dem Management eines Beteiligungsprozesses. Das startete vor Planungsbeginn und begleitete die Planungs- und Bauphase fünf Jahre lang bis zur Fertigstellung im Jahr 2023.  

Galerie

Beteiligungsprozess 

Zunächst initiierte man Befragungen zur Arbeitsplatzzufriedenheit. Dann wurden Workshops mit einer kleineren Gruppe von Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen durchgeführt. Außerdem organisierte das Team Besuche bei Unternehmen mit zeitgemäßen Bürokonzepten. Die Beschäftigten waren bis in die Detailplanung eingebunden; später gab es Baustellenführungen in großer Runde. In regelmäßigen Sprechstunden und sogenannten Townhall-Meetings ließen sich Fragen und Anmerkungen klären. Zudem testeten die Mitarbeitenden das zukünftige Mobiliar in Probesitz-Formaten und Einzelaufbauten.  

Eigentlich kennen Planungsteams diese Herangehensweise aus internen Prozessen: die ergebnisoffene Aufnahme eines Status Quo und die permanente Überarbeitung im Entwurfsprozess. Das Vorgehen bei Beiersdorf zeigt laut Peter Ippolito dennoch einen Paradigmenwechsel in der Innenarchitektur: Der Prozess wird wichtiger als das gestaltete Produkt. Denn das unterliegt ohnehin einem ständigen Wandel. 

Parallel zur Planung erstellte das Team eine virtuelle Erkundungstour der zukünftigen Büroräume per App. Sie führte durch ein digitales, dreidimensionales Raummodell, das den jeweiligen Stand der Planungen zeigte und mit Spiel-Elementen Betrachtende zur Interaktion aufforderte. Später wurde die 3D-Simulation zu einer Virtual-Reality-Umgebung weiterentwickelt, sodass das neue Büro per VR-Brille schon vor Fertigstellung erlebbar wurde.  

Galerie

Wohlfühlort 

Die übergeordneten Ziele Kommunikation, Identifikation und Flexibilität gehen bei der Innenarchitektur Hand-in-Hand. Im Sockel des Gebäudes liegen der Empfang sowie ein Café und ein Restaurant. Die Flächen sind als offene Kommunikationszonen schwellenlos verbunden. Holzrippen überspannen die jeweiligen Bereiche und sorgen zusammen mit gepolsterten Sitzinseln und -nischen für eine warme, geborgene Atmosphäre und den notwendigen Schallschutz. Das Restaurant lässt sich dank des flexiblen Mobiliars zur Veranstaltungsfläche freiräumen. Die gesamte Gestaltung basiert auf den identitätsprägenden Farben Blau und Weiß in Kombination mit Holz und Textilien in verschiedenen Hauttönen, angelehnt an das Unternehmensthema „Care beyond skin“. Sogar die für die Cremedose typische Kreisform findet sich u.a. in Sichtschutzelementen, in Polstermöbeln und Teppichen wieder. 

Galerie

Kollaboration 

Über dem Sockel erhebt sich mit fünf Geschossen eine Kammstruktur. Im ersten Obergeschoss liegen im Kammrücken große Besprechungs- und Vortragsräume. Die fünf Kammzinken erweitern den Kommunikationsraum zu einem sogenannten „Collaboration Hub mit experimentellen Interaktionsflächen“. Es entstanden verschiedene Besprechungszonen mit unterschiedlichen Gestaltungen und Atmosphären für verschiedene Austauschformate: Es gibt kleine und größere Sitzstufentheater, gemütliche Loungebereiche mit vielen Pflanzen, Steh- und herkömmliche Besprechungstische, Flursofas und Sitznischen. Die meisten der Polster- und Sitzmöbel sind leicht verschiebbar und wechseln entsprechend innerhalb eines Bereiches ihren Platz. Die Flächen lassen sich je nach Bedarf und spontan durch die Mitarbeitenden selbst mit leichten Schiebewänden und Vorhängen abtrennen oder zuschalten.

