Nahwärme aus Abwasser

Über das Forschungsvorhaben Neckarpark in Stuttgart

Im Stuttgarter Norden entwickelt sich seit den frühen 2010er-Jahren ein neues Stadtquartier mit dem Namen Neckarpark. Auf den Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs, die die Landeshauptstadt Stuttgart im Jahr 2000 erwarb, entsteht ein urbanes Gefüge aus Wohnen, Arbeiten, Bildung und Kultur. Das Gesamtgebiet umfasst rund 22 Hektar, geplant sind 850 Wohneinheiten für rund 2.000 Menschen. Neben den Themen bezahlbarer Wohnraum, umweltfreundliche Mobilität, Gestaltung von attraktiven Freiflächen und Klimaschutz gehört auch die Entwicklung eines verantwortungsbewussten Energiekonzepts zu den angestrebten Zielen des Projekts. Die Wärmeversorgung soll demnach zu einem Großteil aus lokal verfügbaren Energien gespeist werden. Wichtiger Bestandteil dieses Energiekonzepts ist die Nutzung von Abwasser als Hauptenergiequelle für die Wärmeversorgung.

Galerie

Begleitendes Forschungsprojekt

Das begleitende Forschungsprojekt Nahwärme aus Abwasser zur Versorgung eines Niedrigstenergie-Stadtquartiers, modellhafte Umsetzung im Neckarpark startete im Mai 2013 – durchgeführt als Verbundvorhaben der Landeshauptstadt Stuttgart und des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP. Ein ausführlicher Abschlussbericht, der die Arbeiten beider Verbundpartner zusammenfasst, und ein Leitfaden mit gewonnenen Erkenntnissen für zukünftige Vorhaben (siehe Surftipps) sind in der Projektlaufzeit bis Ende Juni 2025 entstanden und Anfang 2026 veröffentlicht worden. Gefördert wurde das Forschungsprojekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Galerie

Effizientes Energiekonzept

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der großmaßstäblichen Nutzung von Abwasserwärme auf Quartiersebene. Die für das Quartier benötigte Wärme wird einem nahegelegenen Abwasserkanal entzogen und über Wärmepumpen erhitzt. Die Wärme wird dabei über einen sogenannten Rinnenwärmetauscher aus dem Hauptwasserkanal gewonnen, mit den Wärmepumpen auf ein höheres Temperaturniveau angehoben und über ein Nahwärmenetz an die Gebäude verteilt. Im Zuge des Projekts wurde der Hauptabwasserkanal in Teilen neu verlegt, was den Einbau des Wärmetauschers erleichterte. Das ursprüngliche Ziel, die Wärmeversorgung einzig über Abwasserwärme und Wärmepumpen sicherzustellen, konnte allerdings nicht erreicht werden. Die im Verlauf der Projektplanung und -umsetzung zunehmende Verdichtung des Stadtquartiers sowie der daraus resultierende, deutlich über den Planungsannahmen liegende Trinkwarmwasserbedarf führten zu einer Anpassung und Erweiterung des Energiekonzepts um Blockheizkraftwerke und Spitzenlastkessel. Die Heizzentrale ist in der Quartiersgarage untergebracht.

Galerie

Die Effizienz des Energiekonzepts kann mit einem reduzierten Heizwärmebedarf durch erhöhte Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz verbessert werden. So wurde die Bauherrschaft von Beginn an verpflichtet, die gesetzlichen energetischen Anforderungen an Neubauten signifikant zu unterschreiten.

Fazit

Im Abschlussbericht heißt es:
„Entscheidend für den Projekterfolg sind die frühzeitige Integration des Energiekonzepts in die städtebauliche Planung, die Festlegung ambitionierter und verbindlicher energetischer Vorgaben für Gebäude, eine enge Verzahnung von Gebäude- und Versorgungskonzept, eine flexible und modulare Anlagenkonzeption sowie eine kontinuierliche Begleitung des Betriebs durch Monitoring und Betriebsoptimierung. Die Ergebnisse belegen, dass Abwasserwärme insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten ein erhebliches, bislang vielfach ungenutztes Potenzial besitzt und in Kombination mit Niedertemperaturwärmenetzen und Wärmepumpentechnologie einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung leisten kann.“

Forschungsprojekt durchgeführt als Verbundvorhaben der Landeshauptstadt Stuttgart und des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP; gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Fachwissen zum Thema

Funktionsweise der Abwasserwärmenutzung

Funktionsweise der Abwasserwärmenutzung

Brennstoffe/​Energieträger

Abwasser

Im Rahmen einer effizienten Energienutzung ist es auch sinnvoll, die thermisch gespeicherte Energie der Wärmequelle im Abwasser...

Mischkanalisation

Mischkanalisation

Abwasser

Abwasserarten und Entwässerungssysteme

Abwasserleitungen führen Schmutz- und Regenwasser getrennt oder gemeinsam aus Gebäuden und von Grundstücken ab.

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Wasserkreislauf sponsored by:
ACO GmbH
Am Ahlmannkai
24782 Büdelsdorf
Tel. +49 4331 354-700
www.aco.de
Zum Seitenanfang

Nahwärme aus Abwasserneu

Lageplan/Masterplan des Stadtquartiers Neckarpark

Lageplan/Masterplan des Stadtquartiers Neckarpark

Das Forschungsvorhaben befasst sich mit der großmaßstäblichen Nutzung von Abwasserwärme auf Quartiersebene. Eine modellhafte Umsetzung erfolgte im Neckarpark in Stuttgart.

ACTRIS europäische Atmosphärenforschung

Beobachtungsstation von TROPOS in Melpitz/Sachsen zur Erforschung der Luftqualität im nordostdeutschen Tiefland

Beobachtungsstation von TROPOS in Melpitz/Sachsen zur Erforschung der Luftqualität im nordostdeutschen Tiefland

Erforschung von Extremwetter mit Prognosen und frühzeitigen Warnmeldungen, Kontrolle der Luftqualität nicht nur in Metropolen und Messung von Luftverschmutzung respektive Schadstoffemissionen.

Forschungsprojekt ReNOx 2.0 zur Abwasseraufbereitung

Kläranlagen können als Nährstofflieferanten für erneuerbaren Stickstoff und Phosphor dienen (im Bild: Kläranlage Knittelfeld als Versuchsstandort für ReNOx 2.0).

Kläranlagen können als Nährstofflieferanten für erneuerbaren Stickstoff und Phosphor dienen (im Bild: Kläranlage Knittelfeld als Versuchsstandort für ReNOx 2.0).

Die ReNOx-Technologie ermöglicht die Rückgewinnung von Stickstoff und Phosphor aus Abwasser. Das entlastet Kläranlagen und vermeidet Treibhausgasemissionen.

Vorhersage lokaler Sturzfluten

Der neu entwickelte Sturzflutindex soll die lokale Gefahr von Sturzfluten angeben.

Der neu entwickelte Sturzflutindex soll die lokale Gefahr von Sturzfluten angeben.

Der neu entwickelte Sturzflutindex soll Bewohner*innen bedrohter Gebiete frühzeitig warnen und Alarm- und Einsatzpläne verbessern.  

FÜR SAUBERES GRUNDWASSER

Entdecken Sie bei ACO innovative und intelligente Systeme für die Behandlung, Rückhaltung und Versickerung von Niederschlagswasser.

Partner-Anzeige