Die obsolete Stadt
Wege in die Zirkularität
Jovis Verlag, Berlin 2025
408 Seiten, 150 farb. Abb., 14 x 21 cm, Hardcover und E-Book
Preis: 38,00 EUR
ISBN 978-3-98612-034-4 (Hardcover), 978-3-98612-042-9 (E-Book)
Eines der wichtigsten Instrumente zum Schaffen von Wohnraum sei, so liest man häufig, der Neubau. Dabei, so die andere argumentative Seite, sei die Stadt längst gebaut und sei Raum zum Wohnen im Grunde reichlich vorhanden. Stefan Rettich und Sabine Tastel identifizieren in ihrem Buch „Die obsolete Stadt“ unzählige Gebäudetypen, die in nächster Zeit wahrscheinlich zur Verfügung stehen werden und somit zirkulären Raum für eine Umnutzung zu Wohnraum bieten. Damit wollen sie Möglichkeiten zur Eindämmung von Bodenspekulation und zur Förderung des Gemeinwohls aufzeigen und Interessierte wie Fachleute zum Nachdenken über den Tellerrand hinaus anregen.
Kernbegriff der Publikation ist die Obsoleszenz, als Verweis auf die sich verändernde Stadt, in der Gebäude in ihrer aktuellen Nutzungsart künftig nicht mehr benötigt werden. Mittels ihrer Obsoleszenz-Cluster-Methode (OCM) identifizieren Rettich und Tastel all jene Gebäude und Gebiete, die perspektivisch frei für neue Nutzungen werden. Treiber dieser Entwicklung sind für sie die Megatrends Digitalisierung, Klimawandel, Verkehrswende und Wandel der Religiosität. Anhand des Beispiels Hamburg werden so verschiedene „Nuggets“, also Perspektivräume der zirkulären Stadt, gefunden, die künftig eine zentrale Rolle in der städtischen Transformation spielen können, etwa Parkplätze, Kirchen, Tankstellen oder Bürobauten.
Ihren Ansatz verstehen Rettich und Tastel explizit nicht als Anschlag auf die gewachsene Stadt als soziales, politisches und kulturelles Projekt, sondern ganz im Gegenteil als Weiterentwicklung der Stadt innerhalb der planetaren Grenzen. Eine Grundlage bietet für sie die Historie, in der etwa das Schleifen von Wallanlagen oder die Stadterneuerungen der Gründerzeit frei werdender, obsoleter Raum für städtische Transformationen genutzt werden konnten. Das Buch will diese Erzählung fortschreiben, in einer positiven und positivistischen Grundhaltung, hin zu einer konsequent zirkulären Zukunft. Anhand von 12 anschaulichen Grundsätzen der zirkulären Stadt wird gezeigt, wie dies gelingen kann. Die entscheidende Ressource dabei ist die Obsoleszenz, anhand derer Rettich und Tastel ein gedankliches Spielfeld öffnen. Denn der bauliche Bestand hält bereits heute ein enormes Potenzial bereit, das einen wichtigen Beitrag durch geschickte Transformation liefern kann.
Das Buch basiert auf den von der Universität Kassel verantworteten Teilen des Forschungsprojekts „Obsolete Stadt – Raumpotentiale für eine gemeinwohlorientierte, klimagerechte und ko-produktive Stadtentwicklungspraxis in wachsenden Großstädten“ sowie auf weiteren internen Forschungen am Fachgebiet Städtebau. Teile des Buchs basieren außerdem auf dem Forschungsprojekt „Zirkuläre Typologien“, gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) aus Mitteln des Innovationsprogramms Zukunft Bau. Das Projekt „Die obsolete Stadt“ wurde ermöglicht durch die Förderung der Robert Bosch Stiftung.
Aus dem Inhalt
- Von der obsoleten Stadt zur zirkulären Stadt
- Treiber der obsoleten Stadt
- Obsentials
- Nuggets – Perspektivräume der zirkulären Stadt
- Das Bild der zirkulären Stadt
- Neue Stadterneuerung – Instrumente
- Potenzielle Obsoleszenzen in Hamburg
Über die Autor*innen
Stefan Rettich ist Architekt und Professor für Städtebau an der
Universität Kassel. Von 2011 bis 2016 war er Professor für Theorie
und Entwerfen an der Hochschule Bremen, zuvor lehrte er vier Jahre
am Bauhaus Kolleg in Dessau. Er ist Gründungspartner und Mitinhaber
von KARO* architekten.
Sabine Tastel ist Professorin für Stadt und Freiraumgestaltung an
der Technischen Hochschule Köln. Zuvor war sie wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Fachgebiet Städtebau an der Universität Kassel und
am KIT Karlsruhe.
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