Werkhalle 3 am Triebwerk Neuaubing in München

Außen Ziegel, innen rot

Denkmalgerecht und trotzdem mit klarer architektonischer Handschrift haben Fischer + Steiger u. Partner Architekten ein Stück Eisenbahngeschichte neu belebt. Auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks in München-Neuaubing sanierten sie die Werkhalle 3. Während die historischen Fassaden aus Sichtmauerwerk als Zeugnis der Geschichte erhalten blieben, erstrahlt ein neuer Innenhof in kräftigem Rot.

Galerie

Entstehung und Nutzung

Die Halle wurde 1906 vor dem Beginn der offiziellen Bauzeit des Ausbesserungswerks in Betrieb genommen und diente ursprünglich der Reparatur von Eisenbahnwaggons. Sie gehört zu den ältesten Gebäuden des Areals. Mit Außenmaßen von 120 mal 80 Metern umfasst sie rund 11.000 Quadratmeter. Als Stahlkonstruktion mit Sichtklinkerfassade errichtet, verkörpert sie die funktionale Industriearchitektur jener Zeit. Spuren des Zweiten Weltkriegs, darunter Tarnanstriche und Reparaturen nach Bombenschäden sowie spätere Eingriffe im Zuge wechselnder Nutzungen, prägen die Außenhaut. Seit 2008 steht die Werkhalle unter Denkmalschutz.

Galerie

 

Sanierungsmaßnahmen

Vor Beginn der eigentlichen Sanierung musste der belastete Hallenboden vollständig entfernt und ersetzt werden. Schadstoffsanierungen sowie umfangreiche Rückbauarbeiten bereiteten das Gebäude auf seine bauliche Ertüchtigung vor. Durch Stützkonstruktionen blieb das historische Stahltragwerk erhalten und trägt heute einen neuen Dachaufbau aus einer sichtbaren Holzkonstruktion, Wärmedämmung, Abdichtung und einer hinterlüfteten Trapezblechdeckung. An Traufe und Giebel sind die Dachüberstände konstruktiv vom gedämmten Dachaufbau getrennt und erscheinen dadurch als schmaler Rand. 32 erhaltene sattelförmigen Oberlichtbänder bringen Tageslicht in das Innere der Halle. Dabei bliebt die ursprüngliche Eisenstruktur der Fensteröffnungen erhalten und wurde durch eine isolierverglaste Konstruktion ergänzt.

Galerie

 

Gliederung und Erscheinungsbild

Um den Brandschutz zu gewährleisten, wurde die Halle in vier Einheiten unterteilt: Eine Nord- und eine Südhalle mit jeweils 3.000 Quadratmetern sowie eine West- und eine Osthalle mit 1.600 bzw. 1.700 Quadratmetern. Sie dienen als Büros, Labore und Produktionsflächen. Der durch die Unterteilung entstandene H-förmige Innenhof schafft Abstand zwischen den neuen Nutzungseinheiten. Das Tragwerk mit den primären Trägern und Pfetten blieb erhalten und bewahrt so den Hallencharakter auch nach außen. Eine thermische Trennung zwischen der äußeren Konstruktion und dem Dachaufbau verhindert Wärmebrücken. Die kräftig roten Stahlfassaden setzen frische Akzente, während die übrige Gestaltung zurückhaltend bleibt. Fischer + Steiger u. Partner Architekten verzichteten auf eine Begrünung, um den industriellen Charakter zu bewahren. 

Galerie

 

Stahlprofile für Fenster und Türen

Aus Denkmalschutzgründen erhielten die Wände eine Innendämmung. Ein zentrales Anliegen war der behutsame Umgang mit den historischen Fenstern und Türen. Die charakteristischen Rundbogenfenster blieben weitgehend erhalten. Originale Stahlfenster mit Einfachverglasung wurden durch ein innenliegendes Zusatzfenster im Kastenfensterprinzip ergänzt, um die energetischen Anforderungen zu erfüllen, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern. Fehlende Fenster wurden durch das Stahlprofilsystem Janisol Arte 2.0 ersetzt, das eine Dreifachverglasung mit filigraner Optik vereint. Auch bei den Türen kamen thermisch getrennte Stahlprofile des Janisol-Systems zum Einsatz.

Galerie

 

Begleitet wurde das Projekt von einem Bauphysikerteam. Mit umfangreichen Analysen, Bestandsaufnahmen, geeigneten Materialien und Blower-Door-Tests erreichten die Planenden den KfW-70-Standard und sicherten sich so Fördergelder.

