Franklin Village in Mannheim

Kosten senken, Individualität erhöhen

Als 2012 der letzte US-Unteroffizier die Benjamin-Franklin-Wohnsiedlung in Mannheim verließ, startete eines der aktuell größten Umbauprojekte Deutschlands. Denn die rund 10.000 US-Bürger, die dort einst lebten, zur Kita, Schule oder Arbeit gingen, waren in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Flächen des Wohngebietes sowie der zwei Kasernen daneben wurden frei: 144 Hektar, die die Stadt Mannheim umnutzen konnte. Sie gründete dafür noch im selben Jahr die MWS Projektentwicklungsgesellschaft, beauftragte später das Büro MVRDV mit einer Masterplanung und benannte den ganzen Stadtteil nach der alten Wohnsiedlung: Franklin Mannheim. Die ehemalige Benjamin-Franklin-Siedlung ist also nur der mittige Teil des heutigen Franklin-Mannheim-Areals. Hier steht jetzt ein Wohnprojekt mit dem Namen Franklin Village, geplant vom Berliner Büro Sauerbruch Hutton. Die Namensgebung ist verwirrend, das Projekt aber beeindruckend und wurde mit dem Deutschen Architekturpreis 2025 ausgezeichnet – wegen seiner guten Nachbarschaft, seiner klimaschützenden Bauweise und der geringen Baukosten.

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Für jeden ein passender Wohnraum

Das Projekt besteht aus fünf Neubauten und einem aufgestockten Altbau. Insgesamt entstanden darin neunzig Wohnungen, vom Ein-Zimmer-Appartment bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung. Jeden Wohnungstyp gibt es in zwei Größen; sie unterscheiden sich nicht nur nach Anzahl der Räume, sondern auch nach deren Größe und damit nach ihrer Miete. Familienwohnungen gibt es also in groß und klein, teurer und günstiger. Das schafft mehr Vielfalt: Senioren sollen einziehen, Familien, Freunde, Azubis oder Studierende. Bei zwölf der Wohnungen ist die Miete gedeckelt, sodass auch Menschen mit wenig Geld hier wohnen können.  

Vier der Neubauten gruppieren sich um einen Gartenhof. Laubengänge verbinden alle Wohnungen gartenseitig. Sie kragen mit 3,10 Metern ungewöhnlich breit aus, sind stützenfrei und haben daher Platz für Gartenmöbel. Wer an eine der Wohnungen klopft, im Liegestuhl entspannt oder mit Freunden grillt, tut dies also im gemeinsamen Innenhof. Schottenwände auf den Laubenengängen grenzen den halbprivaten Außenraum vom allgemeinen ab und bieten Sichtschutz. Man sieht und begegnet sich, rückt vor zum Plausch, zurück für mehr Ruhe. Die Holzflächen auf den Laubengängen sind bunt gestrichen, was vor Witterung schützt und die Freiräume farblich den Wohnungen zuordnet. Neben dem Altbau steht straßenseitig ein kleiner Neubau: das sogenannte Quartiersforum. Es bietet Gemeinschaftsräume auf insgesamt 170 Quadratmetern, mit Küche, Lounge und Gruppenräumen, für Coworking, Besprechungen, Beratungen, Kurse und für Spieletreffs, und mit einem Dachgarten.  

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Bauweise mit vorgefertigten Holzrahmenwänden 

