Holzhochhaus HoHo in Wien

Hybrider Bau mit multifunktionaler Nutzung

Eines der weltweit höchsten Holzhochhäuser steht in der aufstrebenden Seestadt Aspern im Westen von Wien: Das HoHo Wien setzt als Meilenstein im modernen Holzbau neue Maßstäbe im nachhaltigen Bauen. Mit seinen 84 Metern Höhe und 24 Stockwerken zeigt das Gebäude nach Plänen von RLP Rüdiger Lainer + Partner auf beeindruckende Weise, dass das nachwachsende Baumaterial mittlerweile auch für Hochhäuser eine ernstzunehmende Alternative zu Stahl und Beton darstellt.

Das multifunktionale Gebäude vereint auf einer Gesamtfläche von rund 25.000 Quadratmetern eine Vielzahl von Nutzungen.
Die Mischung aus Wohnen und Arbeiten fördert nicht nur die soziale Interaktion, sie trägt auch zur Belebung des Stadtviertels bei.
Die oberen Stockwerke beherbergen ein Hotel sowie exklusive Apartments.

Nutzung und Funktion

Das multifunktionale Gebäude vereint auf einer Gesamtfläche von rund 25.000 Quadratmetern eine Vielzahl von Nutzungen unter einem Dach. Die unteren Stockwerke sind für Gewerbe und Gastronomie reserviert, darunter Restaurants, Cafés und Büros. In den mittleren Etagen befinden sich flexible Büroflächen, die modernen Arbeitsanforderungen gerecht werden. Die oberen Stockwerke beherbergen ein Hotel sowie exklusive Apartments, die einen atemberaubenden Blick über Wien und die umliegende Seestadt Aspern bieten.

Bei der Konzeption galt einer engen Verbindung zwischen Arbeits- und Wohnwelten besonderes Augenmerk: Die flexible Raumaufteilung ermöglicht es, Wohnen und Arbeiten in einem Gebäude zu vereinen, was in einer wachsenden Metropole wie der österreichischen Hauptstadt von großer Bedeutung ist. Diese Mischung fördert nicht nur die soziale Interaktion, sie trägt zur Belebung des gesamten Stadtviertels bei.


Architektur und Bauweise

Mit ihrem Entwurf zielten die Architekten darauf ab, die natürlichen Qualitäten des Holzes in den Vordergrund zu stellen und ein Gebäude zu schaffen, das die Naturverbundenheit der Stadtbewohner widerspiegelt. Dies zeigt sich nicht nur in der äußeren Gestaltung, sondern auch in den Innenräumen, die weitgehend aus Holz bestehen und eine warme, einladende Atmosphäre schaffen.

Das Bauwerk ist ein hybrides System aus Holz, Stahl und Beton. Rund 75% der Tragstruktur bestehen aus Holz, was zu einer erheblichen Reduzierung der CO2-Emissionen während des Bauprozesses führte. Die Nutzung von Holz als primärem Baustoff sorgt zudem für eine ausgezeichnete Energiebilanz und trägt zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei.

Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit

Nachhaltigkeit war eine zentrale Motivation der Planung: Holz ist nicht nur ein nachwachsender Rohstoff, es speichert auch CO2, wodurch das HoHo Wien zu einer Senke für Treibhausgase wird. Insgesamt wurden rund 2.800 Tonnen Holz verbaut, was etwa 2.600 Tonnen gebundenem CO2 entspricht. Darüber hinaus wurde bei der Planung und Ausführung des Gebäudes großer Wert auf Energieeffizienz gelegt. Die thermische Hülle ist so ausgelegt, dass sie die Anforderungen eines Niedrigenergiehauses erfüllt. Damit ließ sich der Energieverbrauch des Gebäudes für Heizung und Kühlung auf ein Minimum reduzieren.

Auch das Thema Lebenszykluskosten spielte eine wichtige Rolle: Die Entscheidung für langlebige und wartungsarme Materialien, zusammen mit einer durchdachten Planung, sorgt dafür, dass sich das Hochhaus auch künftig ökologisch und ökonomisch nachhaltig betreiben lässt.

