Konzernzentrale in Heidelberg

Integrale Planung mit BIM für einen Bau mit Verve

An nördlichen Neckarufer, mit weitem Blick über den Fluss, die Weststadt, die historische Altstadt und der berühmten Schlossruine bis hin zum Berg Königstuhl entsteht in Heidelberg ein heller, lichter Verwaltungsbau: die neue Konzernzentrale von HeidelbergCement. Da die bishergige Hauptverwaltung nicht mehr ausreichend Platz bot und auch nicht mehr aktuellen Nutzungsanforderungen entsprach, wurde ein Neubau an alter Stelle im Stadtteil Neuenheim beschlossen. Die Ansprüche waren vielfältig: Es sollte eine Architektur entstehen, die die technischen und gestalterischen Möglichkeiten des Baustoffs Beton beispielhaft demonstriert und so als Visitenkarte für das Unternehmen fungiert. Zudem liegt dem Entwurf ein effizientes Energiekonzept sowie eine optimierte Planungs- und Ausführungsphase mithilfe von BIM zugrunde, wodurch unter anderem frühzeitig Steuerungseingriffe in den Bauablauf vorgenommen werden konnten. Im Rahmen eines nicht-offenen Wettbewerbs im Jahr 2015 überzeugten Entwurf und Konzept des Architekturbüros AS+P Albert Speer und Partner, die mit der Generalplanung betraut wurden.

Gallerie

Auf dem Grundstück des zurückgebauten alten Verwaltungsgebäudes des Unternehmens fügt sich der Neubau in die bestehende Struktur des Stadtteils, rückt nah an die vielbefahrene Berliner Straße heran und bildet dort den Ausgangspunkt der Bebauungsachse. Das Ensemble besteht aus drei in der Höhe gestaffelten, zueinander versetzten und ineinander verschränkten Quadern, die in ihrer Gesamtheit funktional eine Einheit bilden und jeweils einen eigenen Innenhof ausbilden. Glas und weißer Beton prägen das Erscheinungsbild. Die Fassade aus geschwungenen weißen Betonfertigteilen demonstriert die mögliche Leichtigkeit und filigrane Anmutung, die der Baustoff Beton annehmen kann. Wie Wellen legen sich die Betonteile um die Hülle.

Fassade mit Verve und technischer Besonderheit
Die Fassade aus scheinbar dynamisch fließenden Betonfertigteilen hat neben ihrer optischen Besonderheit auch einen technischen Kniff: Dem Beton ist ein photokatalytischer Zement zugesetzt, der mittels Titandioxid Schadstoffe aus der Luft reduzieren kann. Vorbild dafür ist die sogenannte photokatalytische Reaktion: Durch Einstrahlung von energiereichem UV-Licht werden Verbindungen zersetzt, ein Prozess, der in Natur aber sehr langsam geschieht. Mithilfe von Photokatalysatoren wie etwa Titandioxid kann die Reaktion beschleunigt werden. Durch die Sonnenergie bilden sich dann auf der Betonoberfläche hochreaktive Verbindungen, die in der Lage sind, unter anderem Stickstoffoxide zu oxidieren und damit aus der Umgebungsluft zu entnehmen. Auch bei dem im Außenbereich eingesetzten Betonpflaster ist der Zusatz enthalten.

Neben der Reduktion von Schadstoffen ist auch Ressourcenschonung ein wichtiges Thema: Das Energiekonzept sieht vor, dass Grundwasser zum Heizen und Kühlen der Räume verwendet wird. Dank dieses intelligenten Systems erreicht das Gebäude die höchste Zertifizierungskategorie der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Foyer mit auffälligen, betontechnisch herausfordernden Stützen
Der zum Ufer am nächsten gelegene Gebäudeteil ist so nah wie möglich an die östliche Grundstücksgrenze versetzt, sodass in Verbindung mit dem zentralen Baukörper im Westen eine Ecksituation und klare Eingangsgeste ausgebildet wird. Ein dreigeschossiges, großzügiges Foyer empfängt die Besucher mit vielen feinen Sichtbetonoberflächen unterschiedlicher Farbgebung aus selbstverdichtendem Feinbeton der höchsten Sichtbetonklasse SB 4. Ein besonderer Blickfang sind die drei freistehenden, elf Meter hohen Baumstützen aus weißem Beton, die wiederum aus jeweils drei schlanken, ineinander verdrehten Stützen bestehen.