Die Auftraggebenden wünschten eine Holzbauweise, wegen der guten CO₂ -Bilanz. Neben diesem Offensichtlichen hat der Holzbau weitere Vorteile: Weil er leichter ist, eignete er sich sehr für die Erweiterung des 1950er-Jahre-Altbaus, dessen Mauerwerkswände die neuen Bauteile tragen müssen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität: Die unterschiedlichen Grundrisse erzeugen individuelle Details und Anschlüsse und müssen anpassbar bleiben, wenn sich Wohnwünsche später einmal ändern. Die Holzteile wurden daher nach digitalen Plänen geplant, im Werk zugeschnitten und zu Holzrahmenwänden mit Brettsperrholz-Verkleidungen zusammengebaut. Dafür wurde eine Holzbaufirma aus Vorarlberg beauftragt. Die Wände kamen fertig und samt Fassade, Fenstern, Sonnenschutz, eingeblasener Zellulosedämmung und Kabelauslässen aus dem Werk auf die Baustelle, wo sie nur noch montiert und verbunden wurden. Auf diese Weise ließen sie sich relativ günstig, aber individuell und millimetergenau herstellen. Es reduzierte die Bauzeit, die Fehleranfälligkeit, den Abfall und den Verschnitt – und damit die Kosten. Denn es gab kaum Wartezeiten wegen schlechten Wetters, auch teure Änderungen wegen ungenauer Maße blieben aus. Weil die Holzwände eine Einblasdämmung haben und lediglich verschraubt sind, lassen sie sich später einfach ausbauen, nach Material sortenrein trennen und wiederverwenden.  

Das gilt nicht für das gesamte Gebäude: Die Kellergeschosse sind aus Beton und die Geschossdecken bestehen aus einem Holz-Beton-Verbund. Ein Kompromiss zugunsten eines guten Schallschutzes bei geringen Baukosten.

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Mit guter Planung Geld sparen 

Ein vorgefertigter Holzbau ist nicht immer günstiger als ein Massivbau, auch wenn er teure Nachträge und Verzögerungen im Bauablauf unwahrscheinlicher macht. Damit er aber wirklich gut und günstig gelingt, musste das Team die Arbeitsweise von den Leistungsphasen lösen. So war die ausführende Holzbaufirma schon weit vor den Phasen der Ausführungsplanung und der Ausschreibung am Projekt beteiligt und konnte das Architekturteam in der Entwurfsphase beraten. So war sicher: Geplante Details waren umsetzbar, es bedurfte keiner teuren Umplanungen. 

Ein weiterer Aspekt senkte die Baukosten: Das Team ging in manchen Baustandards herunter, um an anderen Stellen etwas mehr Komfort einzuplanen. Die Laubengänge zum Beispiel reduzieren die Kosten langfristig, weil sie außerhalb der gedämmten Hülle liegen. Das spart Heizkosten für Treppenaufgänge oder Hausflure und die Baukosten für Bauteile mit erhöhten Brandschutzauflagen. Bei den Grundrissen ging das Team so effizient vor, dass achtzig Prozent der Bruttogeschossfläche als Nutzfläche dienen. So verzichtete man zugunsten von größeren Wohnräumen meist auf separate Küchen und Flure. Vom Laubengang geht es direkt in die offenen Wohnküchen und von dort in die privaten Räume. Auch bodentiefe Terrassenfenster sind verzichtbar, stattdessen gibt es breite Fensterbänke, auf denen man sitzen und in den Garten schauen kann. Einen Luxus bieten die Mehrzimmer-Wohnungen: Das Bad und das WC sind getrennt. Wer mit Familie oder Freunden zusammenwohnt, weiß das zu schätzen. 

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Kostenbilanz

Mit diesen Maßnahmen und ohne dass an den technischen Standards des Wärme-, Brand- und Schallschutzes gespart wurde, beliefen sich die Baukosten auf ca. 27 Millionen Euro. Das sind unter 3.600 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, bzw. unter 3.200 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche.

Bautafel

Architektur: sauerbruch hutton, Berlin 
Projektbeteiligte: Pirmin Jung Deutschland, Remagen (Holzbau: Statik, Bauphysik, Brandschutz), Schmidt & Laabs Ingenieurgesellschaft mbH (Massivbau), IBA Gebäudetechnik, Gera (Haustechnik), oa.sys baut, Alberschwende (Ausführung Holzbau), Idealice, Wien (Landschaftsplanung)
Bauherrinnen: Innovatio Projektentwicklung, Heidelberg; Profund Bauträger und Projektentwicklung, Gera
Fertigstellung: 2023
Standort: Franklin-D.-Roosevelt-Straße, Mannheim
Bildnachweis: Jan Bitter, Berlin

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