Energetische Sanierung von Bestandsfenstern

Fenster können erhebliche Wärmeverluste verursachen. Insbesondere ältere Verglasungen, undichte Fugen und schlecht gedämmte Rahmen beeinträchtigen die energetische Qualität der Gebäudehülle. Für ihre Sanierung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung – von der Ertüchtigung einzelner Komponenten bis zum vollständigen Austausch.

Galerie

Welche Maßnahme sinnvoll ist, hängt vom Zustand und Aufbau der vorhandenen Fenster, den energetischen Anforderungen sowie den gestalterischen und denkmalpflegerischen Rahmenbedingungen ab. Dabei muss nicht zwangsläufig das gesamte Fenster ausgetauscht werden. Häufig lassen sich vorhandene Bauteile weiterverwenden und durch gezielte Eingriffe ertüchtigen.

Bestandsaufnahme als Grundlage

Vor der Entscheidung für ein Sanierungsverfahren sollten Rahmen, Flügel, Verglasung, Beschläge, Dichtungen und Baukörperanschlüsse untersucht werden. Dabei ist zwischen Wärmeverlusten durch die Bauteile selbst und solchen durch unkontrollierte Luftströmungen zu unterscheiden.

Die Wärmedämmung eines Fensters wird durch den Wärmedurchgangskoeffizienten Uw beschrieben. Er berücksichtigt die Eigenschaften von Rahmen und Verglasung einschließlich des Einflusses des Glasrandverbunds. Undichte Fugen und Anschlüsse verursachen dagegen zusätzliche Lüftungswärmeverluste. Auch die Einbausituation spielt eine Rolle: Ungünstige Anschlüsse an die Außenwand können Wärmebrücken verursachen und das Risiko von Tauwasser und Schimmelbildung erhöhen.

Neben dem Wärmeschutz sind Anforderungen an Schallschutz, Tageslichtversorgung, sommerlichen Wärmeschutz und Lüftung zu berücksichtigen. Bei historischen Gebäuden kommen der Erhalt der vorhandenen Bausubstanz und die Bewahrung des Erscheinungsbilds hinzu.

Reparatur und Ertüchtigung vorhandener Fenster

Nicht immer sind umfangreiche Eingriffe erforderlich. Sind Rahmen und Flügel intakt, können bereits das Nachstellen von Beschlägen, die Erneuerung beschädigter Dichtungen und die Überarbeitung von Anschlussfugen die Gebrauchstauglichkeit und Luftdichtheit verbessern.

Bei älteren Holzfenstern kommen außerdem die Instandsetzung schadhafter Rahmenteile und die Nachrüstung geeigneter Dichtungsprofile infrage. Welche Verbesserung sich damit erzielen lässt, hängt wesentlich vom Ausgangszustand ab. Die Wärmedämmung der vorhandenen Verglasung bleibt durch solche Maßnahmen weitgehend unverändert.

Austausch der Verglasung

Sind die vorhandenen Rahmen gut erhalten und technisch geeignet, kann ein Austausch der Verglasung die Transmissionswärmeverluste deutlich reduzieren. Anstelle einer Einfach- oder älteren Isolierverglasung wird eine moderne Wärmeschutzverglasung eingesetzt.

Voraussetzung ist, dass Glasfalz, Rahmenkonstruktion und Beschläge die neue Verglasung aufnehmen können. Insbesondere Glasdicke und Scheibengewicht sind zu berücksichtigen. Bei historischen Fenstern können dünne Wärmeschutzgläser oder Vakuumisolierglas eine Alternative zu konventionellen Isolierverglasungen darstellen.

Durch den Erhalt der Rahmen lässt sich der Eingriff in die vorhandene Bausubstanz begrenzen. Allerdings muss auch die energetische Qualität des gesamten Fensters berücksichtigt werden: Ein guter Ug-Wert der Verglasung allein gewährleistet noch keinen entsprechend niedrigen Uw-Wert.

Zusätzliche Innenfenster und Kastenfenster

Eine weitere Möglichkeit ist der Einbau einer zusätzlichen Fensterebene auf der Rauminnenseite. Auf diese Weise können bestehende Einfachfenster zu einer kastenfensterartigen Konstruktion ergänzt werden. Besonders bei historischen Fassaden kann das eine Alternative zum Austausch erhaltenswerter Außenfenster sein.

