Abwasserarten und Entwässerungssysteme

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) unterteilt Abwasser in Schmutzwasser und Regenwasser. Abwasserleitungen führen dieses Schmutz- und Regenwasser (getrennt oder gemeinsam) aus Gebäuden und von Grundstücken ab. Von Mischwasser spricht man, wenn beide Abwasserarten gemeinsam abgeleitet werden.

Bei der öffentlichen Kanalisation werden das Trenn- und das Mischsystem unterschieden. Im Bild: Klärwerk Ruhleben in Berlin.

Abwasserarten: Schmutzwasser und Regenwasser

Bei Schmutzwasser kann zwischen fäkalienhaltigem Abwasser – häufig als Schwarzwasser bezeichnet – und fäkalienfreiem, geringer belastetem Abwasser aus Duschen, Badewannen usw. – Grauwasser – unterschieden werden. Das stark bakteriologisch verunreinigte Schwarzwasser muss auf unterschiedliche Art (mechanisch, chemisch, biologisch) aufbereitet werden, bevor es dem Wasserkreislauf wieder zugeführt werden kann. Der Schmutzwasseranteil ist stark von der Region und dem Wohlstand abhängig. So lag der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch von Haushalten und Kleingewerben 2022 bei rund 126 Litern pro Person und Tag. Die tatsächlich in die Kanalisation eingeleitete Schmutzwassermenge liegt in einer ähnlichen Größenordnung (Quelle: Umwelt Bundesamt).

Regenwasser – auch Niederschlagswasser genannt – fällt insbesondere auf Dachflächen, Terrassen, Hofflächen, Zufahrten, Straßen und anderen befestigten Flächen an. Der Anteil variiert ebenfalls regional, ebenso wie dessen Qualität bzw. der Grad der Verunreinigung. Idealerweise wird Regenwasser ortsnah über Freiflächen oder Rigolen versickert oder als WC-Spülwasser bzw. zur Gartenbewässerung verwendet.

Arten der Beseitigung und Entwässerungssysteme: Trenn- und Mischsystem

Die Ableitung des Abwassers erfolgt innerhalb des Gebäudes über verschiedene Leitungen bis zur Grundleitung, die über den Anschlusskanal in die öffentliche Kanalisation geführt wird. Ob ein Grundstück an die öffentliche Kanalisation angeschlossen und diese benutzt werden muss, bestimmen das jeweilige Landesrecht und die kommunale Entwässerungssatzung. Bei der öffentlichen Kanalisation werden das Trenn- und das Mischsystem unterschieden: Wird das Schmutz- und Regenwasser in getrennten Leitungssystemen abgeführt, handelt es sich um ein Trennsystem. In den Anschluss-, Fall- und Sammelleitungen für Schmutzwasser darf kein Regenwasser eingeleitet werden. Die Schmutzwasserleitungen können aus diesem Grund für einen kleinen, berechenbaren Abwasseranfall dimensioniert werden. Das Regenwasser, dessen Menge viel stärkeren Schwankungen unterliegt, kann somit direkt in den Entwässerungskanal, zur Regenwassernutzung in die Zisterne oder direkt in die Versickerungsanlage geleitet werden.

In einem Mischsystem wird das Schmutz- und Regenwasser in einem gemeinsamen Kanal abgeleitet. Die Kanalisation und die Kläranlage werden jedoch nicht für jede theoretisch mögliche Niederschlagsmenge dimensioniert. Bei stärkeren Regenereignissen dienen Rückhalte- und Entlastungsanlagen, beispielsweise Regenüberlaufbecken, dazu, Abflussspitzen zwischenzuspeichern oder das Kanalnetz kontrolliert zu entlasten. Beim Mischsystem dürfen Regen- und Schmutzwasser jedoch nur in Grundleitungen oder in Sammelleitungen, bei Letzteren jedoch möglichst nahe am Anschlusskanal, zusammengeführt werden. Ein wichtiger Bestandteil der Grundstücksentwässerung ist der Schutz gegen Rückstau aus der öffentlichen Kanalisation.

Die DIN EN 12056 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden gilt nur für Entwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden. Die in Deutschland maßgebende Norm DIN 1986-100 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke gilt für die Gebäude- und Grundstücksentwässerung, d. h. bis zur Grundstücksgrenze. Der Anwendungsbereich der DIN EN 752 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden erstreckt sich auf die Grundstücksentwässerung und die öffentliche Kanalisation bis zum Klärwerk. Neben den technischen Normen sind stets das Wasserhaushaltsgesetz, das jeweilige Landeswassergesetz, kommunale Entwässerungs- und Abwassersatzungen sowie gegebenenfalls wasserrechtliche Genehmigungen zu beachten.

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