Edge ElbSide in Hamburg

Neue Arbeitslandschaften

Wer aus südlicher Richtung die Hamburger Elbbrücken überquert, dem eröffnet sich ein weitreichender Blick auf die HafenCity – mit der Elbphilharmonie ganz im Westen und einem Rohbau-Turm im Osten. Dazwischen wechseln sich Wohn- und Geschäftsgebäude mit Plätzen, Parks und Promenaden ab. In unmittelbarer Nähe zu den Elbbrücken und damit als Entrée in das gleichnamige Quartier realisiert Behnisch Architekturbüro das Edge ElbSide – ein Bürogebäude, das dem Energiekonzern Vattenfall als neuer Standort dient.

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Städtebau und Masterpläne

Die HafenCity gilt derzeit als Europas größtes innerstädtisches Stadtentwicklungsvorhaben. Sie grenzt nördlich an die historische Speicherstadt, zudem sind die Hafenkante und verschiedene Hafenbecken charakteristisch für das Bebauungsgebiet. Bereits im Jahr 2000 wurde der Masterplan von Kees Christiaanse und ASTOC vom Hamburger Senat beschlossen. Seither werden sukzessive auf 157 Hektar Fläche und in insgesamt zehn Quartieren verschiedene Nutzungskonzepte aus Wohnen, Arbeiten, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Einzelhandel und Freizeit- und Tourismusangeboten realisiert. Für die drei östlichen Quartiere Oberhafen, Baakenhafen und Elbbrücken bot dieser Masterplan jedoch keine ausreichende Planungsgrundlage, woraufhin ab 2008 an einer Masterplanüberarbeitung gearbeitet und diese 2010 vom Senat beschlossen wurde.

Das Quartier Elbbrücken ist als urbanes Geschäfts- und Wohnquartier geplant. Es zeichnet sich überwiegend durch siebengeschossige Blockstrukturen mit einzelnen Hochpunkten aus. Der rund 10.000 m² große Amerigo-Vespucci-Platz zwischen Baakenhafen im Westen und den Elbbrücken im Osten bildet das Zentrum des neuen Quartiers. An diesen Platz setzt Behnisch Architekturbüro mit dem Edge ElbSide einen weiteren Hoch- und Orientierungspunkt für das Quartier. Ihr Entwurf ging als Siegerprojekt aus einem 2019 ausgelobten Wettbewerb hervor, bei dem vier internationale Architekturbüros in einem Workshop-Verfahren gegeneinander antraten. Die Planungen begannen im September 2019; mit dem Bau konnte ein Jahr später begonnen werden. Im Mai 2024 wurde das Projekt fertiggestellt.

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Luftige Einschnitte

Der rechteckige Baukörper – vornehmlich siebengeschossig, an der nordwestlichen Ecke 18-geschossig – ist an vielen Stellen durch verglaste Einschnitte, die unterschiedlich hohe Höfe und Atrien ausbilden, aufgebrochen. Zum Platz hin springt das Erdgeschoss zurück, die darüber liegenden Geschosse kragen aus und werden über quadratische Stützen abgefangen.

Beschäftigte des neuen Vattenfall-Standorts finden im Erdgeschoss ein Restaurant mit Außenterrasse, Fitnessflächen und Fahrradabstellräume. Die Freitreppe im zentralen Foyer führt in das sogenannte Mezzanine-Geschoss. Hier liegen Ausstellungsbereiche, informelle Arbeitsplätze und Begegnungsorte. Die Grundrisse der Regelgeschosse zeichnen sich durch frei bespielbare Büroflächen aus. Einzig die Fluchttreppen, Aufzüge und vertikalen Versorgungseinheiten ziehen sich als feste Einheiten durch die gesamte Gebäudehöhe.

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Offener Grundriss für New Work

Offene Treppen, mehrgeschossige Lufträume, verglaste Höfe mit Galerien und eine Dachterrasse erweitern die Arbeitsflächen und lösen starre Bürostrukturen ab. Das fördert geschossübergreifend die Kommunikation. Für Mitarbeitende stehen Fokusarbeitsplätze, verschiedene Besprechungsräume, sogenannte individuelle Solo- oder Duoboxen für Telefonate oder Videokonferenzen und Orte für informelle Kommunikation zur Verfügung. Je nach Bedarf können die verschiedenen Arbeitsplätze aufgesucht werden. Auch auf der Dachterrasse, in der Skylounge und in den Wintergärten soll Arbeiten möglich sein.

Das Grundraster von 8,10 Meter ermöglicht die flexible Bespielung der Flächen. Einschnitte und Rücksprünge sind innerhalb des sogenannten Halbrasters von 4,05 Meter möglich. Installationen im Bürobereich sind auf ein Minimum reduziert, um nachträgliche Umbauten von Trennwänden zu erleichtern und neue Raumsituationen problemlos herstellen zu können.

