Technischer Ausbau in denkmalgeschützten Gebäuden
Installationen mit geringem Eingriff in die Bausubstanz
Heutzutage lässt sich eine technisch zeitgemäße Gebäudeausstattung nur mit großer Sensibilität mit dem Anspruch an den Erhalt von Baudenkmälern vereinen. Die geschützte Bausubstanz erlaubt Eingriffe in der Regel nur im Rahmen denkmalrechtlicher Genehmigungen. Installationsmaßnahmen, bei denen umfangreich gebohrt oder gestemmt werden muss, sind daher häufig kritisch zu bewerten und mit den zuständigen Denkmalbehörden abzustimmen. Auch sichtbare Installationssysteme wie Aufputz-Elektrokanäle oder moderne Heizkörper lassen sich nicht zwangsläufig mit der Ästhetik historischer Gebäude in Einklang bringen.
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Raumklima und Bauphysik als Schadensfaktor
Doch nicht nur Heizkörper und Leitungsführungen stellen eine Herausforderung dar. Auch neue Nutzungsbedingungen durch veränderte Raumtemperaturen und Raumluftfeuchten können zu Bauschäden führen. Bauphysikalische Zusammenhänge – insbesondere hinsichtlich Feuchteschutz und Oberflächentemperaturen – sind dabei zu berücksichtigen.
Maßgeblich sind unter anderem die Anforderungen der DIN 4108-2 (Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Mindestanforderungen an den Wärmeschutz) sowie der DIN 4108-3 (Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Klimabedingter Feuchteschutz).
Leitungsführung mit minimalem Eingriff
Stand der Technik für die Leitungsführung ist, diese nach Möglichkeit in nicht mehr genutzte Schornsteinzüge, Nischen oder vorhandene Aussparungen zu integrieren. Dadurch lassen sich Eingriffe in historische Oberflächen minimieren.
Stehen derartige Wege nicht zur Verfügung, kann eine Trassenführung durch untergeordnete Räume in Betracht gezogen werden. Hierfür sind auch gestalterisch angepasste Vorwandsysteme einsetzbar, sofern sie denkmalrechtlich genehmigt werden. Heizkörper sollten so platziert werden, dass die Leitungsführung möglichst kurz gehalten wird oder die historische Position und ästhetische Wirkung der vorhandenen Heizflächen weitgehend erhalten bleibt.
Nachträgliche Fußbodenheizung im Bestand
Denkbar ist außerdem der nachträgliche Einbau einer Fußbodenheizung direkt in den vorhandenen Estrich. Hierfür werden mit speziellen Frässystemen Rillen in den Estrich eingebracht, in denen später flexible, wasserführende Rohrleitungen verlegt werden.
Der konkrete Einbau hängt vom vorhandenen Bodenaufbau und dessen Zustand ab; in vielen Fällen ist eine zusätzliche Estrichtrocknung nicht erforderlich, sofern der Bestand trocken und tragfähig ist. Der Bodenbelag muss jedoch erneuert werden.
Fachplanung und Raumklimasteuerung
Bei der Heizungs- und Lüftungsplanung im denkmalgeschützten Gebäude sind entsprechend qualifizierte Fachleute einzubinden, die Bauphysik und Raumklima gleichermaßen berücksichtigen. Dauerhaft niedrige Oberflächentemperaturen können in Verbindung mit erhöhter Raumluftfeuchte zu Feuchteschäden führen. Umgekehrt kann eine zu niedrige Raumluftfeuchte bei gleichzeitig hohen Raumlufttemperaturen Schäden an empfindlichen Materialien, etwa tragenden Holzelementen, verursachen.
In einigen Fällen können Flächenheizungen, wie kapillare Wandheizsysteme zur Bauteiltemperierung, in den Putz integriert werden. Sie weisen einen hohen Strahlungsanteil auf und erhöhen die Oberflächentemperaturen der Bauteile, ohne dass die Raumlufttemperatur deutlich angehoben werden muss.
Individuelle Lösungen statt Standardmaßnahmen
Die Umsetzung eines jeden Konzeptes erfordert individuelle, objektspezifische Entscheidungen. Ein wesentlicher Aspekt zur Erhaltung kulturell wertvoller Gebäude bleibt in jedem Fall die möglichst geringe Beeinträchtigung der historischen Substanz durch Stemm- oder Schlitzarbeiten sowie ein insgesamt zurückhaltender technischer Eingriff. Notwendige Maßnahmen sind mit besonderer Sorgfalt und Kreativität umzusetzen.
Denkmalpflege und energetische Anforderungen
Bei der technischen Ertüchtigung denkmalgeschützter Gebäude sind
neben konservatorischen Aspekten zunehmend auch energetische
Anforderungen zu berücksichtigen. Das
Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt grundsätzlich auch für
Baudenkmäler, sieht jedoch Ausnahmen vor, wenn die Einhaltung
einzelner Anforderungen die Substanz oder das Erscheinungsbild
beeinträchtigen würde. In solchen Fällen ist eine objektspezifische
Abwägung erforderlich.
Ein wesentliches Prinzip moderner Denkmalpflege ist die Reversibilität technischer Maßnahmen. Installationen sollten so ausgeführt werden, dass sie – soweit möglich – rückbaubar sind und die historische Substanz dauerhaft erhalten bleibt.
Bei sensiblen Bauwerken kann es zudem sinnvoll sein, das Raumklima nach der technischen Ertüchtigung messtechnisch zu begleiten. Temperatur- und Feuchtemonitoring helfen, bauphysikalische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Schäden zu vermeiden.
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