Holzwerkstatt Bürgerzentrum Alte Feuerwache Köln
Holzbau mit Glasbausteinen und Gründach
Als Treffpunkt für Anwohner*innen und Menschen aus anderen Stadtvierteln, aber auch Gäste der rheinischen Metropole ist das Bürgerzentrum Alte Feuerwache Köln ein Ort für kulturelle, soziale und politische Aktivitäten. Das in weiten Teilen denkmalgeschützte Gebäudeensemble fasst einen mit Bäumen bepflanzten Hof im Agnesviertel nördlich des Stadtkerns. Bachmann Badie Architekten fügten dem gewachsenen, nicht ganz geschlossenen Baublock einen Baustein hinzu: Eine Holzwerkstatt, deren dekorative rote Fassade die Blicke auf sich zieht. Sie entstand im Rahmen einer partizipativen Sanierung des Innenhofs und ergänzt vorhandene Werkräume.
Kultur, Café, Werkstatt
Ob Tanz, Theater oder Konzert: Das kulturelle Angebot des Bürgerzentrums Alte Feuerwache ist groß. Hier gibt es ein Jugendcafé, Eltern-Kind-Treffs und Räume, die Vereinen und anderen Gruppen zur vielfältigen Nutzung offenstehen. Zum Konzept gehört ein Tauschschrank im Hof, regelmäßig finden Flohmärkte statt. In der neuen Holzwerkstatt können die Bürger*innen Möbel und Objekte nach eigenen Vorstellungen bauen oder reparieren.
Neubau anstelle eines Lagers
Holz als Baumaterial prägt das Gebäude innen wie außen. Neben dem Werkraum gibt es einen Maschinenraum und ein großes Lager. Der Neubau übernimmt den Standort eines früheren, baufällig gewordenen Lagers und orientiert sich an dessen Kubatur. Die Werkstatt überragt die Nebenfunktionen und rückt damit optisch vom Bestand ab.
Glasbausteine und geometrisches Dekor
In der vertikal gegliederten Fassade nehmen hochdämmende Glasbausteine eine wichtige Funktion ein: Zwischen rot gestrichenen Holzstützen erstrecken sie sich vom Boden bis auf Türhöhe und bilden ein wiederkehrendes Gestaltungsmotiv. So gelangt viel Tageslicht in die Werkstatt, ohne dass die dort Tätigen sich ausgestellt fühlen – und in der Dämmerung leuchtet das Kunstlicht aus dem Innenraum.
Eine Holzbekleidung mit Dreiecksmuster als Relief bedeckt den oberen Teil der Fassade. Spitzwinklig überragen die Elemente die Glasbausteine, ähnlich einem Vorhang oder einer Bordüre. Die zweiflügelige rote Eingangstür ist beidseitig hervorgehoben durch bodentiefe Fenster.
Verschiedene Entstehungszeiten ablesbar
Die Kleinteiligkeit und die geometrischen Muster der Fassade sind inspiriert vom Bestand, seien es historische Backsteinfassaden aus den 1890er-Jahren oder Ergänzungen aus den 1980er-Jahren. Sie lassen sich vielfach deuten und sprechen ein diverses Publikum an.
Die Holzkonstruktion erforderte ein hohes Maß an Präzision: Die Glasbausteine füllen die Gefache zwischen den Stützen. Die Holzbauteile im Inneren sind sichtbar gestoßen und verschraubt, ihre Oberflächen lasiert. Einfache Schraub- und Steckverbindungen ermöglichen eine Wiederverwendung der Bauteile. Der Ausbau ist auf das Notwendige reduziert.
Flachdach: Aufbau und Entwässerung
Sowohl das quadratische Dach der höheren Werkstatt als auch die Überdachung der Nebenfunktionen an zwei Seiten sind extensiv begrünt. Der Dachablauf des oberen Daches befindet sich seitlich an der Attika, an die das untere Dach anschließt: Es handelt sich um eine Kaskadenentwässerung. Beide Dächer sind mit Notüberläufen ausgestattet. Die extensive Begrünung (36 m² auf dem oberen, 56 m² auf dem unteren Dach) ist umlaufend eingefasst durch einen bekiesten Randstreifen. Um eine Begehung zu Pflege- und Wartungszwecken abzusichern, gibt es auf dem unteren Dach zwei und auf dem oberen Dach drei Anschlagpunkte für eine Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA).
In der Werkstatt bleibt das Holztragwerk mit Haupt- und Nebenträgern etwa zur Hälfte einsehbar, die im oberen Bereich geführte Installationsebene ist raumseitig mit Akustikpaneelen bekleidet. Darüber befindet sich eine Unterkonstruktion für die Holzschalung, eine Dampfsperre (sd ‹ 1.500 m) und die 160 mm starke, druckfeste Holzfaserdämmung. Die zweilagige Dachabdichtung gemäß DIN 18531 ist eine wurzelfeste Elastomerbitumenschweißbahn. Der extensive Gründachaufbau besteht aus Faserschutzmatte, 50 mm Drän- und Speicherschicht, Filtervlies, 100 mm Substrat und Begrünung. -us
Bautafel
Architektur: Bachmann Badie Architekten, Köln
Projektbeteiligte: Gebäudewirtschaft der Stadt Köln (Projektsteuerung); Spitz Ingenieurgesellschaft für Tragwerkplanung, Euskirchen (Tragwerksplanung); ISRW-Klapdor (Bauphysik); SV.Zahn Sachverständigenbüro für Brandschutz GbR (Brandschutz); Doelle Ingenieurbüro für Gebäudetechnik (Technische Gebäudeausrüstung); Neuko, Monheim am Rhein (Holzbau); Schreinerei Züll, Mechernich (Fassadenelemente); Fuchs Design, Kerken (Glasbausteine); Römers Bedachungen, Köln (Dachdeckung); Bauder, Stuttgart (Hersteller Abdichtungsbahn)
Bauherr: Stadt Köln – Amt für Soziales, Arbeit und Senioren
Fertigstellung: 2024
Standort: Melchiorstraße 3, 50670 Köln
Bildnachweis: Annika Feuss
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