Sport- und Kulturzentrum in Romont

Flachdach mit Lichtbändern, Photovoltaik und Begrünung

Das neue Sport- und Kulturzentrum der Schweizer Gemeinde Romont entstand als Ergebnis eines Wettbewerbs, der 2015 entschieden wurde. Den Siegerentwurf hatte das Zürcher Büro GNWA – Gonzalo Neri & Weck Architekten gemeinsam mit Victor Figueras Corboud eingereicht, die weitere Planung bis zur Fertigstellung im Herbst 2020 lag in der Verantwortung von GNWA.

Ansicht Nord
Einbindung in die Umgebung
Zugang zur Schwimmhalle

Der strenge Quader mit quadratischem Grundriss ersetzt ein bestehendes Lehrschwimmbad der benachbarten Schule und erweitert das Angebot um ein 25-Meter-Becken, ein Sprung- und ein Planschbecken. Er beherbergt zusätzlich einen Sportbereich mit Fitness- und Gymnastikräumen, einen Wellnessbereich sowie Übungs- und Konzerträume für das örtliche Konservatorium.

Klare Kubatur, eingebettet ins Gelände

Mit seiner klaren Kubatur, einer gerasterten Fassade und langen Fensterbändern orientiert sich das Sport- und Kulturzentrum an der baulichen Umgebung. An der Erschließungsachse Romonts stehen überwiegend mehrgeschossige Flachbauten in schlichten Geometrien. Das abfallende Gelände des Baugrundstücks ließ sich durch die kompakte Form effizient nutzen. Hanglage und Positionierung der Räume sorgen für eine ausgezeichnete Belichtung der Schwimmbecken und gute Aussicht ins Umland. Die Topografie wird genutzt, um Schwimmbereiche und Umkleiden vor ungewollten Einblicken zu schützen. Öffentliche Nutzungen wie Caféteria, Theorieraum und Foyer sind straßenseitig angeordnet.

Das Gebäude ist dreischichtig konzipiert: Im Sockel befinden sich die Schwimmbecken samt dazugehöriger Technik, auf Straßenniveau sind die öffentlichen Nutzungen mit dem Eingangsbereich der Halle vorgelagert, im Obergeschoss der Sportbereich und die Räume des Konservatoriums angeordnet. Der Grundriss ist wie das Äußere geradlinig: Die verschieden großen, rechteckigen Becken verteilen sich um einen umbauten Kern. Die großen Becken an der Süd- und Nordseite nehmen die gesamte Gebäudehöhe ein und erhalten Zenitlicht durch Lichtbänder zwischen trichterförmig bekleideten Trägern.

Sichtbeton und Holz, Glas und Wasserblau

Die Halle ist aus Stahlbeton errichtet, für die Zwischendecken und das Dach kamen neben Stahlbetondecken auch Holz-Beton-Verbunddecken (als Flach- oder Rippendecke) zum Einsatz. Bekleidet sind die Unterzüge und Decken oberhalb der Becken mit schallabsorbierenden perforierten Holzplatten. Die Wände sind in Sichtbeton belassen. Holz, Glas und Beton sind prägende Materialien, die Farbgebung zurückhaltend. Durch die Fülle an Tageslicht kommt das Wasserblau der Schwimmbecken umso mehr zur Geltung.

Die Lüftungskanäle sind in die Tragstruktur integriert, um Kondensatbildung im Bereich der Oberlichter zu verhindern. Sämtliche Beleuchtungselemente wurden mit LED energiesparend ausgeführt. Insgesamt ließ sich das Kunstlicht durch die eingesetzten Lichtbänder merklich reduzieren.

Flachdach: Photovoltaik und Dachbegrünung
Auf dem Dach wird im Verbund mit der benachbarten Schule eine Photovoltaikanlage genutzt. Die Dachflächen sind größtenteils begrünt und dienen der Retention von Niederschlag. Überschüssiges Regenwasser wird im Untergeschoss gesammelt und zur Bewässerung der Außenanlagen genutzt. Der Vorteil extensiv begrünter Dächer liegt darin, dass sie sich ohne großen Pflegeaufwand selbst erhalten können und die Bepflanzung autark bleibt. Eine zusätzliche Bewässerung ist nicht notwendig.

Im Allgemeinen verbessern Gründächer das Raumklima im Gebäude. Im Sommer geben die Pflanzen gespeichertes Wasser an die Umgebung ab, was im Innern für Kühlung sorgt, das Dach wirkt somit ähnlich einer Klimaanlage. Im Winter verbessert die Bepflanzung die Wärmedämmung und kann Energiekosten einsparen. Schadstoffe aus der Luft werden durch die Luftfeuchtigkeit gebunden und der CO2-Anteil in der Luft minimiert.

Der Dachaufbau des extensiven Gründachs ist wie folgt: Oberhalb der 250 mm dicken Betondecke ist eine Dachabdichtung aus Bitumen aufgebracht. Darauf folgt eine Elastomerbitumenbahn als Dampfsperre. Die Wärmedämmung aus Polyurethan-Hartschaum ist 200 mm dick, zuzüglich der Gefälleplatten für die Entwässerung. Die wurzelfeste Abdichtung darüber ist zweilagig und wurde bis zur Attika hochgeführt. Die Abdeckung der Attika aus Zinkblech schließt mit der metallischen Fassadenverkleidung ab. Als Dränageschicht wurde eine Dränmatte verbaut, deren Druckbelastbarkeit speziell für Grünflächen ausgelegt ist. Darauf lagern Schutzvlies und Vegetationstragschicht mit extensivem Pflanzsubstrat. Es kommen regionale Pflanzen zum Einsatz, die an die klimatischen Verhältnisse optimal angepasst sind.

Bautafel

Architektur: GNWA – Gonzalo Neri & Weck Architekten, Zürich
Projektbeteiligte: Victor Figueras Corboud (Partnerarchitekt im Wettbewerb); Tekhne, Lausanne (Baumanagement); Muttoni et Fernández, ingénieurs conseils (Tragwerksplanung); Tecnoservice engineering, Fribourg (Technische Gebäudeausrüstung Heizung/Lüftung/Klima); Duchein, Villars-sur-Glâne (Technische Gebäudeausrüstung Sanitär); srg engineering / scherler, Genf (Elektroplanung); D’Silence acoustique (Gebäudeakustik); Geneux Dancet, Satigny (Gründach); Bauder, Stuttgart (Elastomerbitumenbahn, Dränage)
Bauherr/in: Association des communes pour le cycle d’orientation de la Glâne, Romont
Fertigstellung: 2020
Standort: Route d’Aruffens 31, 1680 Romont, Schweiz
Bildnachweis: Rasmus Norlander

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