Baualtersstufe: Bauten der 1960er-Jahre
Die Gebäude der 1960er-Jahre markieren den Übergang vom traditionellen Massivbau zum industriellen Bauen. Neue Materialien, serielle Fertigung sowie innovative Tragwerks- und Fassadenkonstruktionen prägen diese Baualtersstufe. Die größte Wohnungsnot und der Materialmangel infolge des Zweiten Weltkriegs waren überwunden, und die Architektur wurde heterogener, innovativer und experimentierfreudiger als in der vorhergehenden Baualtersstufe. Stahlbeton, Aluminium, großformatige Verglasungen und industriell gefertigte Bauteile eröffneten neue gestalterische Möglichkeiten. Zugleich prägten der internationale Modernismus und insbesondere die amerikanische Nachkriegsarchitektur viele Entwürfe. Großzügigkeit, Offenheit und technische Innovation galten als Ausdruck eines modernen Lebensstils.
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Die Wohnungsgrundrisse sind Ergebnis einer funktional ausgerichteten Architektur. Häufig findet sich eine klare Trennung zwischen Wohn- und Schlafbereich. Im Vergleich zu den vorhergehenden Bauperioden wurden Wohnungen insgesamt großzügiger geschnitten und stärker auf die Bedürfnisse der modernen Kleinfamilie ausgerichtet.
Charakteristisch sind großformatige Fensterflächen, die jedoch meist noch nicht über Wärmeschutzverglasungen verfügen. Neben klassischen Mauerwerksbauten entstehen zunehmend Gebäude in Stahlbeton-Skelettbauweise sowie mit Betonfertigteilen. Vor allem im Verwaltungs-, Büro- und Schulbau kommen nun Vorhangfassaden, Rasterfassaden und andere nichttragende Fassadenkonstruktionen zum Einsatz. Diese Bauweise ermöglicht erstmals nahezu vollständig verglaste Gebäudehüllen und prägt das Erscheinungsbild vieler Gebäude der Nachkriegsmoderne.
Im Wohnungsbau dominieren dagegen weiterhin verputzte Mauerwerksfassaden sowie Betonfertigteile. Flachdächer mit markanter Attika werden zum charakteristischen Merkmal vieler öffentlicher Gebäude und Bürohäuser, finden sich aber zunehmend auch im Wohnungsbau. Die Zentralheizung setzt sich nahezu flächendeckend durch. Anforderungen an den Wärmeschutz spielten dagegen noch eine untergeordnete Rolle. Erst mit der Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre rückte der Energieverbrauch von Gebäuden stärker in den Fokus.
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Was muss besonders beachtet werden?
- Sanierungsschwerpunkte dieser Gebäude sind die Verbesserung des Wärmeschutzes, im Allgemeinen verbunden mit einer Sanierung der Fassaden und Dachabdichtungen sowie der Erneuerung der gesamten Haustechnik.
- Die Sanierung von Außenwänden aus Stahlbeton oder Betonsandwichelementen sollte bauphysikalisch sorgfältig geplant werden. Insbesondere an schlanken Bauteilen wie Stützen, Brüstungen, Fensterleibungen oder Balkonplatten treten häufig Wärmebrücken auf, wodurch die Gefahr von Tauwasser- und Feuchteschäden steigt.
- Flachdächer dieser Baualtersstufe verfügen teilweise bereits über eine Wärmedämmung. Häufig kamen Materialien wie bituminierter Kork, Schaumglas oder frühe Hartschaumdämmstoffe zum Einsatz. Vor einer Sanierung sollten Dachaufbau und mögliche Schadstoffbelastungen sorgfältig untersucht werden.
- Gebäude mit Vorhang- oder Rasterfassaden stellen besondere Anforderungen an die Sanierung. Verglasungen, Dichtungen und Anschlüsse entsprechen häufig nicht mehr den heutigen Anforderungen an Wärme-, Schall- und Feuchteschutz. Gleichzeitig besitzen viele dieser Fassaden aufgrund ihrer architekturgeschichtlichen Bedeutung einen hohen Erhaltungswert. Eine Sanierung sollte deshalb möglichst unter Erhalt der charakteristischen Fassadengliederung erfolgen.
