Offener Prozess – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Temporäre Ausstellungsarchitektur in Chemnitz
Chemnitz ist die europäische Kulturhauptstadt 2025. Sie ist auch die Stadt, in der zwei der drei Haupttäter des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) jahrelang untergetaucht lebten. In den Jahren zwischen 2000 und 2007 ermordeten Uwe Bönhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe neun unschuldige Menschen aus rassistischen Motiven und eine junge Polizeibeamtin im Dienst; viele weitere Opfer leiden bis heute an körperlichen und seelischen Verletzungen.
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Die Aufarbeitung der Morde und Straftaten, sowie die rechtsextremen Hintergründe sind trotz Verurteilung im Jahr 20218 ebenso wenig abgeschlossen wie die Traumata der Überlebenden und Hinterbliebenen bewältigt sind. Mit dem Gemeinschaftsprojekt Offener Prozess – ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex schaffen die drei Vereine ASA-FF, RAA Sachsen und die Initiative Offene Gesellschaft einen Ort zum Erinnern, Fragen und Informieren.
Das erste NSU-Dokumentationszentrum seiner Art beleuchtet Fakten zu Ermittlungen, Ermittlungspannen und Gerichtsprozessen, lässt Hinterbliebene zu Wort kommen und schafft Raum für eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema NSU. Bereits im Mai 2025 eröffnete das Dokumentationszentrum nach kurzer Planungs- und Bauphase. Die Planungssoftware Archicad konnte bei der schnellen Umsetzung des Projekts unterstützen.
Kreislaufgerechte Ausstellungsarchitektur
Bei dem Dokumentationszentrum handelt es sich um einen temporären Einbau in ein bestehendes Gebäude, genauer gesagt in eine Hochgarage am historischen Johannisplatz: Die dem Stadtraum zugewandte Erdgeschosszone wurde dafür umgenutzt. Ein offener zentraler Ausstellungsraum mit großzügigem Willkommensbereich, Infotresen und Sitzgelegenheiten lädt Besucher*innen zum Innehalten, Nachdenken und zum Austausch ein. Die Ausstellung selbst gliedert sich in verschiedene Stationen mit umfangreichen Bild-, Ton- und Aktenmaterial – bisher noch nie gezeigte Inhalte.
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Der Architekturjournalist Tim Westphal schrieb in seinem Bericht zur Eröffnung des Zentrums, dass es dem Projektteam gelungen sei, den Raum einsehbar und leicht zu gestalten und dennoch einen Ort zu schaffen, welcher der Wichtigkeit des Themas gerecht werde und der den Opfern und Angehörigen mehr Sichtbarkeit verleihe.
Da die Finanzierung entscheidend an den Landeshaushalt geknüpft ist, bleibt abzuwarten, wie lange die Intervention erhalten bleiben kann. Auch deshalb wurde konsequent kreislaufgerecht geplant und gebaut – mit Schraub- und Steckverbindungen, die sich leicht wieder trennen lassen, Materialien, die in den Kreislauf zurückgegeben werden können und einen hohen Grad an Vorfertigung haben. Innerhalb eines Monats soll die temporäre Ausstellungsarchitektur rückbaubar sein.
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Die Architektin Esther Gerstenberg verantwortete die Raumentwicklung und Betriebskonzeption und ging dabei den Fragen nach: Wie soll das Dokumentationszentrum betrieben werden? Und wie soll die Ausstellung wahrgenommen werden? Um in der Kürze der Zeit die volle Konzentration auf diese inhaltlichen Fragen legen zu können und nicht erst noch neue Planungsprogramme lernen zu müssen, erwies sich die bekannte Planungssoftware Archicad als nützliches Hilfsmittel. Sowohl bei Studien und Vorentwürfen als auch bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Ausstellungsdramaturgie und bei der darauffolgenden Ausschreibung konnte die Software unterstützen.
Die Zahlen sprechen für den Erfolg des Projekts: Nur wenige Monate nach der Eröffnung konnte das Zentrum schon über 7.000 Besucher*innen verbuchen sowie 65 Veranstaltungen und sechs Workshops umsetzen.
