Sanierung der Fridolinschule in Lörrach

Erweiterte Fluchtwege, F90-Decken und Brandmeldeanlagen

Zwei denkmalgeschützte Gebäude bilden das Ensemble der Fridolinschule in Lörrach – das eine wurde 1877 errichtet, das andere im Jahr 1927. Die umfassende Modernisierung beider Schulhäuser, welche zu den ältesten Bildungseinrichtungen der Stadt gehören, erfolgte durch die Stuttgarter Thoma Lay Buchler Architekten. Sie planten auch eine neue Einfeld-Sporthalle als Ersatz der früheren Turnhalle. Ein übergeordnetes Ziel war die Neuausrichtung zur Ganztagsgrundschule; heute finden rund 200 Kinder hier Platz. Beide Schulgebäude wurden technisch und konzeptionell nicht zuletzt hinsichtlich Brandschutz und Barrierefreiheit auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. 

Die Fridolinschule zählt zu den ältesten Bildungseinrichtungen der Stadt.
Im Zuge der Dachsanierung wurden rund 45.000 Naturschieferplatten von Hand verlegt.
Die neue Einfeld-Sporthalle nimmt Bezug auf den Bestand und setzt sich doch mit ihrer klaren Formensprache ab.

Aufarbeiten und Erneuern

Die charakteristischen Elemente beider Schulhäuser sollten unbedingt erhalten bleiben. Im großen Schulhaus wurden unter anderem die historischen Fischgrätparkettböden freigelegt, aufgearbeitet und an Fehlstellen ergänzt. Originale Türzargen und Rundbögen wurden restauriert, Flächen aus rötlichem Sandstein wieder sichtbar gemacht. Im Zuge der Dacherneuerung wurden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege insgesamt 45.000 Naturschieferplatten von Hand verlegt. Fenster, Bodenbeläge, Sanitäranlagen und die gesamte Elektroinstallation wurden ebenfalls erneuert. Akustisch wirksame Decken verbessern die Bedingungen in den Unterrichtsräumen; die neue LAN- und WLAN-Infrastruktur ermöglicht zeitgemäße digitale Unterrichtsformen.

Aufzug und breite Flure

Um die Barrierefreiheit zu gewährleisten, führt nun ein Personenaufzug vom Untergeschoss bis ins Dachgeschoss. Breitere, brandschutztechnisch ertüchtigte Flure erleichtern die Erschließung. Es galt, die funktionalen Eingriffe möglichst selbstverständlich in den Bestand zu integrieren – insbesondere dort, wo Anforderungen des Denkmalschutzes und heutige Sicherheitsstandards aufeinandertreffen. Die neue technische Infrastruktur ergänzt die restaurierten Oberflächen und erhaltenen Bauteile, ohne den Charakter der historischen Schulbauten grundlegend zu verändern.

Neue Sporthalle als Teil des Ensembles

Die Einfeld-Sporthalle nimmt gestalterisch Bezug auf die historischen Schulhäuser, setzt sich mit ihrer klaren Formensprache jedoch als neuer Baustein ab. Ein Holztragwerk, ein begrüntes Flachdach und eine Photovoltaikanlage gehören zum Nachhaltigkeitskonzept. Im Untergeschoss der Sporthalle befindet sich eine Quartiersheizzentrale, welche außer dem Schulensemble weitere Gebäude im Umfeld mit Wärme versorgt. 

Brandschutz: F90-Decken unter historischen Konstruktionen

Im Zuge der brandschutztechnischen Ertüchtigung wurden in beiden Gebäuden vorhandene abgehängte Decken und Schilfputzdecken entfernt. Im großen Schulhaus kamen Rippendecken zum Vorschein. Unterhalb der Bestandsdecken wurden neue Brandschutzdecken in der Feuerwiderstandsklasse F90 eingebaut. Darunter befindet sich eine zweite, weitgehend akustisch wirksame Abhangdecke, die zugleich als Installationsebene dient. Insgesamt wurden bei den Trockenbauarbeiten rund 1.780 Quadratmeter F90-Brandschutzdecken und etwa 1.710 Quadratmeter Akustikdecken ausgeführt. So ließen sich Anforderungen an Feuerwiderstand, Raumakustik und technische Gebäudeausrüstung miteinander verbinden.

Zweiter Rettungsweg für kleines Schulhaus

Die Rettungswegeführung wurde im Rahmen der Sanierung angepasst. Eine besondere Maßnahme betrifft das kleine Schulhaus (aus dem Jahr 1877): Eine neue außenliegende Stahltreppe stellt den zweiten Rettungsweg aus den oberen Geschossen her. Im anderen Schulgebäude wurde das große Treppenhaus saniert und die Flure brandschutztechnisch ertüchtigt. Sämtliche Brandschutztüren sind ebenfalls neu. 

Brandmeldeanlage und Sicherheitsbeleuchtung

Beide Schulhäuser erhielten eine neue Brandmeldeanlage und eine Sicherheitsbeleuchtung. Auch die Elektroverteilungen und -installationen, die Erdungs- und Blitzschutzanlage sowie die Such- und Signalanlage wurden erneuert. Für das Brandschutzkonzept greifen unterschiedliche Maßnahmen ineinander: Feuerwiderstandsfähige Decken sichern die historischen Konstruktionen, eine angepasste Rettungswegeführung unterstützt die Selbstrettung, die Brandmeldeanlage dient der frühzeitigen Detektion und Alarmierung. Die außenliegende Fluchttreppe ist ein Beispiel dafür, wie notwendige Ergänzungen im denkmalgeschützten Bestand ohne große Umbauten realisierbar sind. Das mehr als hundert Jahre alte Ensemble ließ sich damit für die weitere Nutzung als Grundschule ertüchtigen, die brandschutztechnische Sanierung ist Teil einer Strategie des Weiterbauens: Vorhandene Bausubstanz bleibt ablesbar, neue Anforderungen werden behutsam integriert.

Bautafel

Architektur: Thoma Lay Buchler Architekten BDA, Todtnau/Stuttgart
Projektbeteiligte: mayer bährle, Lörrach (Projektmanagement); IG Flösser, Lörrach (Tragwerksplanung); Ingenieurbüro Gerd Keller, Weil am Rhein (HLS-Planung); Planungsbüro für Elektrotechnik, A. Müller, Lörrach (Elektro-Planung); BRM Brandschutz- und Risikomanagement, Eschbach (Brandschutz)
Bauherr/in: Stadt Lörrach, Fachbereich Hochbau
Standort: Hauptstraße 27, 79540 Lörrach
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Simon Sommer Fotografie, Ostfildern

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