Nicht belüftetes Dach (V): Beurteilung
Vorteile des Dachaufbaus
Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) nennt in seinem Merkblatt Wärmeschutz bei Dach und Wand deutlich mehr nachweisfreie Ausführungen für nicht belüftete Dächer als für belüftete Dächer. Für Planende ergibt sich daraus eine klare praktische Tendenz zugunsten nicht belüfteter Dachkonstruktionen, wenn die vollständigen Randbedingungen des jeweiligen nachweisfreien Konstruktionsprinzips eingehalten werden. Auch bei Dächern mit Innengefälle und in enger Bebauung empfiehlt das Merkblatt nicht belüftete Konstruktionsaufbauten.
Eine funktionsfähige Lüftungsebene setzt ausreichend große Zu-
und Abluftöffnungen sowie einen durchgehenden, wirksamen Luftweg
voraus. Gerade bei komplizierten Dachformen, langen Lüftungswegen
und zahlreichen Unterbrechungen und Anschlüssen kann dies nur mit
erhöhtem konstruktivem Aufwand sichergestellt werden. Es gibt
weitere Vorteile, die für einen nicht belüfteten Aufbau
sprechen:
Der baukonstruktive Aufwand zur Sicherstellung einer
funktionsfähigen Lüftungsebene entfällt. Dies gilt insbesondere bei
Dachdurchdringungen, Anschlüssen und komplexen Dachgeometrien,
deren Ausführung schneller zu Fehlern, Leckagen und Wasserschäden
führen kann. In diesem Zusammenhang muss aber auch auf die
einwandfreie Ausführung der luftdichten und dampfbremsenden Ebene
hingewiesen werden, die insbesondere besonders an den
Durchdringungspunkten viel Sorgfalt bedarf.
Nicht belüftete Dachkonstruktionen können einfacher sowohl luft-
als auch winddicht (eine winddichte Ausführung oberhalb der
Wärmedämmung ist nicht vorgeschrieben oder
gesetzlich verankert) ausgebildet werden, insbesondere wenn ein
Unterdach vorgesehen ist. So kann das gesamte
Bauteil in die Berechnung des Wärmeschutzes einfließen. Die
Luftdichtheit ist allerdings keine automatische
Eigenschaft der Konstruktion, sondern hängt wesentlich von der
sorgfältigen Planung und Ausführungsqualität der luftdichten Ebene
ab. Dies gilt insbesondere bei der Ausbildung eines Unterdaches,
wenn dessen Sperrwert bauartbedingt hoch ist, wie es bei
regensicheren und wasserdichten Unterdächern der Fall ist.
Bei Anordnung der Dämmung zwischen den Sparren kann der gesamte
Sparrenquerschnitt zu Dämmzwecken genutzt werden. Dabei entfällt
die Notwendigkeit, oberhalb der Wärmedämmung eine Luftschicht
vorzusehen. So haben nicht belüftete Dächer mit Zwischensparrendämmung üblicherweise eine
geringere Aufbauhöhe und weniger Konstruktionsaufwand.
Die Kombination von Zwischen-, Unter- und Aufsparrendämmung kann die Wärmebrückenwirkung
der Sparren deutlich vermindern. Bei einer durchgehenden
Aufsparrendämmung können die Sparren zudem raumseitig sichtbar
bleiben. Diese Vorteile ergeben sich jedoch aus der Lage und
Durchgängigkeit der Wärmedämmung und gelten grundsätzlich sowohl
für belüftete als auch für nicht belüftete Dachkonstruktionen.
Bei geneigten, nicht belüfteten Dachkonstruktionen kann auf
vorbeugenden chemischen Holzschutz verzichtet werden, sofern die
Bedingungen der Gebrauchsklasse GK 0 nach DIN 68800-2:
Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau
für den konkreten Aufbau erfüllt sind. Die DIN 68800-2 enthält
hierfür eigene Konstruktionsprinzipien für geneigte, im Gefach
nicht belüftete Dächer. Entscheidend sind neben dem dauerhaft
wirksamen Wetterschutz vor allem die Begrenzung unzuträglicher
Holzfeuchten, ein funktionsfähiges Luftdichtheits- und
Feuchteschutzkonzept sowie die Einhaltung der jeweiligen
konstruktiven Randbedingungen. Bei voll gedämmten, nicht belüfteten
Dächern mit Metalleindeckung oder Abdichtung auf Schalung bzw.
Beplankung gelten besondere Anforderungen; insbesondere ist die
Feuchteregulierung der Konstruktion gesondert zu beachten.
Fachwissen zum Thema
BauNetz Wissen Geneigtes Dach sponsored by:
Otto Lehmann GmbH, Neutraubling
www.ottolehmann.com