Baumaßnahmen in altbauverträglicher Form
Bei der Sanierung von Bestandsgebäuden sollten Eingriffe möglichst auf die vorhandene Konstruktion und Bausubstanz abgestimmt werden. Besonders bei historisch oder gestalterisch wertvollen Gebäuden gilt es, Veränderungen auf das notwendige Maß zu beschränken. Bestandsgerechtes Bauen bedeutet deshalb vor allem, vorhandene Bauteile zu erhalten, geeignete Materialien und Verfahren einzusetzen und unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Eingriffe minimieren
Grundsätzlich sollte zunächst geprüft werden, welche Bauteile und Konstruktionen erhalten und weitergenutzt werden können. Je geringer die Eingriffstiefe, desto weniger historische Substanz geht verloren. Zugleich lassen sich Materialverbrauch, Abfall und häufig auch Kosten reduzieren. Voraussetzung ist eine ausreichende Kenntnis der vorhandenen Konstruktion und ihres Zustands.
Erhalten und reparieren
Erhaltenswerte Bauteile müssen während der Bauarbeiten vor Beschädigungen geschützt werden. Das betrifft beispielsweise historische Böden, Türen und Fenster, Treppen, Putze, Stuck oder feste Einbauten. Schutzmaßnahmen sollten bereits bei der Baustelleneinrichtung und der Planung der Arbeitsabläufe berücksichtigt werden. Vor einem Austausch ist zu prüfen, ob vorhandene Bauteile repariert oder ertüchtigt werden können. Ihr Erhalt bewahrt die materielle und gestalterische Substanz eines Gebäudes und vermeidet den Einsatz neuer Baustoffe. Ist ein Erhalt am ursprünglichen Ort nicht möglich, können Bauteile gegebenenfalls ausgebaut und an anderer Stelle wiederverwendet werden.
Materialgerecht ergänzen
Neue Materialien müssen mit der vorhandenen Konstruktion verträglich sein. Zu berücksichtigen sind unter anderem Festigkeit, Feuchteverhalten und bauphysikalische Eigenschaften. Insbesondere bei historischem Mauerwerk, Holz, Naturstein, Putzen und Mörteln können ungeeignete Materialien Schäden verursachen. Nicht immer ist deshalb das technisch leistungsfähigste oder modernste Produkt die geeignete Lösung. Bei Reparaturen und Ergänzungen können Materialien mit ähnlichen Eigenschaften wie der Bestand vorteilhaft sein.
Baufeuchte begrenzen
Zusätzliche Feuchtigkeit sollte insbesondere bei empfindlichen Bestandskonstruktionen möglichst gering gehalten werden. Trockene Bauweisen können dabei Vorteile bieten und zugleich Wartezeiten zwischen einzelnen Arbeitsschritten verkürzen. Sie sind jedoch nicht grundsätzlich vorzuziehen. Historische Konstruktionen können beispielsweise mineralische Putze, Mörtel oder andere nass verarbeitete Baustoffe erfordern. Entscheidend ist, dass Bauweise und Materialien auf den jeweiligen Bestand abgestimmt werden.
Substanzschonend arbeiten
Durchbrüche, Schlitze und andere Veränderungen vorhandener Konstruktionen sollten so ausgeführt werden, dass angrenzende Bauteile möglichst wenig beeinträchtigt werden. Je nach Material und Konstruktion können erschütterungsarme Verfahren wie Bohren, Sägen oder Fräsen gegenüber groben Stemmarbeiten von Vorteil sein. Besondere Vorsicht ist bei empfindlichem Mauerwerk, historischen Putzen, Stuck, Fliesen und anderen erhaltenswerten Oberflächen erforderlich. Erschütterungen können hier Schäden verursachen, die weit über den eigentlichen Arbeitsbereich hinausreichen. Bei tragenden Bauteilen müssen Eingriffe zudem mit den statischen Anforderungen vereinbar sein.
Installationen bündeln
Neue Leitungen für Wasser, Abwasser, Heizung, Lüftung, Elektro- und Kommunikationstechnik erfordern im Bestand häufig Eingriffe in Wände und Decken. Werden Installationen frühzeitig koordiniert und räumlich gebündelt, lässt sich die Zahl der erforderlichen Durchbrüche reduzieren. Vorhandene Schächte und stillgelegte Schornsteinzüge können gegebenenfalls für neue Installationen genutzt werden. Voraussetzung ist eine Prüfung ihrer Eignung. Insbesondere bei geschossübergreifenden Leitungsführungen sind unter anderem Brand- und Schallschutz sowie bauphysikalische Anforderungen zu berücksichtigen.
Leitungen eingriffsarm führen
Bereits während der Planung sollte geprüft werden, ob neue Leitungen innerhalb der vorhandenen Konstruktion geführt werden müssen. Installationsschächte, Vorwandkonstruktionen oder sichtbar geführte Leitungen können umfangreiche Schlitz- und Stemmarbeiten vermeiden und dadurch die vorhandene Substanz schonen. Zugleich bleiben solche Installationen häufig besser zugänglich. Wartung, Reparatur und spätere Veränderungen lassen sich dadurch erleichtern.
Reversibel planen
Neue Einbauten und Ergänzungen sollten insbesondere bei erhaltenswerter historischer Substanz möglichst so geplant werden, dass sie später verändert oder entfernt werden können, ohne den Bestand wesentlich zu beschädigen. Reversible Verbindungen und konstruktiv klar vom Bestand getrennte Ergänzungen können dazu beitragen, spätere Nutzungsänderungen zu ermöglichen und historische Bauteile langfristig zu erhalten.
Fachwissen zum Thema
BauNetz Wissen Partner:
Schüco International KG
Karolinenstraße 1-15
33609 Bielefeld
Kontakt +49 521 783-0 | www.schueco.com