Galerie

Teametagen 

Auch in den Büroetagen darüber reihen sich entlang der mittigen Gebäudeachsen kommunikative Bereiche mit kleinen Lounge- und Besprechungsbereichen. Allerdings sind die angelagerten Flächen selbst kleinteiliger zoniert, mit offenen, zu kleinen Gruppen gefassten Arbeitsplätzen und geschlossenen Raum-in-Raum-Modulen. Diese Bereiche sind festen Teams und Teamnachbarschaften zugeordnet. Diese durften ihre Teamräume frei einteilen und gestalten. Auch zukünftig lassen sich diese Flächen leicht und ohne hohe Baukosten umgestalten und ermöglichen so eine permanente Transformation des Raumes für schnell wechselnde Anforderungen. Bei der Ippolito Fleitz Group spricht man vom „Möglichkeitsraum, in dem Teams die Freiheit und die Ressourcen haben, neue Ideen zu entwickeln, zu experimentieren und innovative Lösungen zu finden“.  

Bautafel

Architektur: Ippolito Fleitz Group (Innenarchitektur), Hadi Teherani (Architektur)
Projektbeteiligte: Lichtwerke, Köln (Lichtplanung)
Bauherr*in: Beiersdorf
Standort: Beiersdorfstraße 1-9, 22529 Hamburg
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Philip Kottlorz, Stuttgart

BauNetz Architekt*innen

Fachwissen zum Thema

Schritte eines Innovationsmanagements

Schritte eines Innovationsmanagements

Grundlagen

Grundlagen Innovationsmanagement

Bei der Digitalisierung hilft ein Innovationsmanagement, mit dem die Teams systematisch zu neuen, ungewöhnlichen Ideen und Lösungen finden.

Bauwerke zum Thema

Das neue Open-Office von McDonald's in Crissier (Schweiz) zeigt mal mehr, mal weniger subtil die Firmen-CI.

Das neue Open-Office von McDonald's in Crissier (Schweiz) zeigt mal mehr, mal weniger subtil die Firmen-CI.

Case Studies - Büromanagement

McDonald's in Crissier

Die Planung von Open-Space-Büros muss sich an den unterschiedlichen Arbeitsweisen und Bedürfnissen der Teams orientieren. Spezielle Tools helfen, diese systematisch zu erfassen.

Kontakt Redaktion BauNetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Controlling und Management sponsored by:
PROJEKT PRO GmbH | Kontakt +49 8052 95179-0 | www.projektpro.com
Zum Seitenanfang

Das Entwurfs- und Planungsteam von Behnisch Architekturbüro plante in der östlichen HafenCity ein Bürogebäude mit flexiblen Grundrissen.

Das Entwurfs- und Planungsteam von Behnisch Architekturbüro plante in der östlichen HafenCity ein Bürogebäude mit flexiblen Grundrissen.

Case Studies - Büromanagement

Edge ElbSide in Hamburg

Neue Arbeitslandschaften

Für den Beiersdorf Campus entwarf die Ippolito Fleitz Group eine Innenarchitektur, die agiles und kollaboratives Arbeiten ermöglicht.

Für den Beiersdorf Campus entwarf die Ippolito Fleitz Group eine Innenarchitektur, die agiles und kollaboratives Arbeiten ermöglicht.

Case Studies - Büromanagement

Beiersdorf Campus in Hamburg

Warum agile Arbeitsorte agile Planungsmethoden benötigen

Das Wiener Studentenwohnheim des Betreibers Lumis Student Living bietet 390 Appartements auf dem Campus der FH.

Das Wiener Studentenwohnheim des Betreibers Lumis Student Living bietet 390 Appartements auf dem Campus der FH.

Case Studies - Büromanagement

Lumis Student Living in Wien

Effizienz beim Planen von Studierendenwohnheimen

Das neue Open-Office von McDonald's in Crissier (Schweiz) zeigt mal mehr, mal weniger subtil die Firmen-CI.