Bautafel

Architektur: Fischer + Steiger u. Partner Architekten
Projektbeteiligte: Schüco Stahlsysteme Jansen, Bielefeld (Fenster, Produkt: Janisol Arte 2.0)
Bauherr*in: Aurelis Real Estate 
Standort: Bertha-Kipfmüller-Straße 2, 81249 München
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Ralph Olma und Laura Thiesbrummel

Fachwissen zum Thema

Restaurierte Tür in einem Fachwerkhaus in Quedlinburg

Restaurierte Tür in einem Fachwerkhaus in Quedlinburg

Sanierung/​Denkmalschutz

Denkmalschutz und Modernisierung

Die bauliche Denkmalpflege wird durch Gesetze der Bundesländer geregelt, die meist als Reaktion auf die unsensible Stadterneuerung...

Gründerzeithäuser um 1900

Gründerzeithäuser um 1900

Sanierung/​Denkmalschutz

Umgang mit historischen Baumaterialien

Jahrhundertelang erfolgte die Auswahl der Baumaterialien fast ausschließlich nach deren regionaler Verfügbarkeit. Bei den...

Kontakt Redaktion BauNetz Wissen: wissen@baunetz.de

BauNetz Wissen Partner:
Schüco International KG 
Karolinenstraße 1-15
33609 Bielefeld
Kontakt +49 521 783-0 | www.schueco.com
Zum Seitenanfang

Herzog & de Meuron, Helvetia Campus Basel in Basel: Der neu konzipierte Unternehmenssitz verbindet sanierte Bestandsbauten mit gesetzten Ergänzungen zu einem zusammenhängenden Ensemble.

Herzog & de Meuron, Helvetia Campus Basel in Basel: Der neu konzipierte Unternehmenssitz verbindet sanierte Bestandsbauten mit gesetzten Ergänzungen zu einem zusammenhängenden Ensemble.

Büro/​Verwaltung

Umbau und Erweiterung: Helvetia Campus in Basel

Der zweite Zwilling

Der von ATP architekten ingenieure revitalisierte Sitz des Europäischen Patentamts in Wien wurde 2024 fertiggestellt und zählt mit seiner BREEAM-Zertifizierung „Outstanding“, einer Holzelementfassade mit integrierter Photovoltaik und einem CO2-neutralen Energiekonzept zu den nachhaltigsten Bürogebäuden Europas.

Der von ATP architekten ingenieure revitalisierte Sitz des Europäischen Patentamts in Wien wurde 2024 fertiggestellt und zählt mit seiner BREEAM-Zertifizierung „Outstanding“, einer Holzelementfassade mit integrierter Photovoltaik und einem CO2-neutralen Energiekonzept zu den nachhaltigsten Bürogebäuden Europas.

Büro/​Verwaltung

Europäisches Patentamt Wien - Vienna Green Hub

Verwaltungsbau aus den 1970er-Jahren in neuem Gewand

Die Tabakfabrik entstand nach Plänen der luxemburgischen Architekten Georges Traus und Michel Wolff im Jahr 1937.

Die Tabakfabrik entstand nach Plänen der luxemburgischen Architekten Georges Traus und Michel Wolff im Jahr 1937.

Büro/​Verwaltung

Tabakfabrik Heintz van Landewyck in Luxemburg

Umbau eines denkmalgeschützten Industriebaus

 Auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks in München-Neuaubing sanierten Fischer + Steiger u. Partner Architekten die Werkhalle 3.

Auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks in München-Neuaubing sanierten Fischer + Steiger u. Partner Architekten die Werkhalle 3.

Büro/​Verwaltung

Werkhalle 3 am Triebwerk Neuaubing in München

Außen Ziegel, innen rot

Für die Sanierung, und die Aufstockung des traditionsreichen Brügge-Hauses in Hamburg zog das Elmshorner Büro GRS Reimer Architekten historische Schriftquellen zurate

Für die Sanierung, und die Aufstockung des traditionsreichen Brügge-Hauses in Hamburg zog das Elmshorner Büro GRS Reimer Architekten historische Schriftquellen zurate

Büro/​Verwaltung

Brügge-Haus in Hamburg

Teildenkmal vollsaniert

Am Ernst-Reuter-Platz in Berlin haben Tchoban Voss Architekten das ehemalige Hauptpostamt 2 saniert.

Am Ernst-Reuter-Platz in Berlin haben Tchoban Voss Architekten das ehemalige Hauptpostamt 2 saniert.

Büro/​Verwaltung

Bürohaus am Ernst-Reuter-Platz 6 in Berlin

Revitalisierung des ehemaligen Hauptpostamtes 2

Entlang der Mauerstraße in der Berliner Friedrichstadt erstreckt sich die ehemalige Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Bank über zwei neobarocke Gebäude.

