Battersea Power Station in London

Wandel unter Hochspannung

Ein fliegendes Schwein zwischen vier monumentalen Schornsteinen: das surreale Bild auf dem Cover von Pink Floyds Album Animals (1977) assoziieren noch viele mit der Battersea Power Station. Was in der Popkultur als Symbol für Industrie, Konsum und Größenwahn gilt, ist heute ein Beispiel für urbane Revitalisierung durch Umnutzung. Hinter der dramatischen Silhouette aus Ziegel und Beton verbirgt sich seit 2022 ein Quartier aus Einzelhandel, Büros und Wohnungen mit einem Hauch britischer Energiegeschichte. Dabei war der Druck seitens Bevölkerung und Denkmalschutz hoch, die Wirkung des Kolosses nicht zu verfälschen.

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Vom Kraftwerk zum Wohnquartier

Zwischen 1933 und 1955 in zwei Bauphasen errichtet, versorgte das Kohlekraftwerk Battersea A und B über 50 Jahre lang London mit Energie. Die markante Form, entworfen von Sir Giles Gilbert Scott, ebenfalls verantwortlich für das heutige Tate Modern, die Waterloo Bridge und die Londoner Telefonzellen, verlieh dem Bauwerk eine fast sakrale Anmutung. Es sollte mehr sein als ein Kraftwerk: eine Kathedrale der Moderne, ein architektonisches Statement der Energie-Infrastruktur. Doch nach der Stilllegung 1983 begann ein zähes Ringen um die Zukunft des Baudenkmals.

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Nachdem 1988 das Dach entfernt wurde, um Kessel und Turbinen aus dem Gebäude zu heben, war die Battersea Power Station der Witterung ausgesetzt. Es folgten Jahrzehnte voller Investitionsvorhaben und großmaßstäblichen Visionen. 2012 schlug der Fußballverein FC Chelsea vor, sein neues Stadion zwischen den vier Schornsteinen zu eröffnen. Den Zuschlag erhielt im selben Jahr jedoch ein malaysisches Investorenkonsortium für rund 400 Mio. Pfund. Für die Planung beauftragten sie Rafael Viñoly, für die Detailplanung des Umbaus WilkinsonEyre. Frank Gehry und Foster + Partner übernahmen die Entwürfe für die östlichen und westlichen Gebäudeflügel.

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Seitdem wurde die Battersea Power Station behutsam, aber grundlegend transformiert. Heute vereint sie Wohnungen, Büros, Einzelhandel, Freizeitangebote und Dachgärten auf rund 42.000 Quadratmetern. Darunter befinden sich 1.400 Arbeitsplätze für Apple Mitarbeitende, was den Konzern zum größten Mieter des Ensembles macht. Die einstigen Turbinenhallen sind als Einkaufszentrum öffentlich zugänglich. Zwischen erhaltenen Krananlagen, freigelegtem Backstein und poliertem Beton soll die Geschichte des Gebäudes spürbar bleiben.

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Fast original: Fenster und Fassade

Eine besondere Herausforderung stellte die Sanierung der Fassaden und Fensterflächen dar: Über 2.000 Öffnungen prägen das äußere Erscheinungsbild des historischen Kraftwerks. Um die charakteristische Architektur zu bewahren und gleichzeitig heutige energetischen Anforderungen zu erfüllen, kamen Janisol Arte 2.0 Fenster zum Einsatz. Trotz ihrer filigranen Stahlprofile ermöglichen sie die Integration von Zweifach-Isolierglas. So lassen sich die ursprünglichen Proportionen erhalten, ohne auf Energieeffizienz zu verzichten. Im Inneren verbinden Trennwände aus Stahl und Glas mit Schiebetüren Alt und Neu dezent miteinander.

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Flankiert wird das Bestandsgebäude von Neubauten, ebenfalls entworfen von Foster + Partners, Frank Gehry, SimpsonHaugh und dRMM. Sie ergänzen das Gesamtprojekt, ohne die ikonische Silhouette der Battersea Power Station zu beeinträchtigen. Die vier Schornsteine wurden 2016 originalgetreu rekonstruiert – sehr zur Freude der Bevölkerung.

Bautafel

Architektur: Rafael Viñoly, WilkinsonEyre, Frank Gehry und Foster + Partner 
Projektbeteiligte: Schüco Stahlsysteme Jansen, Bielefeld (Fenster, Produkt: Janisol Arte 2.0);  Gebrüder Schneider, Stimpfach (Fensterfabrik)
Bauherr*in: Battersea Power Station Development Company Ltd
Standort: Circus Rd W, Nine Elms, London SW11 8DD, UK
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Tim Fisher

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