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Raumhohe opake und transparente Fensterelemente wechseln sich ab. Unterschiedliche Keramikpaneele in Rot- und Brauntönen ergänzen das Fassadenbild. Die transparenten Flächen der Bürofassade sind als festverglaste Elemente und öffenbare Fenster vorgesehen. Außenliegende, effektive und lichtlenkende Raffstores gewährleisten den notwendigen Sonnenschutz. Mit verglasten Fassaden heben sich die Atrien deutlich von den Büroetagen ab, Sichtbeziehungen werden gestärkt sowie der Dialog mit der Nachbarschaft erhöht, so die Architekt*innen.        

Umstellung auf hybride Arbeitsmodelle

Die Planung des Projekts erfolgte vor, während und nach der Corona-Pandemie. Während die Leistungsphasen 1 und 2 vor der Pandemie abgeschlossen wurden, erfolgte ein Großteil der Arbeit in den Leistungsphasen 3 bis 5 zur Hochphase der Pandemie im Remote-Working-Modell. Das gesamte Planungsteam sowie Bauherr und Nutzende mussten sich in den ersten Corona-Wochen in der „neuen Welt“ des digitalen Remote-Arbeitens zurechtfinden. Ein gemeinsamer Planungsprozess „am Tisch“ mit dem eingebundenen Generalunternehmer war vorgesehen, um das Wissen frühzeitig einzubringen. In der neuen Realität der digitalen und remote organisierten Zusammenarbeit stellte dies jedoch eine Herausforderung dar, berichteten die Architekt*innen. Digitale Tools und Infrastruktur mussten aktualisiert werden, um Projektteams an den verschiedenen neuen Standorten effektiv zu verwalten. 

Die Umstellung auf eine neue Arbeitswelt zeichnete sich ebenfalls im Projekt ab: Der Hauptmieter des Gebäudes brachte Vorstellungen zu Desk-Sharing und hybriden Arbeitsmodellen in die Planung ein, allerdings nicht erst als Folge der Pandemie: Diese Anforderungen waren bereits Bestandteil der Wettbewerbsphase. Schon früh stellte sich das Planungsteam die Frage: „Was bedeutet es, in einer modernen Arbeitsumgebung zu arbeiten?“ Diese Überlegung wurde zu einem Haupttreiber des Gebäudekonzepts und spiegelt sich in der Arbeitslandschaft, die flexible und vielfältige Arbeitsmöglichkeiten bietet, wider, erklären die Architekt*innen. 

Sie betonen weiterhin, traditionelle Planungs- und Darstellungsmethoden wie Grundrisse, Schnitte und Ansichten blieben ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Gleichzeitig seien sie überzeugt, dass der Einsatz digitaler Werkzeuge, wie die BIM-basierte Planung mit dreidimensionalen Räumen, erhebliche Vorteile biete und die Zukunft darstelle. Indem sie lernten, diese digitalen Werkzeuge effektiv für die eigenen Zwecke einzusetzen, steigerte das selbstverständlich auch ihre Effizienz im Planungsprozess. ~st

Bautafel

Architektur: Behnisch Architekturbüro
Projektteam: Michael Innerarity, Abdu Alshorafa (Projektleitung); Ana Mercade, Tim Shapkin, Davide Mendolia, Leslie Iturra, Cornelia Wust, Cigdem Gündogdu (Mitarbeiter*innen)
Projektbeteiligte: deWinder Architekten, Berlin (Innenarchitektur); XPM, Hamburg (Projektsteuerung); Assmann Beraten und Planen, Hamburg (Tragwerk); IG Tech, Hamburg (TGA); Hahn Consult, Hamburg (Brandschutz); Werner Sobek, Stuttgart (Fassade); Müller-BBM, Hamburg (Bauphysik); Happold Ingenieurbüro, Berlin (Zertifizierungen); Bartenbach Lighting Design, Aldrans (Tages- und Kunstlichtplanung); Poolarserver, Stuttgart (Projektserver); KEP, Dresden (Küchenplanung); Ockert und Partner, Stuttgart (Gebäudeleitsystem); Compendium BIM + Kybernetik, Frankfurt (BIM-Koordination); ZECH Bau, Hamburg (Generalunternehmer)
Bauherr*in: EDGE Hamburg
Fertigstellung: 2024
Standort: Amerigio-Vespucci-Platz 2, 20457 Hamburg
Bildnachweis: David Matthiessen (Fotos); Behnisch Architekturbüro (Pläne)

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