Therapeutische Werkstätten in Meulan-en-Yvelines

Holzfaserdämmung zwischen Lehmziegel und Lehmputz

Welche Baustoffe fördern Wohlbefinden und Genesung? Diese Frage beschäftigte Planende und Bauherrschaft eines neuen Therapiegebäudes im französischen Meulan-en-Yvelines. 2023 ergänzte ein mit Holzschindeln verkleideter Neubau den Campus des Gilbert-Raby-Krankenhauses, entworfen vom Architekturbüro Tolila + Gilliland aus Paris. Neben Schreiblabors, Keramik- und Holzwerkstätten sind dort eine Tagesklinik für Suchtkranke, eine Apotheke sowie eine Wäscherei untergebracht.

In dem Gebäude befinden sich therapeutische Werkstätten für verschiedene handwerkliche Tätigkeiten.
Die Holzrahmenkonstruktion wurde mit Lehmziegeln ausgefacht.
Unbehandelte Lärchenschindeln verkleiden die Fassaden.

Wohlbefinden und Nachhaltigkeit

Das Konzept, möglichst viele natürliche Baustoffe zu verwenden, basiert auf wissenschaftlichen Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit natürlichen Elementen und einem hohen Maß an Wohlbefinden belegen. Insbesondere spielt dabei eine Rolle, wie die Materialien auf die Sinne wirken – also deren Textur, Oberflächenbeschaffenheit, Glanz oder Geruch. Diese sollten auch in dem neuen Therapiegebäude angesprochen werden, verbunden mit einer fein abgestimmten Steuerung von Tageslichtzufuhr und Belüftung. Neben der passiven Klimatisierung und der Verwendung emissionsarmer Materialien, legten die Architekt*innen Wert darauf, dass die Räume an sich ändernde Anforderungen anpassen lassen.

Das zweigeschossige Gebäude wurde ein Stück in einen von hohe Bäumen bewachsenen Hang geschoben, sodass man zu beiden Ebenen einen ebenerdigen Zugang hat. Auf einem Betonsockel sitzt eine mit Lehmziegeln ausgefachte und mit unbehandelten Lärchenschindeln verkleidete Holzrahmenkonstruktion. Zwei flach geneigte, versetzte Pultdächer mit Stehfalzdeckung schaffen ein längs verlaufende Lichtband über dem Mittelkorridor des Gebäudes. Möbel und Oberflächen im Innenraum sind aus heimischem Holz.

Innere Pufferzone

Die „bioklimatische Innenstraße“ erschließt einerseits die Werkstätten und Klinikräume, andererseits funktioniert sie als klimatischer Übergangsbereich. Er ist unbeheizt und natürlich belüftet. Großzügige Fensteröffnungen im Dach und an der Fassade dienen der natürlichen Belüftung und der Temperaturregulierung je nach Jahreszeit. Am südlichen Ende des Korridors öffnet ein stufenförmiges Amphitheater den Blick auf die nahe gelegene Seine.

Schwerpunkt Lehm

Besonderen Fokus legten die Architekt*innen auf den Baustoff Lehm, da er für eine konstante relative Luftfeuchtigkeit sorgt, über eine hohe Wärmespeicherkapazität verfügt und auf diese Weise für hohe Innenraumqualität und Behaglichkeit sorgt. Das Material kam nicht nur in Form von Ziegeln zum Einsatz, sondern auch als Putz. Die Compressed Earth Bricks (CEB), auch BTC-Ziegel genannt, sind maschinell gepresst und stammen aus der Fabrik Cycle Terre in Sevran, wo der Bodenaushub von Baustellen im Großraum Paris verarbeitet wird.

Dem Lehm werden zum Teil Kalk, Sand- oder Pflanzenfasern zugegeben, bevor die Masse unter hohem Druck in Formen gepresst wird und dann formlos an der Luft trocknet. Von komprimierten stabilisierten Erdblöcken (CSEB) unterscheiden sie sich durch den Verzicht auf Zement und andere Bindemittel. Die BTC-Ziegel behalten dadurch die physikalischen Eigenschaften ursprünglichen Materials und können zu 100 Prozent wiederverwertet werden.

Dämmung: Kork und Holzfaser

Die Sockelplatte wurde zum Schutz vor Feuchtigkeit mit Kork gedämmt. Die Außenwände erhielten eine Innendämmung aus Holzfasern. Aus dem gleichen Material ist auch die Zwischensparrendämmung des Dachs. Die Kombination aus Holzfasern, vorgefertigten Holzplatten, Lehmziegel und Lehmputz dämmt im Winter und sorgt im Sommer für eine thermische Phasenverschiebung.

Bautafel

Architektur: Tolila + Gilliland, Paris
Projektbeteiligte: 180° ingénierie (Umweltplanung); Mizrahi (Energieplanung); Sylva conseil (Holzbau); Troisième paysage (Landschaftsgestaltung)
Bauherrschaft: Fondation l’Elan Retrouvé
Standort: 2 Avenue du Maréchal Joffre, 78000 Meulan-en-Yvelines, Frankreich
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Cyrille Weiner (Fotos); Tolila + Gilliland (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Holzfasern werden durch das mechanische Zerfasern von entrindetem Restholz aus der Sägeindustrie gewonnen.

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