Nonsolution: Zur Politik der aktiven Nichtlösung im Planen und Bauen
Adocs Verlag, Hamburg 2. Auflage 2025
110 Seiten, 18 × 12 cm, Softcover
Preis: 18 EUR
ISBN 9783943253825
Nonsolution meint nicht, auf Lösungen zu verzichten und Probleme zu akzeptieren. Viel mehr machen Gabu Heindl und Drehli Robnik in ihrem Buch deutlich, dass die vorherrschenden Polykrisen, verursacht von Krieg, Rechtspopulismus sowie ökonomische und ökologische Missständen, alternative Lösungswege verlangen, die die Komplexität der Dinge anerkennen. Nonsolution ist ein Einspruch gegen festgefahrene, schnelle und technokratische Antworten.
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Den Begriff "Nonsolution" geprägt, hat der Frankfurter Schrifftsteller Siegfried Kracauer, der als linker, jüdischer Publizist vor den Nazis floh. Er beschreibt die Verweigerung einer einfachen oder endgültigen Lösung: Statt Geschichte oder gesellschaftliche Prozesse in einer linearen, geschlossenen Erzählung darzustellen, betont er deren Kontingenz, Widersprüchlichkeit und Brüche. Nonsolution bedeutet, Bruchstellen und Unvereinbarkeiten nicht zu glätten, sondern Raum für Konflikte und Differenzen zu schaffen.
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Heindl, praktizierende Architektin und Professorin, und Robnik, Film- und Politikwissenschaftler, betrachten das Konzept im baukulturellen Kontext und verbinden es mit filmwissenschaftlichen und philosophischen Perspektiven. Sie zeigen, dass aktuelle Baupraktiken und Wohnpolitik von technokratischen Lösungen geprägt sind: hoher Flächenverbrauch, Abriss funktionstüchtiger Gebäude oder der Einsatz nicht-recycelbarer Baustoffe verstärken ökologische und soziale Missstände, anstatt sie zu lösen. Ein Symptom, das sich auch in der aktuellen Forderung nach dem „Bau-Turbo“ widerspiegelt.
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Heindl und Robnik beziehen sich auf Theorien von Horst Rittels und Lucius Burckhardt. Rittels Wicked Problems beschreiben Planungsprobleme, die so komplex, widersprüchlich und vielschichtig sind, dass es keine eindeutige Lösung geben kann, sondern nur argumentative Aushandlungsprozesse. Burckhardt fordert den „kleinstmöglichen Eingriff“ als politische Haltung. Ein Ansatz, nach dem in Planung und Gestaltung Zurückhaltung geübt, und gesellschaftliche Dynamiken nicht durch top down Ansätze überformt werden sollen.
So liest sich Nonsolution nicht nur als nüchterne Kritik an einfachen Lösungen, sondern als ein Plädoyer, an die kollektive Vorstellungskraft. Das Buch schärft den Blick für das Bauen, als gesellschaftlichen und politischen Akt. Es braucht eine radikale Neuverhandlung der Baukultur, um gerechte und zukunftsfähige Ansätze hervorzubringen, die die Komplexität aktueller Herausforderungen anerkennt. -pe
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