Der zwischen beiden Fensterebenen entstehende Luftraum trägt zur Verbesserung des Wärme- und gegebenenfalls des Schallschutzes bei. Entscheidend sind jedoch die konkrete Konstruktion, die Luftdichtheit der Fensterebenen und der Feuchtehaushalt im Zwischenraum. Um Tauwasserbildung zu vermeiden, müssen die Anschlüsse und die Luftführung sorgfältig geplant werden.

Auch bestehende Kastenfenster lassen sich durch die Ertüchtigung ihrer Flügel, Dichtungen und Verglasungen energetisch verbessern.

Flügeltausch und Sanierungsrahmen

Zwischen der Ertüchtigung einzelner Komponenten und dem vollständigen Fensteraustausch liegen weitere Sanierungsverfahren. Bei bestimmten Fenstersystemen können vorhandene Blendrahmen erhalten und lediglich die Flügel einschließlich Verglasung, Beschlägen und Dichtungen erneuert werden.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, neue Fensterrahmen auf geeigneten vorhandenen Blendrahmen zu montieren. Dadurch können Eingriffe in die angrenzende Bausubstanz und aufwendige Arbeiten an den Fensterlaibungen reduziert werden.

Ob solche Verfahren infrage kommen, hängt von der Konstruktion, dem Zustand und der Kompatibilität der vorhandenen Fenster ab. Zudem müssen die verbleibenden Rahmen und Anschlüsse hinsichtlich Wärmeschutz, Luftdichtheit, Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit beurteilt werden.

Vollständiger Fensteraustausch

Sind Rahmen, Flügel oder Anschlüsse stark beschädigt oder lassen sich die Anforderungen mit einer Teilsanierung nicht erfüllen, kann ein vollständiger Austausch erforderlich sein. Neue Fenster ermöglichen es, Rahmenkonstruktion, Verglasung und Beschläge aufeinander abzustimmen.

Dabei kommt der Einbausituation besondere Bedeutung zu. Die Lage des Fensters innerhalb der Außenwand, die Ausbildung der Anschlussfugen und der Übergang zu vorhandenen oder geplanten Dämmschichten beeinflussen den Wärmeschutz und die Dauerhaftigkeit der Konstruktion.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden oder erhaltenswerten Fassaden sind darüber hinaus die gestalterischen Anforderungen zu beachten. Neue Fenster können historische Teilungen und Profilierungen aufnehmen, ersetzen jedoch nicht zwangsläufig die konstruktiven und materiellen Eigenschaften der Originalfenster.

Energetische Anforderungen und Lüftung

Bei der Erneuerung von Fenstern sind die geltenden energetischen Anforderungen an Bestandsgebäude zu beachten. Welche Grenzwerte einzuhalten sind, hängt unter anderem von der Art und dem Umfang der Maßnahme ab. Für Baudenkmäler und sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz bestehen unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmeregelungen.

Die energetische Verbesserung von Fenstern sollte stets im Zusammenhang mit der gesamten Gebäudehülle betrachtet werden. Werden Fenster luftdichter, verringert sich der bisherige unkontrollierte Luftaustausch. Deshalb ist zu prüfen, wie die erforderliche Lüftung künftig sichergestellt wird. Bei Wohngebäuden kann hierfür ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 erforderlich sein. Auch die Wechselwirkungen mit einer vorhandenen oder geplanten Fassadendämmung sind zu berücksichtigen.

Neben den erreichbaren Energieeinsparungen spielen die Eingriffstiefe, die Nutzungsdauer der vorhandenen Bauteile und der Ressourcenaufwand eine Rolle. Der vollständige Austausch ist daher nicht grundsätzlich die beste Lösung. Häufig ermöglicht eine gezielte Ertüchtigung, den Wärmeschutz zu verbessern und zugleich einen möglichst großen Teil der vorhandenen Konstruktion weiterzuverwenden.

Fachwissen zum Thema

Bei der Werkhalle 3 am Triebwerk Neuaubing in München kamen Fenstersysteme zum Einsatz, die das ursprüngliche Erscheinungsbild des Bestands wahren.

