Sanierung der Primarschule Gellert in Basel
Punktuelle Eingriffe in ein Gebäudeensemble der Fünfziger Jahre
In mehreren Etappen erfolgte die Gesamtsanierung der Schulanlage Gellert in Basel. Das teilweise denkmalgeschützte Gebäudeensemble aus den 1950er Jahren, entworfen vom damaligen Kantonsbaumeister Julius Maurizio, wurde in eine zeitgemäße Lernumgebung überführt. Die Basler MET Architects planten eine räumliche, energetische und pädagogische Erneuerung, ohne die charakteristische pavillonartige Struktur zu schwächen. Durch punktuelle und präzise Eingriffe in den Gebäudebestand gelang eine Anpassung an den Ganztagsbetrieb und moderne Unterrichtsformen.
Strukturieren, Verknüpfen, Umwandeln
Um das Raumprogramm zu optimieren, nutzte das Planungsteam vorhandene Reserven im Inneren. Die zeittypisch locker um einen zentralen Pausenhof gruppierten Baukörper – die als Gellert 1 und 2 bezeichneten, leicht versetzten Klassentrakte, ein Singsaalgebäude mit Aula sowie eine Doppelturnhalle – wurden funktional neu verknüpft. Auch der pavillonartige Kindergarten am nordöstlichen Parzellenrand erfuhr eine geschickte Transformation: Durch die Verlegung der Sanitärzonen in die vormaligen, gartenseitig überdachten Eingangsbereiche ließen sich die alten Garderoben in großzügige Gruppenräume umwandeln.
Historische und neue Elemente als Einheit
Hochwertige historische Oberflächen und Bauteile wurden behutsam instandgesetzt und mit neuen Elementen verwoben. Kunststein- und Klinkerböden, bauzeitliche Holzverkleidungen sowie zeittypische Fenster und Türen blieben nach Möglichkeit erhalten. Die Ergänzungen fügen sich harmonisch in das heterogene Ensemble ein und schaffen eine gestalterische Einheit: Ornamentale Akustikdecken aus Gips, fein abgestimmte Linoleumböden in den Klassenzimmern sowie eine eigens für die Schulanlage entwickelte Deckenleuchte namens „Gellert“ erzeugen eine einladende Lernumgebung.
Entsiegelung, Pflanzung, Versickerung
Die Sanierung folgt einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das den baulichen Bestand schützt und den Außenraum auf kommende klimatische Herausforderungen vorbereitet. In Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten wurden asphaltierte Flächen rund um den zentralen Pausenhof entsiegelt, um Platz für Baum- und Heckenpflanzungen zu schaffen. Das von den Dachflächen abgeleitete Regenwasser versickert direkt vor Ort oder wird zur Bewässerung der neugestalteten Grünzonen zwischengespeichert. In Kombination mit der haustechnischen Modernisierung und einer Ertüchtigung der Gebäudehüllen gelang eine Überführung des Ensembles entsprechend heutigen energetischen Anforderungen.
Brandschutz: maßgebliche Regelwerke
Für das denkmalgeschützte Schulensemble im Kanton Basel-Stadt ergeben sich die Anforderungen an den Brandschutz aus dem Zusammenspiel des kantonalen Bauinspektorats, den eidgenössischen Brandschutzvorschriften der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) sowie den strengen denkmalpflegerischen Auflagen. Die unterschiedlichen rechtlichen Ebenen überlagern sich und bilden den verbindlichen Rahmen für die brandschutztechnische Ertüchtigung.
Nach Feuerwiderstand differenzierte Bauteile
Zentral ist das harmonisierte Schweizer Brandschutzverfahren nach der VKF-Brandschutzrichtlinie 1-15 „Schnittstellen und Begriffe“ sowie der Richtlinie 15-15 „Brandschutzabstände Tragwerke Brandabschnitte“. Diese regeln den baulichen Brandschutz im Detail – von der Feuerwiderstandsdauer der historischen Tragstrukturen über die Materialisierung der Rettungswege bis hin zur Unterteilung in Brandabschnitte. Nach Feuerwiderstand EI30, EI60 sowie E30 differenzierte Bauteile sollen die vertikale und horizontale Brandausbreitung wirksam begrenzen.
Maximale Fluchtweglänge
Die großzügigen, offenen Erschließungs- und Pausenzonen der Nachkriegsmoderne galt es mit den heutigen Sicherheitsanforderungen an Fluchtwege in Einklang zu bringen. Die maximale Fluchtweglänge ist dabei in den Grundrissen gemäß VKF-Richtlinie 16-15 „Flucht- und Rettungswege“ geometrisch mit Radien von 20 bis 35 Metern zu den sicheren Ausgängen eingemessen.
