Bertolt-Brecht-Schule in Darmstadt
Neubau mit Passivhaus-Standard
Die Bertolt-Brecht-Schule in Darmstadt – ein reines Oberstufengymnasium – blickt auf eine 50-jährige Geschichte zurück: Bereits in den 1970er Jahren wurden das Haupt- und Nebengebäude mit Sporthalle nach Plänen des Darmstädter Architekturbüros Dieter Loewe + Partner errichtet. Es folgte ein Anbau für den Fachklassentrakt in den 2010er Jahren. Das in die Jahre gekommene Hauptgebäude wich im Frühjahr 2025 einem Neubau, der sich nahtlos in den Bürgerpark Nord einfügt. Die Planung und Gesamtkoordination des Projekts übernahm agn Niederberghaus & Partner.
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Der schlechte Zustand des alten Hauptgebäudes machte einen Abriss unabdingbar. Die Bauarbeiten des dreigeschossigen Neubaus an gleicher Stelle begannen im Frühjahr 2022. Das Nebengebäude wurde ebenfalls abgerissen – zugunsten eines großzügigen Schulhofs, über den Schüler*innen und Lehrende nun zum Haupteingang gelangen.
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Offene Lernlandschaft
Die Mitte des nahezu quadratischen Schulbaus besetzt die Aula – ein multifunktionaler Raum, der sich über alle Geschosse erstreckt und diese über Sichtbezüge miteinander verbindet. Ein Oberlicht versorgt den Bereich mit ausreichend Tageslicht. Das Erdgeschoss ermöglicht unterschiedliche Nutzungen: So kann die Aula mit großzügiger Bühne als zentraler Veranstaltungsort dienen oder im abtrennbaren Bühnenbereich während des Unterrichts als Proberaum genutzt werden. Um die Aula herum sind offene Lernlandschaften angeordnet, die flexibles Arbeiten und Lernen fördern. Klassenräume, Kunst- und Werkräume und das Schülercafé liegen in allen Geschossen an der Fassade.
Zwischen Neubau und bestehendem Fachklassentrakt ermöglicht ein neu gestalteter Werkhof mit direktem Zugang zu den Kunst- und Werkräumen kreatives Arbeiten im Freien. Über einen geschlossenen Verbindungsflur sind beide Gebäude miteinander verbunden.
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Passivhaus-Standard
Die Fassadenverkleidung besteht aus Faserzementplatten und vorgestellten Stahlbeton-Fertigteilelementen. In den Klassenzimmern wechseln sich großzügige Fensterelemente und Holzpaneele mit integrierten, dezentralen Lüftungselementen ab. Umlaufende Fluchtbalkone im ersten und zweiten Obergeschoss verschatten die Fensterflächen und fördern die natürliche Kühlung. Weitere Maßnahmen wie eine Photovoltaikanlage, Dachbegrünung, mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung und die Grauwassernutzung trugen zur Zertifizierung als Passivhaus-Plus durch das ortsansässige Passivhaus-Institut bei.
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Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Das Projektteam setzte sich aus verschiedenen Disziplinen zusammen, darunter Architekt*innen und Innenarchitekt*innen, Bauingenieur*innen, Freianlagenplanende und technische Fachplanende sowie Expert*innen für nachhaltiges Bauen. Die agn-Gruppe übernahm dabei die Gesamtkoordination.
„Die Aufgabe der Koordination umfasst bei uns [..] nicht nur das Zusammenbringen aller Disziplinen zu einem Ganzen. Sie stellt darüber hinaus einen Prozess der Qualitätssicherung für das Projekt dar, der frühzeitig Unstimmigkeiten und Kollisionen erkennt und damit umfassend abgestimmte planerische Lösungen ermöglicht. Die frühzeitige Qualitätskontrolle verhindert kostspielige Nachbesserungen auf der Baustelle.“
In enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber IDA (Eigenbetrieb Immobilienmanagement Darmstadt) und durch die Anwesenheit von Entscheidungsträger*innen konnten in den 74 Planungs- und 136 Baubesprechungen schnelle Lösungen erzielt werden, so die Projektverantwortlichen. Zudem erlaubte die modellbasierte Planung eine kollisionsfreie Integration aller technischen Planungen.
Herausforderungen im Projektmanagement
Der hohe Passivhausstandard, der Bau im Grundwasserbereich und Materialengpässe stellten die Planenden vor Herausforderungen, die sie durch ein flexibles Controlling und detailliertes Management bewältigten. So mussten etwa die Luftdichtheit und die Anpassung der Fassadenkonstruktion sichergestellt werden; zudem waren ein Vakuumpflanzenring und regelmäßiges Abpumpen des Grundwassers notwendig. Darüber hinaus fanden die Bauarbeiten während des laufenden Schulbetriebs statt, was ein hohes Maß an Abstimmung und Rücksichtnahme erforderte. Den Produktions- und Lieferengpässen sowie Preissteigerungen begegnete das Planungsteam mit alternativen Beschaffungsstrategien und einem vorausschauenden Controlling.
Um Kosten, Zeitpläne und Qualität effizient zu steuern und
Transparenz in allen Projektphasen zu gewährleisten, griff die
agn-Gruppe auf verschiedene Softwarelösungen zurück: Eine
3D-Planungssoftware ermöglichte die präzise Planung,
Kollisionsprüfung und realistische Visualisierungen, während Zeit-
und Kostenmanagement-Tools die Terminplanung und Überwachung von
Meilensteinen sowie die laufende Kostenverfolgung und
Budgetkontrolle unterstützten. -st
Bautafel
Architektur: agn Niederberghaus & Partner, Stuttgart/Wiesbaden
Projektbeteiligte: Passivhaus Institut, Darmstadt (Zertifizierung); KuK Krebs Kiefer, Darmstadt (Tragwerksplanung, Brandschutz); IGB Palm, Mannheim (HLS, Elektro); ern-a, Darmstadt (Energieberatung, Wärmeschutz); Professor Pfeifer und Partner, Darmstadt (Raumakustik, Schallschutz); Stadt Landschaft Plus, Karlsruhe (Freiraumplanung); Geotechnik Gründling, Darmstadt (Baugrundgutachten); Rehfeld-Roesner, Roßdorf (Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination)
Bauherr*in: Eigenbetrieb Immobilienmanagement Darmstadt (IDA)
Fertigstellung: 2025
Standort: Kranichsteiner Straße 84, 64289 Darmstadt
Bildnachweise: agn/Johannes Arlt (Fotos); agn (Pläne)
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