Großforschungsanlage Swiss FEL in Würenlingen

Präzise, koordinierte 3D-Planung höchst empflindlicher Technik

Extrem schnelle Prozesse finden hier statt, extrem lang ist das Bauwerk für den Schweizer Freie-Elektronen-Röntgenlaser, der 2017 in Würenlingen in Betrieb genommen wurde. Als Maßanzug für die Technik beschreiben die Basler Architekten von Itten+Brechbühl den 760 Meter langen und weitgehend unterirdischen Bau am Paul-Scherrer-Institut PSI. Der sogenannte SwissFEL beherbergt einen Teilchenbeschleuniger, der Elektronen erst zu kompakten Paketen bündelt, dann enorm beschleunigt und anschließend durch speziell angeordnete Magnetfelder schickt und dadurch in eine Slalombahn zwingt. Die auf diese Weise fabrizierten Röntgenstrahlen sind in der Forschung vielseitig einsetzbar. Um die empfindliche Technik vor Umwelteinwirkungen wie Erschütterungen oder Klimaeinflüssen abzuschirmen, ist das Gebäude in ein Waldstück gebettet. Aus der Luft wahrnehmbar ist lediglich eine längliche künstliche Wölbung, die von einer Magerwiese bewachsen ist. Der Eingriff in die Natur sollte gering gehalten, die Tier- und Pflanzenwelt möglichst wenig beeinträchtigt werden.

Galerie

Der teils ein-, teils zweigeschossige Bau besteht im Wesentlichen aus einem Beschleunigertunnel mit angelagerten Technik- und Laborräumen. Damit trotz des fehlenden Tageslichtes die Aufenthaltsqualität für Forscher, Techniker und Besucher nicht leidet, wurden die Innenräume zentraler Bereiche in besonderer Weise gestaltet: Die rauen Betonwände erhielten metallische Farbanstriche in Silber-, Kupfer- und Goldtönen. Sie wurden mithilfe einer speziellen Technik aufgetragen und verleihen der unterirdischen Raumfolge im Zusammenspiel mit dem dunklen Holz der Türen und Fensterrahmen eine gewisse Wärme. In den linearen, mehrere hundert Meter langen Gebäudeteilen dienen grafische Metrierungsstreifen der Orientierung. Für die Eingangssituation wurde ein Windfang mit transluzentem Marmor bekleidet. Dies soll den Forschungszweck des Bauwerks verdeutlichen: in die inneren Strukturen von Materialien hineinschauen zu können.

BIM
Um das hochpräzise vorgegebene Klima in den Räumen sicherzustellen, und die Maschine (den FEL) mit den dazu notwendigen Heiz-, Kühl- und Elektroleistungen zu versorgen, war eine detaillierte 3D-Koordination notwendig – und zwar in enger Abstimmung mit der 3D-Planung des Forschungsgerätes selbst. Eine derart verlässliche und millimetergenaue Koordination aller beteiligten Gewerke wäre ohne ein nach BIM-Systematik aufgebautes 3D-Modell nicht realisierbar gewesen. Dabei half die dreidimensionale Visualisierung von Problemzonen bei der Lösung derselben. Flächen und Stückzahlen ließen sich schnell und sicher ermitteln, dem Paul Scherrer Institut stand ein detailliertes Modell zur Verfügung, um die Geräteplanung darauf zu stützen.

Die Architekten koordinierten die Planung, steuerten und prüften den Datenaustausch. Für diesen wurde die Schnittstelle IFC etabliert, wobei auftretende Schwachstellen und Fehler in CAD-Systemen behoben beziehungsweise sogenannte Work Arounds geschaffen wurden. Regelmäßig durchgeführte, integrale 3D-Koordinationssitzungen gemeinsam mit dem Bauherrn ermöglichten die Abstimmung der Details innerhalb des Planerteams und mit der Maschinenentwicklung durch den Bauherrn.

Für die BIM-Planung des SwissFEL erhielten Itten+Brechbühl den Schweizer Arc-Award BIM 2016.

Video

Bautafel

Architekten: Itten+Brechbühl, Basel
Projektbeteiligte: ARGE EquiFEL: Eberhard Bau (Tiefbau) und Specogna Bau (Rohbau), Kloten und Alpiq Infra, Zürich (Gebäudetechnik); Synaxis, Zürich (Tragwerksplanung); Ahochn, Dübendorf (HLKKS, Gebäudeautomation); Enerpeak Salzmann, Dübendorf (Elektroplanung); BWS, Winterthur (Bauphysik); Gysi Leoni Mader, Zürich (Geologie); Terra Vermessungen, Zürich (Vermessung); BABU, Zürich (Bodengutachten); Trombik Ingenieure, Zürich (Erschütterungen); ComputerWorks, Münchenstein (Software Leitmodell: Vectorworks)
Bauherr: Paul Scherrer Institut PSI, Villingen
Fertigstellung:
Dezember 2016
Standort: 5232 Villingen PSI, Kanton Aargau / Schweiz
Bildnachweis: Itten+Brechbühl, Basel

Fachwissen zum Thema

Mit BIM Autoren Softwares lassen sich komplexe Projekte planen und visualisieren.

Mit BIM Autoren Softwares lassen sich komplexe Projekte planen und visualisieren.

Software

BIM Autoren Software

Welche Merkmale machen ein Planungsprogramm zu einer BIM Autoren Software?