- Viele Gebäude dieser Baualtersstufe weisen heute Schäden an Sichtbetonflächen auf. Ursachen sind insbesondere die Carbonatisierung des Betons mit anschließender Korrosion der Bewehrung sowie Frost- und Feuchteschäden.
- Bei Gebäuden der 1960er-Jahre ist zudem verstärkt mit Schadstoffen zu rechnen. Je nach Baujahr und Gebäudetyp können Asbest, PCB, PAK oder künstliche Mineralfasern verbaut worden sein. Eine Schadstofferkundung sollte daher Bestandteil jeder umfassenden Bestandsanalyse sein.
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Typische Merkmale
- Außenwände aus Mauerwerk, Stahlbeton oder Betonfertigteilen
- Zunehmend Skelettbauweise mit nichttragenden Fassaden
- Erste Vorhang- und Rasterfassaden, insbesondere im Verwaltungs- und Bürobau
- Teilweise Aluminiumfassaden und Beton-Sandwichelemente
- Schlanke Außenwandquerschnitte
- Kaum konstruktiver Wärmeschutz
- Funktionale, sachliche Gestaltung mit klaren geometrischen Formen
- Stahlbeton- oder Spannbetondecken, meist mit schwimmendem Estrich
- Massivtreppen aus Stahlbeton
- Großzügige Wohnungen
- Moderne, funktionale Grundrisse
- Große Fensteröffnungen
- Fenster überwiegend aus Holz, vereinzelt bereits Aluminiumprofile
- Einfachverglasung, gegen Ende der Bauperiode teilweise erste Isolierverglasungen
- Balkone und Loggien aus Stahlbeton ohne thermische Trennung
- Flachdächer oder flach geneigte Dächer mit bituminösen Abdichtungen
- Erste abgehängte Decken und Installationshohlräume im Verwaltungs- und Bürobau
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Typische Schadensbilder und Mängel
Außenwände
- Geringe Wärmedämmung
- Durchfeuchtung im Sockelbereich bei fehlender oder schadhafter Abdichtung
- Risse im Mauerwerk oder Beton
- Wärmebrücken an Stützen, Balkonplatten und Fensteranschlüssen
- Carbonatisierung des Betons mit Korrosion der Bewehrung
- Schäden an Sichtbeton- und Betonfertigteilen
- Undichte Fugen zwischen Fassadenelementen
- Alterung von Dichtstoffen
- Abplatzungen und Frostschäden
- Vorhang- und Rasterfassaden
- Ungenügender Wärme- und Schallschutz
- Blind gewordene Isolierverglasungen der ersten Generation
- Undichte Anschlüsse und Fugen
- Korrosion von Aluminium- und Stahlbauteilen
- Fäulnis- und Witterungsschäden an Holzrahmen
- Undichte Anschlüsse
- Ungenügender Schall- und Wärmeschutz
- Schäden an Dachabdichtungen
- Alterung bituminöser Abdichtungen
- Unzureichende Wärmedämmung
- Feuchtigkeitsschäden infolge undichter Anschlüsse
- Risse in Stahlbetondecken
- Schallbrücken
- Korrosionsschäden an Bewehrung oder Stahlträgern
- Korrosion der Bewehrung
- Betonabplatzungen
- Fehlende thermische Trennung mit ausgeprägten Wärmebrücken
- Veraltete Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallationen
- Unterdimensionierte Elektroanlagen
- Hoher Energieverbrauch
- Schadstoffbelastungen (z. B. Asbest, PCB oder PAK)
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Modernisierungsschwerpunkte
- Verbesserung des Wärmeschutzes von Fassade, Dach und Kellerdecke entsprechend den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)
- Bauphysikalisch sorgfältige Sanierung von Stahlbeton- und Betonfertigteilfassaden
- Instandsetzung von Sichtbetonflächen und Betoninstandsetzung bei Bewehrungskorrosion
- Erhalt und energetische Ertüchtigung von Vorhang- und Rasterfassaden
- Erneuerung von Dachabdichtungen und Wärmedämmung
- Sanierung von Balkonen und Loggien einschließlich thermischer Trennung
- Erneuerung der Fenster unter Berücksichtigung des ursprünglichen Fassadenbildes
- Vollständige Erneuerung der Heizungs-, Sanitär- und Elektroinstallation
- Schadstofferkundung und fachgerechte Sanierung belasteter Baustoffe
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