Bildungscampus Luise Büchner in Darmstadt

Grundschule und Kindertagesstätte auf ehemaligem Militärgelände

Man nehme eine verwaiste Militärliegenschaft der US-Armee, teile sie in acht Baufelder und gestalte sie zu einem verkehrsberuhigten Wohnquartier für bis zu 5000 Menschen um. Das Ergebnis: Die Lincoln-Siedlung in Darmstadt. Auf dem etwa 24 Hektar großen Areal zwischen der vierspurigen Bundesstraße 3 und der Heidelberger Straße werden seit 2014 umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt. Sieben Jahre später wurde hier der Bildungscampus Luise Büchner fertiggestellt, benannt nach einer Frauenrechtlerin und Schriftstellerin, die in Darmstadt lebte und wirkte. Den zweigeschossigen Neubau, der eine Grundschule und eine Kindertagesstätte vereint, entwarf das ortsansässige Büro Waechter + Waechter Architekten.

Der Haupteingang der Schule befindet sich an der Nordseite des zweigeschossigen Neubaus.
Zur Westseite hin öffnet sich das Gebäude mit einer Terrasse in Richtung Quartierspark.
Der Haupteingang und die Gruppenräume der Kindertagesstätte sind entlang der Südfassade angeordnet und zum Freiraum und Spielplatz hin ausgerichtet.

Städtebauliche Einbindung

Der rechteckige, etwa 100 Meter lange und 60 Meter breite Baukörper ist an der Heidelberger Straße positioniert und erstreckt sich mit seinen großzügigen Vorplätzen im Norden und Süden parallel zu den benachbarten Wohnbauten. Einschnitte und Innenhöfe in verschiedenen Größen sowie brückenartige Verbindungen unterteilen das große Gebäudevolumen und schaffen ein ausgewogenes Zusammenspiel von Innen- und Außenräumen. Der Haupteingang der Kindertagesstätte liegt an der Südseite, wo die Einsteinstraße ins Wohngebiet führt. Der Eingang zur Schule befindet sich hingegen an der Nordseite. An der Westseite öffnet sich das Gebäude mit einer Terrasse in Richtung Quartierspark. Die Gestaltung der Freiflächen beschränkt sich auf schattenspendende Bäume, Sitzinseln und ein paar Spielgeräte.

Offene Lernlandschaften

Die räumliche Struktur der Grundschule gliedert sich in eine zentrale, in Nord-Süd-Richtung verlaufende „Schulstraße“ sowie Raum-Cluster, die jeweils um einen Lichthof organisiert sind. Im Erdgeschoss befinden sich westlich der Schulstraße Cluster für Foyer und Mensa, für die Verwaltung und für die Lehrkräfte. Auf der östlichen Seite ist eine Zweifeldturnhalle mit angrenzendem Umkleidebereich angeordnet. Zwei breite, einläufige Freitreppen und ein Aufzug am Haupteingang führen in die Klassenebene im Obergeschoss.

Dort sind vier Lern-Cluster untergebracht, drei auf der West- und eines auf der Ostseite des Gebäudes. Jedes dieser Cluster setzt sich aus vier Klassenräumen zusammen, die sich einen zentralen Lichthof und einige Nebenräume teilen. Zwischen den Klassenräumen wurde Platz gelassen für eine offene Lernlandschaft, die zum Austausch unter den Schüler*innen einlädt. Dank der verglasten Innenwände, sind die Unterrichtsräume beidseitig natürlich belichtet. Jedes Cluster verfügt zudem über eine windgeschützte Terrasse für Unterricht und Betreuung im Freien und ist über ein eigenes Treppenhaus unmittelbar an den Schulhof angebunden.

Kindertagesstätte

Die Gruppenräume der Kindertagesstätte sind L-förmig entlang der Südfassade angeordnet, direkt am zugehörigen Freiraum und Spielplatz. Angrenzend an die beiden großen Innenhöfe befinden sich das Bistro und der Mehrzweckraum, die sich beide zum Außenraum hin erweitern lassen. Die Personalräume sind direkt am Haupteingang und der Ostseite untergebracht. Überdeckte Wege bringen die Kinder wettergeschützt zur Schulstraße, von wo sie die gemeinsam genutzte Mensa und Sporthalle erreichen.

Material und Konstruktion

Trotz der Dimensionen des Gebäudes schaffen die Vor- und Rücksprünge, Terrassen und Innenhöfe ein vielseitiges Raumgefüge, das der Maßstäblichkeit der Kinder gerecht wird. Die Abwechslung zwischen rotbräunlichem Sichtmauerwerk und vollverglasten Bauteilen schafft eine angenehme Atmosphäre sowohl im Innen- wie Außenbereich. Das zweigeschossige Skeletttragwerk mit aussteifenden Kernen und wirtschaftlichen Spannweiten wurde in großen Teilen vorfabriziert – für einen schnellen und kostengünstigen Bauablauf.

Beschläge aus Edelstahl

Um den hohen Raumstandards von Schule und Kindertagesstätte bis ins kleinste Detail gerecht zu werden, wählten die Planenden Edelstahl für Griffe, Drücker und Bänder an Fenstern und Türen. Der Werkstoff aus Chrom-Nickel-Stahl zeichnet sich durch eine hohe Robustheit und Beständigkeit gegen mechanische Einwirkungen, Kratzer und Abrieb aus. Entsprechend eignet er sich besonders für stark frequentierte Räume. -sms

Bautafel

Architektur: Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt
Projektbeteiligte: foundation 5+ landschaftsarchitekten, Kassel (Landschaftsarchitektur); Müller-BBM, Planegg (Bauphysik); merz kley partner, Dornbirn (Tragswerksplanung);  ITG Braun Ingenieurbüro für technische Gebäudeausrüstung, Saarbrücken (TGA-Planung); Ingenieurbüro Tichelmann & Barillas, Darmstadt (Brandschutz); Eco-Schulte, Menden (Hersteller Türgriffe Holzinnentüren, D-410)
Bauherr*in: Wissenschaftsstadt Darmstadt vertreten durch Immobilienmanagement Darmstadt
Fertigstellung: 2021
Standort:
Einsteinstraße 1-3, 64283, Darmstadt
Bildnachweis: Brigida González, Stuttgart (Fotos); Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt (Pläne)


BauNetz Architekt*innen

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