Entrauchungs- und Evakuierungskonzept
Um die großvolumigen Trakte im Ereignisfall sicher zu beherrschen, greifen technische Gebäudeausrüstung und baulicher Brandschutz im Sinne eines integralen Sicherheitskonzepts präzise ineinander. Das zeigt sich insbesondere beim über 404 Quadratmeter großen Spiel-Estrich des Traktes D sowie in den weitläufigen Turnhallen der Trakte C und H. Im Zentrum des Geschehens steht eine Interventions- und Alarmierungsanlage (IAA) gemäß den Vorgaben der VKF-Richtlinie 22-15 „Blitzschutz- und Brandmeldeanlagen“. Bricht ein Brand aus, detektieren die flächendeckend installierten Rauchmelder die Gefahr und leiten die Meldung an die IAA-Zentrale weiter.
Akustische und optische Signale
Die anschließende Evakuierung wird nicht nur über flächendeckende Lautsprecher akustisch eingeleitet, sondern zeitgleich durch rote Blitzleuchten visuell unterstützt. Diese optischen Signalgeber garantieren gerade bei hohem Geräuschpegel während des Sport- oder Spielbetriebs eine sofortige Wahrnehmung des Alarms, während spezifische Signalleuchten eventuelle Störungen im System umgehend anzeigen. Die Belegungsplanung entspricht den verschärften Kriterien für Personenbezugsobjekte mit hoher Belegung – für den Spiel-Estrich ist eine Belegung von maximal 100 Personen zulässig.
Thermischer Rauchabzug in den Hallenbauten
Hand in Hand mit der Alarmierung steuert das System die Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) nach VKF-Richtlinie 21-15 „Rauch- und Wärmeabzugsanlagen“ an. In den über sechs Meter hohen Turnhallen wird die enorme Raumhöhe physikalisch als natürlicher Rauchgasspeicher ausgenutzt. Elektromotorische Antriebe öffnen die obersten Fenster und Dachklappen weit nach außen, sodass die heißen, hochgiftigen Brandgase aufgrund der Thermik direkt ins Freie entweichen können. Dieser Kamineffekt sorgt dafür, dass der Rauchsee stabil im oberen Drittel der Halle gefangen bleibt. Im unteren Aufenthalts- und Gehbereich entsteht dadurch eine bis zu drei Meter hohe, raucharme Schicht, die die Atemwege schützt und die Fluchtwege freihält.
Dank der Brandfallsteuerung öffnen sich automatisch die Türen zu den vorgelagerten Laubengängen und Vorhallen, um als Nachströmöffnungen für Zuluft zu sorgen. Im Bereich des verwinkelten Spiel-Estrichs von Trakt D saugen zusätzliche mechanische Monobloc-Anlagen den Rauch im Firstbereich ab, um die zentrale Fluchttreppe als einzigen vertikalen Rettungsweg zu sichern.
Sicherheitsbeleuchtung, Bodenmarkierungen, Löscheinrichtungen
Während die thermische Barriere aufgebaut wird, leitet ein stringentes Licht- und Signalarchitekturkonzept gemäß VKF-Richtlinie 17-15 „Kennzeichnung von Fluchtwegen / Sicherheitsbeleuchtung“ die Menschen ins Freie. Ein dichtes Netz aus sicherheitsbeleuchteten und nachleuchtenden Rettungszeichen weist den Weg, ergänzt durch unübersehbare Fluchtweg-Bodenmarkierungen, die selbst bei einsetzender Sichtverschlechterung die Orientierung gewährleisten. Strategisch platzierte Nothandlampen sowie Sprühschaum- und CO₂-Löscher nach VKF-Richtlinie 18-15 „Löscheinrichtungen“ ermöglichen den sogenannten Erstangriff des Lehrpersonals zur Brandbekämpfung. Zeitgleich schließen brandfallgesteuerte Türschließer die EI30-Brandschutztüren automatisch, um ein Überspringen des Rauchs in benachbarte Erschließungsachsen zu verhindern.
Für die heranrückende Feuerwehr ist die Anlage gleichermaßen optimiert: Ein im Zugangsbereich installierter Schlüsseltresor gewährt schlüssellosen Zutritt, während ein Plankasten „A“ die Orientierung erleichtert. Bei Bedarf können die Einsatzkräfte das System über manuelle RWA-Auslösetaster in den Windfängen oder über Schlüsselschalter mit Funktionsanzeige im Kasten des Sicherheitsteams händisch nachjustieren.
Bautafel
Architektur: MET Architects, Basel
Projektbeteiligte: Proplaning, Basel (Baumanagement); August + Margrith Künzel Landschaftsarchitekten, Binningen (Landschaftsarchitektur); wh-p Ingenieure, Basel (Tragwerksplanung); Eplan Elektroengineering, Reinach (Elektroplanung); Herrmann + Partner Energietechnik, Basel (Technische Gebäudeplanung); Bogenschütz, Basel (Sanitärplanung); Gruner AG, Basel (Bauphysik)
Bauherr/in: Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt, Städtebau & Architektur, Hochbau
Standort: Emanuel Büchel-Str. 15, 4052 Basel, Schweiz
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Piotr Hraptovich, Basel
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