Umbau: CASA Jugendzentrum Stellwerkhäuschen in Wiesbaden

Aktionsfläche mit Steinwolledämmung

Als der Güterbahnhof Wiesbaden West Ende der 1990er Jahre aufgegeben wurde, entstand auf dem etwa 20 Hektar großen Areal am Rande des Stadtteils Dotzheim ein neues Wohnquartier. Lediglich für das alte Stellwerk, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundeskriminalamt, gab es zunächst keine Verwendung. Nach längerem Leerstand interessierte sich der gemeinnützige Verein CASA (Centrum für aktivierende Stadtteilarbeit) für die Immobilie und sah in ihr einen idealen Ort für einen betreuten Kinder- und Jugendtreff am Rande des Neubaugebiets. Nach den Plänen von A-Z Architekten wurde das alte Stellwerk von 2018 bis 2020 schließlich ressourcenschonend umgebaut. Heute ist es ein lebendiger Treffpunkt für Kinder und Jugendliche.

Die gedämmte hinterlüftete Fassade erhielt eine Verkleidung aus heimischen unbehandelten rohen Fichtenhölzern, teils aus Altbeständen., ausgeführt.
Als Relikt des einstigen Güterbahnhofs blieb das alte Stellwerk jahrelang ungenutzt stehen.
Die Bestandswände waren nicht gedämmt und erhielten eine außenseitig angebrachte Steinwolledämmung.

Neues Leben für das alte Stellwerk

Die Architekt*innen gingen behutsam mit der Bausubstanz um und ließen mit minimalen Eingriffen die ursprünglichen Strukturen und in den Innenräumen sogar die Oberflächen in weiten Teilen sichtbar. Das Erdgeschoss des länglichen Gebäudes, wo sich früher der Heizraum und der Aufenthaltsbereich befanden, wurde zum neuen lebendigen Mittelpunkt des Treffs. An den Eingangs- und Garderobenbereich schließt rechts ein Multifunktionsraum mit Küchenzeile und mobilem Küchenmöbel an, der außerdem über einen eigenen Austritt verfügt. Am Ende des Raums folgen zwei WC-Räume, von denen einer rollstuhlgerecht ist. Links des Eingangsbereichs führt eine Treppe in das turmartige, rundum verglaste Obergeschoss. Dort befindet sich ein kleiner Bewegungsraum mit einer Sitzlandschaft. Eine neu eingebaute Lichtdecke schafft auf der Sitz- und Liegefläche einen Ort zum Entspannen und Träumen. Von hier aus kann auch die Dachterrasse über dem Multifunktionsraum und den WCs betreten werden.

Ressourcenschonend umgebaut

Das massive tragende Bestandsmauerwerk blieb erhalten und in den Innenräumen sichtbar. Es wurde auf kosmetische Maßnahmen verzichtet, sodass die roh belassenen, unveredelten Bestandsoberflächen dem Charakter des alten Stellwerks nahekommen. Ergänzt wurde der Umbau mit wiederverwendbaren Baustoffen wie beispielsweise Abbruchziegeln und Altholz für Unterkonstruktionen. Wo neue Baustoffe nötig waren, kamen kostengünstige Materialien zum Einsatz: Türen, Möbel und Küchenoberflächen sind aus Grobspanplatten gefertigt.

Aktionsfläche für junge Künstler*innen

Um den Anforderungen an dem Wärmeschutz gerecht zu werden, wurde eine gedämmte hinterlüftete Fassade mit einer Verkleidung aus heimischen, unbehandelten, rohen Fichtenhölzern ausgeführt, die teils aus Altbeständen stammten. Alle Fenster und Türen nach außen besitzen Klappläden als Einbruchschutz. Im Beriech des Obergeschosses mit Dachterrasse wurde die Holzverkleidung über die Attika hinaus als Absturzsicherung hochgezogen. Die Fassade ist zugleich Aktionsfläche und mittlerweile von jungen Künstler*innen besprüht worden. Das Jugendzentrum erhofft sich, dass dank dieser Alternative künftig weniger illegale Graffitis im Viertel zu sehen sind. Angedacht ist, die von den Jugendlichen gestalteten Fassadenelemente irgendwann wieder abzunehmen und zur weiteren Finanzierung des Vereins zu versteigern.

Mit Steinwolle energetisch ertüchtigt

Die Bestandswände waren nicht gedämmt und erhielten daher eine außenseitig angebrachte Steinwolledämmung. Die aus Mineralwolle hergestellte Dämmung ist nichtbrennbar (Euroklasse A1), diffusionsoffen und hoch wärmedämmend. Die Wärmeleitfähigkeit beträgt 0,035 W/mK. Da die Mauerstärke im Sockelbereich dicker war, wurde hier mit 6 cm gedämmt, darüber in zwei Schichten mit 6 und 8 cm. Zur Unterstützung der Energieversorgung ist eine Photovoltaikanlage auf dem Turmdach geplant. Das Projekt wurde 2020 mit dem Preis „Vorbildliche Bauten im Land Hessen“ und dem DMK Award für nachhaltiges Bauen 2021 ausgezeichnet. -sus

Bautafel

Architektur: A-Z Architekten, Wiesbaden
Projektbeteiligte:  KSP - Kuys + Spitzhorn Ingenieurgesellschaft, Wiesbaden (Tragwerksplanung); Baumstark Theo, Wiesbaden (HLS); Henn Planungswerkstatt, Bruchsal (Lichtplanung); Rockwool, Gladbeck (Fassadendämmung)
Bauherr/in: CASA e.V. Centrum für aktivierende Stadtteilarbeit, Wiesbaden
Standort: Holzstraße 60, 65197 Wiesbaden
Fertigstellung: 2020
Bildnachweis: Laura Hess, Wiesbaden (Fotos); A-Z Architekten, Wiesbaden (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Steinwolle gehört zur Gruppe der der Mineralwolle und zu den im Bauwesen am häufigsten verwendeten Dämmstoffarten

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Dämmstoffe

Steinwolle

Bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden trägt neben der Dämmebene auch eine Luftschicht zum Wärmeschutz bei.

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Wand

Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF)

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