Das Dateiaustauschformat IFC ist wesentlich für die Umsatzung von BIM-Projekten. Damit können BIM-Modelle samt nicht-geometrischer Informationen zwischen proprietären Softwares ausgetauscht werden.

Das Dateiaustauschformat IFC ist wesentlich für die Umsatzung von BIM-Projekten. Damit können BIM-Modelle samt nicht-geometrischer Informationen zwischen proprietären Softwares ausgetauscht werden.

Standardisierung

Industry Foundation Classes (IFC)

Für den Austausch von Informationsmodellen in Open-BIM-Projekten über verschiedene Softwareanwendungen hinweg dient der herstelleroffene Standard.

Informationsgehalt eines BIM-Objekts

Informationsgehalt eines BIM-Objekts am Beispiel eines Oberlichts

Modellinhalte

Welche Informationen sollte ein BIM-Objekt enthalten?

Die Informationsanforderungen, die an ein BIM-Objekt gestellt werden, können von Projekt zu Projekt unterschiedlich sein. Die...

Zum Seitenanfang

Das tschechische Unternehmen So Concrete realisierte das Projekt unter Verwendung eines ultrahochfesten Betons (UHPC) in Kombination mit einem robotischen 3D-Druckverfahren.

Das tschechische Unternehmen So Concrete realisierte das Projekt unter Verwendung eines ultrahochfesten Betons (UHPC) in Kombination mit einem robotischen 3D-Druckverfahren.

Industrie/​Gewerbe

Straßenbahnhaltestelle in Prag

3D-gedruckte Tragstruktur

Umgeben von Wohnhochhäusern fügt sich das Kaufhaus von OMA ins Stadtbild von Gwanggyo ein.

Umgeben von Wohnhochhäusern fügt sich das Kaufhaus von OMA ins Stadtbild von Gwanggyo ein.

Industrie/​Gewerbe

Kaufhaus Galleria in Gwanggyo

Mit additiver Fertigung zu spannungsvollem Fassadenbild

Das Einkaufszentrum Aleja in Ljubljana bietet eine zeitgemäße Mischung aus Verkaufsflächen, Freizeit-, Erholungs- und Sportzonen. Entworfen und umgesetzt wurde der Bau von ATP architekten ingenieure.

Das Einkaufszentrum Aleja in Ljubljana bietet eine zeitgemäße Mischung aus Verkaufsflächen, Freizeit-, Erholungs- und Sportzonen. Entworfen und umgesetzt wurde der Bau von ATP architekten ingenieure.

Industrie/​Gewerbe

Einkaufszentrum Aleja in Ljubljana

Modellbasierte Planung für energetische Qualität und Nachhaltigkeit

Snøhetta planten für den österreichischen Hersteller Swarovski am Standort Wattens eine Manufaktur, die ein Hybrid aus Werkhalle, Kommunikationsraum und Präsentationsfläche ist.

Snøhetta planten für den österreichischen Hersteller Swarovski am Standort Wattens eine Manufaktur, die ein Hybrid aus Werkhalle, Kommunikationsraum und Präsentationsfläche ist.

Industrie/​Gewerbe

Manufaktur in Wattens

3D-Planungsmethoden in Konzeption, Entwurf, Ausführungsplanung und Fertigung

Da die Mitarbeiterzahl im Porsche Entwicklungszentrum in Weissach in den letzten Jahren stetig wuchs, wird bis Herbst 2018 eine neue Betriebscasino, geplant von asp Architekten, eröffnet

Da die Mitarbeiterzahl im Porsche Entwicklungszentrum in Weissach in den letzten Jahren stetig wuchs, wird bis Herbst 2018 eine neue Betriebscasino, geplant von asp Architekten, eröffnet

Industrie/​Gewerbe

Porsche Betriebscasino in Weissach

BIM to Field und VR für reibungslose Planung und Bauausführung

Um die empfindliche Technik vor Umwelteinflüssen wie Erschütterungen und Klima abzuschirmen, ist das Gebäude in bewaldetes Gelände gebettet

Um die empfindliche Technik vor Umwelteinflüssen wie Erschütterungen und Klima abzuschirmen, ist das Gebäude in bewaldetes Gelände gebettet

Industrie/​Gewerbe

Großforschungsanlage Swiss FEL in Würenlingen

Präzise, koordinierte 3D-Planung höchst empflindlicher Technik

Mit einem gen Norden offenen Hof wendet sich der Eingang einem Platz und künftig weiteren Forschungsgebäuden des Clusters Photonik zu

Mit einem gen Norden offenen Hof wendet sich der Eingang einem Platz und künftig weiteren Forschungsgebäuden des Clusters Photonik zu

Industrie/​Gewerbe

Center for Digital Photonic Production in Aachen

Virtuelles Gebäudemodell für hochkomplexen Forschungsbau

An der Eingangsseite im Nordwesten bricht die Fassadenstruktur großflächig auf: Dort öffnet sich das Forschungsinstitut transparent über fünf Geschosse und lässt tiefe Einblicke ins Atrium als dem kommunikativen Herzstück zu

An der Eingangsseite im Nordwesten bricht die Fassadenstruktur großflächig auf: Dort öffnet sich das Forschungsinstitut transparent über fünf Geschosse und lässt tiefe Einblicke ins Atrium als dem kommunikativen Herzstück zu

Industrie/​Gewerbe

Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien

Integraler Planungsprozess vom ersten Entwurf bis zur Inbetriebnahme