Neuer Campus der Garzón Schule in Uruguay

Lernen aus vergangenen Projekten

Wie schafft man kindergerechte Räume in einer von Technik geprägten Zeit? Die zügige Entwicklung der Technologie prägt seit geraumer Zeit die Art und Weise, wie Wissen vermittelt wird. Bildschirme sind aus Bildungsstätten kaum mehr wegzudenken, aus Stift und Papier werden Tablets. Dabei belegen Studien, dass besonders bei Kindern haptische Erfahrungen und die Rückbesinnung auf die Natur ausschlaggebend für ihre Entwicklung sein können. Der neue Campus der Garzón-Schule in Uruguay macht vor, wie beides im Einklang zusammenwirken kann.

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Die 2025 zum Großteil fertiggestellte Schule, geplant von dem dänischen Designstudio Rosan Bosch, bietet einen Gegenentwurf zu den zunehmend digitalisierten Lernumgebungen: Der Umzug des Schulcampus unterstützt ein neues Lehrkonzept, das die physischen, sozialen und sensorischen Dimensionen des Lernens in den Mittelpunkt rückt. Der neue Standort des Schul-Campus scheint dafür geradezu prädestiniert. Auf 94 Hektar Eukalyptuswald im Süden Uruguays wird die naturbelassene Umgebung zum Herzstück des Entwurfs. Sie wird als gleichwertiger, nicht umbauter Raum in die Planung integriert.

Bedürfnisorientierte Planung

Der Campus umfasst sechs Gebäude mit Wissenschaftslaboren, einem Debattiersaal, Ateliers, Spezialstudios und Bereichen für eigenständiges Arbeiten. Im Zentrum des Geländes stehen drei Hauptgebäude: zwei baugleiche Pultdachhäuser für die jüngeren Schüler*innen (sechs bis zwölf Jahre) und ein südlich gelegenes Gebäude für die Sekundarstufe. Letzteres besteht aus zwei schmalen, teilweise zweigeschossigen Riegeln, die eine gemeinsame Fassade und Satteldächer verbinden. Drei weitere Solitärbauten dienen sekundären Nutzungen. Sportplätze und Außenanlagen befinden sich noch im Bau.

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Schule als Ökosystem

Das Gestaltungskonzept der Garzón Schule sieht Raumtypologien vor, die auf bestimmte Lernformen ausgelegt sind und so bestmögliche Bedingungen für die Entwicklung der Kinder schaffen: 

  • Mountain Top – Präsentationen, Aufführungen und konzentrierte Kommunikation
  • Die Höhle – intime Räume für Konzentration, Rückzug und Reflektion
  • Lagerfeuer – Geschichtenerzählen, Dialoge und gemeinsame Aufmerksamkeit
  • Brunnen – informeller Austausch, soziales Lernen und Interaktion zwischen Gleichaltrigen
  • Hands-on – Experimente, Basteln, kreative Problemlösung
  • Bewegung – körperliche Aktivität, Spiel, kognitive und emotionale Entwicklung

Die Innenräume sind klar strukturiert. Jeder Grundriss teilt sich in einen großen, flexibel nutzbaren Raum im Zentrum und zwei schmale Räume an den Flachgiebelseiten. Maßgefertigte Einbaumöbel schaffen spielerische Sitzgelegenheiten und Nischen, die den Kindern individuelle Nutzungsmöglichkeiten bieten. Die schmalen Nebenräume beherbergen Garderoben, Nasszellen, Teeküchen und kleine Lernräume. Große Fensterfronten öffnen die Lernräume zur Natur und lösen die Grenze zwischen Innen und Außen auf. Der Außenraum wird als Erweiterung der Klassenzimmer genutzt, wo die Kinder eigenständig ihre Umgebung erkunden können. Rundfenster an den Giebelseiten und Oberlichter führen zusätzlich natürliches Licht in die Gebäude und spielen mit dem ansonsten dezent gehaltenen Fassadenbild.

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Trotz ihres Fokus auf die Naturnähe bleibt die Technik ein integraler Bestandteil des Lehrprogramms. Bildschirme sind dezent integriert, die Räume erlauben eine gleichwertige Nutzung physischer und digitaler Medien. Die flexible Gestaltung fördert ein ausgewogenes Lernen.

Landschaft wird Teil des Curriculums

Rosan Bosch gestaltete auch die Außenanlagen mit Bedacht. Organische Wege führen durch den Campus und gliedern ihn in Grün- und Spielzonen. Farbige Markierungen definieren verschiedene Nutzungsbereiche. Spiralförmige Sitztreppen und Bänke aus roten Ziegeln ergänzen das Angebot. Die Landschaft wirkt wie eine Leinwand, die Bewegung und Interaktion fördert.

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Nachhaltige Holzkonstruktion aus regionaler Forstwirtschaft

Für die tragende Struktur und die Fassade der sechs Häuser wurde ausschließlich Holz aus nachhaltiger, regionaler Forstwirtschaft verwendet. Brettsperrholzplatten wurden zur Errichtung der Wände eingesetzt, die Decken in einer Balkenkonstruktion gefertigt. Die Holzlatten der Fassade erhielten ihre schwarze Farbe durch den Einsatz eines traditionell japanischen Verkohlungsverfahrens namens Shou-Sugi-Ban. Diese Technik schützt das Holz, verlängert die Lebensdauer und bietet ein haptisches Erlebnis. Für die Planung und Umsetzung der Holzbauten arbeiteten die Planenden eng mit dem Holzbauteil Hersteller Enkel Group zusammen – dieser war zuvor bereits am ersten Bau der Schule beteiligt und konnte durch die direkte Zusammenarbeit einen erheblichen Einfluss auf die Baukosten und den Ressourcenverbrauch nehmen.

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Planungsabwicklung mit Vision

Die Wahl von Rosan Bosch für den Masterplan überrascht nicht. Das Kopenhagener Studio entwarf bereits den ersten Standort der Schule und ist auf Lernräume spezialisiert. Mit kreativen Konzepten, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen, hat sich das Büro einen Namen gemacht. Bücher wie Planning Learning Spaces und Play to Learn sowie Online-Diskussionen untermauern ihre Expertise.

Auch beim Garzón-Campus flossen Erfahrungen aus der ersten Zusammenarbeit in die Planung ein. Die Nähe zum Projekt sowie intensive Forschungsarbeiten und Schulungen aller Beteiligten erforderten hohe Ressourcen. Dies scheint sich jedoch zu lohnen, denn der Planungsaufwand spiegelt sich in der Qualität des Projekts wider. Der Bau erfolgt in Etappen: Der erste Abschnitt wurde im März 2025 abgeschlossen, weitere Arbeiten begannen 2026. Die Fertigstellung ist für November 2026 geplant.

Bautafel

Architektur: Rosan Bosch Studio, Kopenhagen

Projektbeteiligte: Enkel Group, Tacuarembó (Holzbauteil Hersteller)

Bauherr*in: The Garzón School, Uruguay

Fertigstellung: voraussichtlich 2026

Standort: Ruta 104, Maldonado Department, Uruguay

Bildnachweis: Eleazar Cuadros (Fotografie); Rosan Bosch Studio, Kopenhagen (Pläne)

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