The Bathroom – From hygiene to wellness
mudac, Collection RADDAR
1. Ausgabe, Lausanne 2026
128 Seiten, Vollfarbe, 12 x 19 cm, Softcover
Sprache: Englisch, Französisch
Preis: 18 CHF
ISBN 978-2-37896-579-2
Vom Plumpsklo zum Designobjekt: Kaum ein Raum hat einen vergleichbar tiefgreifenden Wandel durchlaufen wie das Badezimmer. In The Bathroom – From hygiene to wellness zeichnet die Architektin, Stadtplanerin und Designhistorikerin Jolanthe Kugler diese Entwicklung als kulturgeschichtliche Erzählung nach – von antiken Badeanlagen bis hin zu heutigen, modern inszenierten Wellnessbädern.
Statt einer Gliederung in einzelne Kapitel folgt das Buch einer offenen Struktur. Die Doppelseiten sind weitgehend gleich gestaltet: links eine Abbildung, rechts ein erläuternder Textabschnitt. Dieser nimmt sowohl direkten Bezug auf das gezeigte Bild als auch auf den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext. In ihrer Gesamtheit ergeben diese fortlaufenden Bild-Text-Paare eine Art visuelle Chronologie, die die Entwicklung des Badezimmers nachvollziehbar erzählt.
Kugler verwebt Hygiene-, Sozial- und Designgeschichte zu einem zusammenhängenden Bild. Deutlich wird, wie stark Vorstellungen von Reinlichkeit, Körper und Intimität historisch geprägt und gesellschaftlich verhandelt wurden. So zeigt sie etwa, dass das Nichtwaschen im Mittelalter religiös konnotiert war und als Ausdruck von Frömmigkeit galt. Erst die Angst vor Seuchen wie der Cholera im 19. Jahrhundert führte zu grundlegenden infrastrukturellen Veränderungen in Städten und Wohnbauten – insbesondere zum Ausbau der Kanalisation und zur Etablierung moderner Hygienestandards. In der Folge wurde das Badezimmer zunehmend zum selbstverständlichen Bestandteil der Wohnung, während sich parallel neue Vorstellungen von Sauberkeit, Komfort und sozialer Gleichheit herausbildeten.
Galerie
Die Bildauswahl unterstützt diese Entwicklung anschaulich und konsequent. Historische Fotografien von öffentlichen Badehäusern, frühe Sanitärinstallationen sowie Werbegrafiken des 20. Jahrhunderts stehen neben ikonischen Entwürfen des modernen Bad- und Produktdesigns. Dazu zählen etwa Arne Jacobsens HV1-Wasserhahn für VOLA (1968), Luigi Colanis visionäres Bad für Villeroy & Boch (1975) oder die „Water Lounge“ von Philippe Starck (1994), die mit freistehenden, skulpturalen Elementen und wohnraumähnlicher Atmosphäre die Idee vom klassischen, rein funktionalen Bad radikal erweiterte.
Gerade in dieser Gegenüberstellung wird sichtbar, wie sich das Badezimmer von einem rein zweckgebundenen, häufig öffentlich genutzten Hygieneraum zu einem privaten, gestalteten Innenraum mit hoher ästhetischer und atmosphärischer Qualität entwickelt hat, der zunehmend als Teil des Wohn- und Lebensraums verstanden wird.
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