Casa Nativa
Transformation eines Einfamilienhauses in Montevideo
Besonders auffällig war dieses Haus inmitten einer Wohngegend in Montevideo lange Zeit nicht. In den 1950er-Jahren wurde es als einfache Bleibe mit Wirtschaftsräumen im Souterrain und Wohnflächen im Obergeschoss errichtet. Gegenüber dem Straßenniveau leicht abgesenkt, konnte es mittels einer schmalen Außentreppe erschlossen werden, die über den Vorgarten hinweg direkt zum Wohngeschoss führte. Nach längerem Leerstand erwarb eine junge Familie das Gebäude vor einigen Jahren und beauftragte FROM aus Uruguay, es nach ihren Bedürfnissen umbauen zu lassen. Mit einer Aufwertung der Freiräume und strukturellen baulichen Ergänzungen wurde die Casa Nativa so zur Wohn-Oase im urbanen Umfeld.
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Wohnen im Souterrain
Das Haus wurde 1956 in Betonskelettbauweise fertiggestellt.
Mittels Konsolen kragt das Obergeschoss beidseitig um etwa 1,80
Meter aus. Ursprünglich hatte man diese Auskragung gartenseitig als
Balkon genutzt. Die 2024 abgeschlossenen Umbaumaßnahmen bewahrten
das Tragwerk des Gebäudes, brachten jedoch auch eine umfassende
Reorganisation von Grundriss und Fassade mit sich.
Im ersten Schritt wurde die Casa bis auf ihre Tragstruktur
zurückgebaut. Ziel war es, die beiden vormals unabhängig genutzten
Geschosse komplett für die angedachten Wohnzwecke zu öffnen und neu
zu verbinden. Die Außentreppe zum Obergeschoss ließ man entfernen,
um die Einheit künftig direkt über das Souterrain erschließen zu
können. Im Ergebnis folgt eine mäandernde Freirampe dem Gelände nun
bis zum niedriger gelegenen Gebäudeeingang. Das vormals
verschlossene Geschoss nimmt eine langgestreckte Küche samt
Wohnbereich und Gäste-WC auf, erhielt an der Gartenseite raumhohe
Glasflächen und zur Straße hin ein durchgehendes Fensterband über
der Arbeitsfläche. Ein zweiter Zugang zur Wohnküche knüpft an die
einstige Garagenrampe an.
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Entspannen im Obergeschoss
Gleich gegenüber der Rampe erstreckt sich ein neuer Gebäudeteil
bis auf den rückwärtigen Garten. Mit seiner weißen Putzfassade,
Bullaugenfenstern und einer konvexen Stirnseite bildet er einen
deutlichen Kontrast zum Bestand, der von starker Orthogonalität,
einem klaren Raster und der Illusion einer monolithischen
Betonhülle lebt. Innerhalb des neuen Anbaus führt eine Treppe vom
halböffentlichen Souterrain in den großzügigen Aufenthaltsbereich
des privateren Obergeschosses.
Ähnlich wie im Souterrain wurde auch hier zu beiden Seiten
vollflächig verglast und damit zusätzliche Betonung auf das
rhythmische Tragwerk gelenkt. Neben dem Bad und einem weiteren WC
finden sich im Obergeschoss drei gleich große Schlafzimmer für die
Eltern und Kinder. Vor Einblicken vorbeiziehender Passant*innen
schützt eine Pufferschicht aus achsgleichen Metallgittern, an denen
allerhand Pflanzen emporranken. Der ehemalige Balkon auf der
Gartenseite verschwand zugunsten zusätzlicher Wohnfläche, doch
lassen Schiebeelemente zu, diesen Aufenthaltsbereich in eine üppige
Loggia zu verwandeln.
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Freizeitflächen on top
Fast nahtlos schließen die metallenen Brüstungselemente der
Loggia an den weiterführenden Treppenlauf an. Unten vollkommen
umschlossen, verwandelt sich der weiß verputzte Treppenkörper ab
dem Obergeschoss nämlich zur Freitreppe, die bis aufs Dach führt.
Hier erwartet die Bewohner*innen statt einer bekiesten Dachfläche
nun ein leichter Aufbau, der an ein Gewächshaus erinnert. Dieses
gläserne Tonnengewölbe liegt auf einem neu eingesetzten Ringanker
ein Stück weit hinter der Attika und nimmt damit die
Fassadenfluchten des rückversetzten Souterrains auf. Zur Straße
stets verschlossen, lässt sich die Glashaut zum Garten hin öffnen.
Während der mittlere Teil als Freisitz und tatsächlich auch als
Gewächshaus genutzt werden kann, finden sich an den beiden kurzen
Seiten abgeteilte Räume zum Musizieren, Lagern und Werkeln.
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Insgesamt hat das Gebäude mit der Vielzahl an Eingriffen sowohl gestalterisch als auch funktional gewonnen. Der Beiname Nativa soll unterstreichen, dass das Haus trotz seiner neuen Erscheinung deutlich verwurzelter mit dem subtropischen Standort Montevideo wirkt. So verleiht ihm die Betonung der Tragstruktur eine fast schon brutalistische Anmutung, während ihm die Ergänzungen gleichzeitig eine maritime Note einhauchen.
Bautafel
Architektur: FROM
Projektbeteiligte: Ing. Iván Gorrostazo (Tragwerksplanung); Estudio Hofstadter Fregosi y Asociados (Lichtplanung); Ing. Alejandro Curcio (Sanitärplanung); Cosia y Pombo (Tischlerarbeiten); Insaco (Handwerk); Lyte (Leuchten); Alushop (Fenster); Laviere Vitacca (Arbeitsplatten)
Bauherr*in: privat
Standort: Montevideo, Uruguay
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Aldo Lanzi (Fotos), FROM (Pläne)
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