Das neue Open-Office von McDonald's in Crissier (Schweiz) zeigt mal mehr, mal weniger subtil die Firmen-CI.

Case Studies - Büromanagement

McDonald's in Crissier

Räume für flexibles Arbeiten

Wie ein Wal im Wasser mäandert der von D:4 geplante Kita-Neubau in Berlin auf und ab.

Wie ein Wal im Wasser mäandert der von D:4 geplante Kita-Neubau in Berlin auf und ab.

Case Studies - Büromanagement

Kita Jona und der Wal in Berlin

Neubau einer Kindertagesstätte

Das St. Vinzenzhaus wurde 1839 als Erweiterung des allgemeinen Krankenhauses erbaut. Hier, vor den Toren Münchens, sollten sich die Kranken erholen. Heute liegt das Areal mitten in der Ludwigsvorstadt.

Das St. Vinzenzhaus wurde 1839 als Erweiterung des allgemeinen Krankenhauses erbaut. Hier, vor den Toren Münchens, sollten sich die Kranken erholen. Heute liegt das Areal mitten in der Ludwigsvorstadt.

Case Studies - Büromanagement

St. Vinzenzhaus in München

Sanierung eines historischen Krankenpflegehauses

Das CRCRL Haus ist der Umbau und die Aufstockung einer ehemaligen Fassladehalle in Berlin-Neukölln.

Das CRCRL Haus ist der Umbau und die Aufstockung einer ehemaligen Fassladehalle in Berlin-Neukölln.

Case Studies - Büromanagement

CRCLR-Haus in Berlin

Fortschrittlich von der Planung bis zur Ausführung

Der Entwurf für das 2022 fertiggestellte Eiswerk am Berliner Spreeufer revitalisiert das ehemalige Areal der Eisfabrik durch ein diverses Nutzungskonzept.

Der Entwurf für das 2022 fertiggestellte Eiswerk am Berliner Spreeufer revitalisiert das ehemalige Areal der Eisfabrik durch ein diverses Nutzungskonzept.

Case Studies - Büromanagement

Eiswerk in Berlin

Effiziente Formfindung mit parametrischen Entwurfsprozessen

Das Grundstück des Wohnhauses an der Aigner-Rollet-Allee ist im Besitz der Stadt Graz und wurde von der Siedlungsgenossenschaft Ennstal mit Fördermitteln des Landes Steiermark errichtet.

Das Grundstück des Wohnhauses an der Aigner-Rollet-Allee ist im Besitz der Stadt Graz und wurde von der Siedlungsgenossenschaft Ennstal mit Fördermitteln des Landes Steiermark errichtet.

Case Studies - Büromanagement

Wohnbau Aigner-Rollett-Allee in Graz

Schnittstellen im Überblick

Für die Außenwände, die Tragstruktur und die Geschossdecken kamen vorgefertigte Brettschichtholzplatten zum Einsatz

Für die Außenwände, die Tragstruktur und die Geschossdecken kamen vorgefertigte Brettschichtholzplatten zum Einsatz

Case Studies - Büromanagement

Zentrum Reininghaus Süd in Graz

Effiziente Ressourcenplanung im Großprojekt

Für die norwegische Hafenstadt Kristiansund planen und bauen C. F. Møller Architects aus Oslo ein neues Opern-, Museums- und Kulturzentrum.

Für die norwegische Hafenstadt Kristiansund planen und bauen C. F. Møller Architects aus Oslo ein neues Opern-, Museums- und Kulturzentrum.

Case Studies - Büromanagement

Opern-, Museums- und Kulturzentrum in Kristiansund

Neue kulturelle Mitte für die norwegische Hafenstadt

Kostenfreies Webinar

Nehmen Sie unverbindlich am Live Webinar von PROJEKT PRO teil und erfahren Sie, wie Sie Ihre Projektgewinne steigern können.

Partner-Anzeige