Zentrale, gläserne Magistrale als verbindendes Rückgrat
Vom Foyer aus gelangt man zur zentralen Magistrale, die wie ein Rückgrat die drei Gebäudeteile miteinander verbindet und eine offene, informelle Kommunikationszone ausbildet. Die 49.000 m² Bruttogrundfläche beinhaltet Büroräume für bis zu 1.000 Mitarbeiter, die je nach Bedarf angepasst werden können, eine große Konferenzzone mit zahlreichen Tagungsräumen, ein Casino mit Großküche sowie ein Mitarbeiterbereich, der unter anderem einen multifunktionalen Sportraum umfasst. Im Untergeschoss findet sich eine zweigeschossige Tiefgarage mit 500 PKW-Stellplätzen, zusätzlich sind 200 Stellplätze für Fahrräder vorgesehen.

Integrale Planung mit digitalem Gebäudemodell – mit verknüpftem Terminplan
Die Planer von Albert Speer und Partner verfolgen seit längerer Zeit einen integralen, ganzheitlichen Planungsansatz und konnten bereits einige Erfahrungen mit der Methodik von BIM sammeln. Erstmals begann die Arbeit mit BIM als Pilotprojekt im Jahre 2014, bis 2015 die Phase abgeschlossen wurde und seitdem als Standardplanungsmethode für alle Projekte eingesetzt wird.

Grundlage dafür ist der Anspruch, den Architekten zurück in den Mittelpunkt der Gesamtplanung zu rücken, um sowohl dem Planungsteam als auch dem Auftraggeber einen Ansprechpartner für alle Belange zu geben. Dabei ist eine integrale Planungsmethode mit digitalen Gebäudemodellen und eine Betrachtungsweise über alle Gewerke hinweg vonnöten, um frühzeitig potenzielle Konflikte zu identifizieren und vor Ausschreibung und Ausführung zu einer Lösung zu finden.

Auch bei der neuen Konzernzentrale von HeidelbergCement nutzen die Planenden die volle Funktionalität von BIM. So wurden mit dieser Methode Pläne generiert, die Koordination der Planungsbeteiligten optimiert, die Fach-, Schlitz- und Durchbruchsplanung integriert und die Qualitätssicherung durchgeführt. Die Planer erstellten ein digitales Gebäudemodell, an die Datenbanken mit Raumbuchfunktionalitäten angebunden wurden. Bereits vor Beginn der Planungsphase konnten dadurch die Bauherrnanforderungen im Dialog mit den Beteiligten gesammelt und ein hohes Maß an Transparenz erreicht werden. Außerdem wurde mit diesem Projekt das digitale Modell zusätzlich mit dem Ausführungsterminplan verknüpft, wodurch relevante Optimierungsmaßnahmen und Steuerungseingriffe in den Bauablauf frühzeitig möglich sind. Darüber hinaus kann so besser auf die stetige Datenaktualität geachtet werden, um Abstimmungsprozesse zwischen allen am Bau beteiligten Akteuren zu erleichtern. -si

Bautafel

Architektur und Generalunternehmer: AS+P Albert Speer + Partner, Frankfurt am Main
Projektbeteiligte: Westag & Getalit, Rheda-Wiedenbrück (Schalungsplanung); HeidelbergCement, Heidelberg (SB 4-Feinbeton, Betonfertigteile, u. a. mit photokatalytischen Zement TioCem); Diringer & Scheidel, Mannheim (Rohbau); Peri, Weißenhorn (Schalungsherstellung)
Standort: Berliner Straße 6, 69120 Heidelberg
Bauherrschaft: HeidelbergCement, Heidelberg
Fertigstellung geplant: 2020
Bildnachweis: Albert Speer + Partner, Frankfurt am Main; HH-Vision, Köln; Westag & Getalit, Rheda-Wiedenbrück; Baunetz, Berlin

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