Duling Educational Center in Guigang
Integriertes Regenwassermanagement
Reichlich Regen, aber kein Frischwasser? Was paradox klingt, ist in Teilen der südchinesischen Provinz Guandong Realität – so auch im Dorf Duling. Rund 3.000 Menschen, die der Gruppe der Hakka angehören, einer der acht han-chinesichen Volksgruppen, leben hier umgeben von Reisfeldern und grüner Landschaft. Das Dorf litt nicht nur unter Wasserknappheit, sondern auch unter fehlenden Gemeinschaftsräumen und einem baufälligen Schulhaus. Unter der Leitung der Architektin Elisabeth Lee sanierten Studierende der Universität Hongkong gemeinsam mit Fachplaner*innen das Schulgebäude und errichteten ein neues Gemeinde- und Bildungszentrum. Die der Universität zugehörige Plattform Project Mingde übernahm das Projektmanagement.
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Project Mingde gehört zur Abteilung Bauingenieurwesen der Universität Hongkong und realisiert seit rund zwanzig Jahren wohltätige Bauprojekte in Chinas ländlichen Regionen. Ziel ist es, dass die Studierenden in multidisziplinären, praktischen Projekten lernen, ihre an der Universität erworbenen Kenntnisse umzusetzen und zugleich einen Sinn für soziale Verantwortung entwickeln. Die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung stehen bei den Bauprojekten im Vordergrund. In Duling galt es, die Wasserknappheit zu lindern, das Schulgebäude zu sanieren und den Kindern eine bessere Lernumgebung zu schaffen – alles unter Wahrung des kulturellen Erbes der Hakka.
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Das neue Duling Educational Center entstand in zwei Bauphasen. Im ersten Bauabschnitt wurde das bestehende Schulgebäude saniert, um Anforderungen an die Standsicherheit und den Brandschutz zu erfüllen; eine neu errichtete Dachkonstruktion schützt das Gebäude vor weiterem witterungsbedingtem Verfall. Die Integration einer nachhaltigen Toilettenanlage löste bestehende Hygieneprobleme. In der zweiten Phase entstanden ein Kindergarten und ein Kulturzentrum. Ein U-förmiger Neubau mit drei Flügeln schließt an das alte Schulhaus an und rahmt von drei Seiten einen Hof.
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Die drei Gebäudeteile sind in unterschiedlicher Höhe zueinander angeordnet. Der höchste Flügel schließt an das Bestandsgebäude an und senkt sich leicht konvex zum nächsten, orthogonal anschließenden Bauvolumen ab. Diese Konfiguration wiederholt sich bei dem dritten Flügel, der an mittleren Bau anschließt. Das Tragwerk besteht aus Beton, wobei Stützen und Dachfläche nahtlos ineinander übergehen. Holzstützen und Mauerwerk dienen als Ausfachung für die Konstruktion. Schiebetüren im Erdgeschoss öffnen den Innenraum in Richtung Hof.
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Wasser ist das zentrale Element des Entwurfs. Dies entspricht nicht nur dem Bedarf, sondern auch der Kultur der Hakka, in der Wasserteichen eine große Bedeutung zukommt. Die Dachflächen sind in Richtung des benachbarten Gebäudeteils abgesenkt und kragen jeweils über das Dach des angrenzenden Flügels. Die gestaffelte Dachlandschaft bildet eine kaskadenartig angelegte Fläche, von der aus das anfallende Regenwasser in ein Sammelbecken auf Bodenniveau fällt. Das Retentionsbecken ist mit einem unterirdischen Recyclingsystem verbunden, von wo aus das saubere Wasser in das Gebäude gepumpt werden kann. -hs
Bautafel
Architektur: Elisabeth Lee
Planungsbeteiligte: Studierende der Universität Hong Kong; Project Mingde, Fakultät für Bauingenieurwesen, Universität Hongkong (Projektmanagement)
Fertigstellung: 2024
Standort: Duling, Guigang, China
Bildnachweis: Jin Weiqi (Macau University of Science and Technology), Sam Chan (Fotos); Lokz Ng (Skizzen)
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