Entlang der Mauerstraße in der Berliner Friedrichstadt erstreckt sich die ehemalige Hauptgeschäftsstelle der Deutschen Bank über zwei neobarocke Gebäude.

Büro/​Verwaltung

Dienstsitz für zwei Bundesministerien in Berlin

Erhalt und Sanierung zweier Gebäude aus der Kaiserzeit

Südostansicht des Emporio-Hochhauses an der Kreuzung Valentinskamp/Caffamacherreihe

Südostansicht des Emporio-Hochhauses an der Kreuzung Valentinskamp/Caffamacherreihe

Büro/​Verwaltung

Emporio-Hochhaus in Hamburg

Energetische Sanierung eines Hochhauses aus der Nachkriegsmoderne

Hauptfassade

Hauptfassade

Büro/​Verwaltung

Bürogebäude in Köln

Umbau und Erweiterung eines Büroriegels aus den 1960er Jahren

Vor der Sanierung prägte eine vertikal rillenförmige Struktur das äußere Erscheinungsbild

Vor der Sanierung prägte eine vertikal rillenförmige Struktur das äußere Erscheinungsbild

Büro/​Verwaltung

Firmensitz Klosterfrau in Wien/A

Sanierung und Neustrukturierung eines 1970er-Jahre-Baus

Gefaltetes Betonband

Gefaltetes Betonband

Büro/​Verwaltung

Architekturbüro in Grub am Forst

Ungewöhnlicher Umgang mit Bausubstanz aus den 50er Jahren

Blick auf die modernisierte Doppelfassade des Hauptbaus - im Vordergrund der neue Foyer-Anbau

Blick auf die modernisierte Doppelfassade des Hauptbaus - im Vordergrund der neue Foyer-Anbau

Büro/​Verwaltung

DEW21-Verwaltung in Dortmund

Intelligente Fassadensanierung

Alt und Neu korrespondieren in der Fassadenteilung des Innenhofs.

Alt und Neu korrespondieren in der Fassadenteilung des Innenhofs.

Büro/​Verwaltung

Sanierung Palac und Corso Karlin in Prag/CZ

Komplettsanierung mit Aufstockung

Die neue vorgehängte Fassade und die ansatzweise sichtbare Aufstockung tragen nur unwesentlich zur Veränderung der ursprünglichen Silhouette bei.

Die neue vorgehängte Fassade und die ansatzweise sichtbare Aufstockung tragen nur unwesentlich zur Veränderung der ursprünglichen Silhouette bei.

Büro/​Verwaltung

Sanierung Empress State Building in London/GB

Komplettsanierung mit Aufstockung und Aufdopplung der Südfassade

Die Fassade erstrahlt in neuem Licht. Im Sockelgeschoss wurde eine ehemals über die ganze Hausbreite reichende Ladenfront auf vier langrechteckige Öffnungen reduziert und dem Öffnungsanteil der Bel Etage angepasst.

Die Fassade erstrahlt in neuem Licht. Im Sockelgeschoss wurde eine ehemals über die ganze Hausbreite reichende Ladenfront auf vier langrechteckige Öffnungen reduziert und dem Öffnungsanteil der Bel Etage angepasst.

Büro/​Verwaltung

Umbau einer Sparkasse in Norden

Denkmalgerechte Sanierung mit Freilegung alter Bauteile

Außen blieb fast alles beim Alten, der Fabrikflair sollte erhalten bleiben.

Außen blieb fast alles beim Alten, der Fabrikflair sollte erhalten bleiben.

Büro/​Verwaltung

Industriehalle in Hanau

Umnutzung einer alten Fabrikhalle

Neues doppelschaliges Fassadensystem

Neues doppelschaliges Fassadensystem

Büro/​Verwaltung

Versicherungsgebäude in München

Komplettsanierung mit Ergänzungsbauten

Außenansicht: die neue Nutzung "scheint" durch die Fenster

Außenansicht: die neue Nutzung "scheint" durch die Fenster

Büro/​Verwaltung

Icon Medialab AG in München

Umbau eines Kasernengebäudes in Büroräume

Alte Fassade und neuer Erschließungsturm

Alte Fassade und neuer Erschließungsturm

Büro/​Verwaltung

Shepherds Building in London

Umnutzung mit Anbau eines zusätzlichen Aufzugsturms

Außenansicht

Außenansicht

Büro/​Verwaltung

"Kronen-Carré" in Stuttgart

Revitalisierung eines innerstädtischen Bereichs

Schüco Value Up

Lösungen zur Minimierung des Planungsaufwands für die effiziente Umsetzung komplexer Bestandsprojekte.

Partner-Anzeige