Bei der Werkhalle 3 am Triebwerk Neuaubing in München kamen Fenstersysteme zum Einsatz, die das ursprüngliche Erscheinungsbild des Bestands wahren.

Fassade: Öffnungen

Energetische Sanierung im Kastenfensterprinzip

Um das ursprüngliche Erscheinungsbild zu wahren und den Bestand energetisch zu sanieren, bieten innenliegende Zusatzfenster einen Lösungsansatz.

Gute Konditionen für einen Austausch der Verglasung finden sich häufig bei Gebäuden der Baualtersstufe 1950er-Jahre und 1960er-Jahre.

Gute Konditionen für einen Austausch der Verglasung finden sich häufig bei Gebäuden der Baualtersstufe 1950er-Jahre und 1960er-Jahre.

Fassade: Öffnungen

Glastausch bei bestehenden Fensterrahmen

Sind die Rahmen gut erhalten, genügt oft die Erneuerung der Verglasung.

Neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung

Fassade: Öffnungen

Neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung

Sind die Rahmen der vorhandenen Fenster schadhaft oder stark verwittert, bietet sich der Einbau neuer Fenster mit...

Bauen im Bestand

Baualtersstufen

Kontakt Redaktion BauNetz Wissen: wissen@baunetz.de

BauNetz Wissen Partner:
Schüco International KG 
Karolinenstraße 1-15
33609 Bielefeld
Kontakt +49 521 783-0 | www.schueco.com
Zum Seitenanfang

Energetische Sanierung im Kastenfensterprinzip

Bei der Werkhalle 3 am Triebwerk Neuaubing in München kamen Fenstersysteme zum Einsatz, die das ursprüngliche Erscheinungsbild des Bestands wahren.

Bei der Werkhalle 3 am Triebwerk Neuaubing in München kamen Fenstersysteme zum Einsatz, die das ursprüngliche Erscheinungsbild des Bestands wahren.

Um das ursprüngliche Erscheinungsbild zu wahren und den Bestand energetisch zu sanieren, bieten innenliegende Zusatzfenster einen Lösungsansatz.

Energetische Sanierung von Bestandsfenstern

Energetische Sanierung von Bestandsfenstern

Vom Dichtungstausch bis zum neuen Fenster: Welche Verfahren den Wärmeschutz verbessern und wann sich der Erhalt bestehender Bauteile lohnt.

Fenster im Gebäudebestand: Anforderungen und Schwachstellen

Fenster zählen zu den wichtigsten Bauelementen bei einer Sanierung.

Fenster zählen zu den wichtigsten Bauelementen bei einer Sanierung.

Wärmeverluste, undichte Fugen und kritische Anschlüsse: Welche Anforderungen Fenster im Bestand erfüllen müssen und wo typische Schwachstellen liegen.

Glastausch bei bestehenden Fensterrahmen

Gute Konditionen für einen Austausch der Verglasung finden sich häufig bei Gebäuden der Baualtersstufe 1950er-Jahre und 1960er-Jahre.

Gute Konditionen für einen Austausch der Verglasung finden sich häufig bei Gebäuden der Baualtersstufe 1950er-Jahre und 1960er-Jahre.

Sind die Rahmen gut erhalten, genügt oft die Erneuerung der Verglasung.

Nachträgliche Wärmedämmung von Balkonplatten

Insbesondere die Baualtersstufe der 50er Jahre zeichnet sich durch auskragende Balkonplatten aus. Kaum ein Einfamilienhaus oder...

Neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung

Neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung

Sind die Rahmen der vorhandenen Fenster schadhaft oder stark verwittert, bietet sich der Einbau neuer Fenster mit...

Wärmebrücken durch auskragende Balkonplatten

Ungedämmte Balkonplatte

Ungedämmte Balkonplatte

Die nachträgliche Dämmung von Außenwänden ist wesentlicher Bestandteil der meisten Altbaumodernisierungen. Weist ein Gebäude...

Schüco Value Up

Lösungen zur Minimierung des Planungsaufwands für die effiziente Umsetzung komplexer Bestandsprojekte.

Partner-Anzeige