Porsche Betriebscasino in Weissach

BIM to Field und VR für reibungslose Planung und Bauausführung

Nicht in die „Kantine“, sondern ins „Betriebscasino“ gehen Mitarbeiter bei Porsche, wenn sie sich zu Tisch begeben. Die flamboyante Bezeichnung ist durchaus nachvollziehbar: Der Namenspate aus dem Militär, das „Offizierskasino“, meint nicht nur einen Ort zur Verpflegung, sondern auch einen Treffpunkt für Veranstaltungen aller Art. In den Betriebscasinos bei Porsche wird zu Mittag gegessen und die Betriebsversammlungen abgehalten. Am Standort in Weissach befindet sich das Entwicklungszentrum des Sportwagenherstellers. Da die Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren stetig wuchs, stieß die alte Verpflegungsstätte, in der täglich 3.300 Mahlzeiten zubereitet werden, an ihre absolute Belastungsgrenze. Ein Provisoriumsbau, mit dem der zusätzliche Bedarf bisher gedeckt wurde, wird bis Herbst 2018 zurückgebaut. Dann eröffnet der neue Nachfolgebau. Bei der Planung kamen BIM-Anwendungen ebenso zum Einsatz wie Virtual Reality (VR) und stellten ihren realen Nutzwert unter Beweis.

Galerie

Der dreigeschossige Bau bietet auf einer Fläche von 8.600 Quadratmeter Platz für über 1.100 zusätzliche Sitzplätze für die 6.000 Mitarbeiter des Entwicklungszentrums. 3.900 Mahlzeiten verlassen hier täglich die Küche, womit sich die Kapazität mehr als verdoppelt hat.

Der Zeitplan war eng: 22 Monate lagen zwischen Auftragsvergabe und Fertigstellungstermin. Der Bauherr entschied sich daher für eine Funktionalausschreibung. In dem problemorientierten Verfahren wurde ausgeschriebene Leistung des Planers nach dem zu erbringenden Ziel definiert. Die Architekten vom Büro asp suchten einen Generalübernehmer, der alle Leistungen ab LP 2: Vorplanung mit Kostenschätzung abdecken konnte und in der Lage war, die Nachunternehmer zu steuern. Wolff & Müller aus Stuttgart legte das beste Gesamtkonzept vor und wurde im Spätsommer 2016 beauftragt.

BIM

Die Methode BIM war ideal für dieses Projekt, da die vergleichsweise zahlreichen Planungspartner früh zusammengebracht werden konnten. Die Durchgängigkeit des Planungsprozesses war damit gegeben. Zu den Aufgaben von Wolff & Müller gehörte unter anderem, die Arbeit am Datenmodell zu koordinieren und die Arbeitsumgebung für die eingebundenen Fachplaner zu stellen. Prozesse und Standards der Datenübertragung wurden ebenfalls von den Stuttgartern definiert: Alle Beteiligten arbeiteten in einem einheitlichen Datenraum, in dem sich das BIM-Gesamtmodell aus den Fachmodellen der Architekten und Fachplaner zusammensetzt. Dank der automatisierten Kollisionskontrolle ließen sich Modellierungsfehler früh erkennen und ausbessern. Das war vor allem für die aufwendige TGA-Planung von Vorteil.

Im Oktober 2016 erfolgte der erste Spatenstich. Die Besprechungen und Bauherrntermine auf der Baustelle konnten bei Bedarf direkt am BIM-Modell durchgeführt werden. Die Planung wurde im Besprechungsraum über einen Großbildschirm eingespielt. Problempunkte ließen sich so schnell visualisieren. Darüber hinaus kam erstmals die sogenannte BIM-to-Field-Lösung zum Einsatz: Dabei konnten die Bauleiter den sogenannten digitalen Zwilling des Modells per Tablet-PC einstecken und allerorts abrufen. Kritische Stellen kann man damit direkt am realen Bauwerk und mit den ausführenden Unternehmen klären.

Die Verknüpfung von BIM und VR wird in den kommenden Jahren einen immer größeren Stellenwert für Bauherren- und Baubesprechungen einnehmen. Der Casino-Neubau ist in dieser Hinsicht ein Vorreiter: Im „Immersive Engineering Lab“ (IELab) vom Fraunhofer Institut in Stuttgart wurde das BIM-Modell begehbar. Im virtuellen „Cave“ bot sich die Möglichkeit, durch das in drei Dimensionen abgebildete Gebäude bzw. Bim-Modell zu wandern. Viel spannender als das reine Betrachten war dabei der reale Nutzwert: Die VR-Technologie ermöglicht es ganzen Teams, in die 3-D-Welt einzutreten und so quasi vor Ort komplizierte Montageaufgaben zu besprechen und zu klären.

Bautafel

Architekten: asp Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Wolff & Müller HIB, Stuttgart (Generalübernehmer); Dietz Würtele Ingenieure, Stuttgart (Tragwerksplanung); Planungsbüro Bauer, Brühl (HLSK-Fachplanung); Ingenieurbüro HPG, Stuttgart (ELT-Fachplanung); Profitabel Resultants, Stuttgart (Küchen-Fachplanung); Ingenieurbüro Riesener, Balingen (Fachplanung Brandschutz); GN Bauphysik, Stuttgart (Fachplanung Bauphysik)
Bauherr: Porsche, Stuttgart
Fertigstellung: April 2018
Standort:
Porschestraße 911, 71287 Weissach
Bildnachweis: asp Architekten, Stuttgart; Wolff & Müller, Stuttgart; Porsche, Stuttgart 

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