Brandschutzaspekte: Holz und Brandschutz

Holz wird als brennbarer Baustoff in vielen Ländern, insbesondere in Österreich, strenger reguliert als Stahl oder Beton. Obwohl Holz eine höhere Brandlast aufweist, da es als tragende Struktur brennen kann, ist es nicht weniger sicher. Die Bildung einer Oxidationsschicht (Verkohlungsschicht) und die Überdimensionierung des Querschnitts verzögern und kontrollieren den Abbrand. Im Gegensatz dazu verliert Stahl unter Hitzeeinfluss seine Festigkeit plötzlich, auch wenn es in Stahlbetonträger eingebettet ist.

Änderungen der Bauordnung, Zusammenarbeit mit Behörden

Bis 2008 war es nach der Wiener Bauordnung nicht erlaubt, Gebäude mit mehr als vier Geschossen in Holz zu bauen. Seit 2015 ist der Holzbau auch in der Gebäudeklasse 5, also bis zu sechs Geschossen, zugelassen. Das HoHo Wien, initiiert von den Projektentwicklern Günter Kerbler und Caroline Palfy, hat diese Grenzen erweitert, um das Potenzial von Holz als Baumaterial voll auszuschöpfen. Realisiert wurde es in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden. Architekt Rüdiger Lainer, Brandschutzplaner Alexander Kunz und Tragwerksplaner Richard Woschitz arbeiteten frühzeitig mit der Stadtbaudirektion Wien, der Magistratsabteilung MA37 11 (Baupolizei der Stadt Wien), der KSB („Kompetenzstelle Brand”) und der Feuerwehr Wien zusammen. Die enge Kooperation ermöglichte eine effiziente Umsetzung des Projektes und verhinderte Verzögerungen durch nachträgliche Anpassungen.

Maßnahmen zur Brandsicherheit

Die Maßnahmen zur Brandsicherheit des Holzbaus sind umfangreich. Eine flächendeckende Brandmeldeanlage sorgt für eine frühzeitige Alarmierung im Brandfall; ergänzend dazu wurde eine Sprinkleranlage installiert, die von zwei Sprinklerbecken im Untergeschoss gespeist wird. Die tragende Konstruktion des Gebäudes ist so dimensioniert, dass sie im Brandfall eine Standfestigkeit von mehr als 90 Minuten gewährleistet – selbst ohne eine automatische Löschanlage. Um die zusätzliche Brandlast der Tragkonstruktion zu kompensieren, wurden kleine Brandabschnitte eingeführt. Schächte bestehen aus nicht brennbaren Baustoffen, Gebäudefugen wurden besonders sorgfältig ausgeführt, um einen Einbrand in die brennbare Konstruktion zu verhindern.

Brandschutzversuch

Beim Brandschutzversuch der MA39 (Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien) wurde im Systemknoten der Tragkonstruktion bei 90 Minuten ein Abbrand von lediglich 8,4 cm festgestellt – angesichts der Einwirkdauer eines Feuers ein beeindruckender Wert.

Brandschutz während der Bauphase

Für die Bauphase war vorgeschrieben, dass unterhalb der aktuell im Bau befindlichen Ebene jeweils eine trockene Steigleitung existierte. Beim Bau von Ebene zehn musste demnach eine Steigleitung über dem Boden von Ebene neun verlaufen. Im Erdgeschoss (Ebene 1) befand sich eine Pumpe, die im Falle eines Brandes die Rohre füllen und Wasser abgeben konnte, bevor die Feuerwehr eintraf. Zusätzlich wurde der Brandschutz rund um die Uhr von zwei Arbeitern überwacht.

Bautafel

Architektur: RLP Rüdiger Lainer + Partner, Wien
Projektbeteiligte: RWT+ZT, Wien (Tragwerksplanung, Bauphysik); Kunz – die innovativen Brandschutzplaner, Mödlingen (Brandschutz); Dr. Ronald Mischek ZT, Wien (Gebäudetechnik)
Bauherr/in: cetus Baudevelopment, Wien
Standort: Janis Joplin Promenade 26, Seestadt Aspern, A-1220 Wien
Fertigstellung: 2019
Bildnachweis: cetus Baudevelopment, Wien; Thomas Lech, Wien; György Palkó, Budapest; Michael Baumgartner (kito.at), Wien

BauNetz Architekt*innen

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Auszug aus der Brandfallmatrix eines Bürohochhauses (hier 38. OG)

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Die Musterhochhausrichtlinie fordert gemäß Nr. 6.4 für Hochhäuser eine Brandmeldeanlage sowie Alarmierungs- und Lautsprecheranlagen; für bestimmte Fälle gelten Ausnahmen.

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Tragende und aussteifende Wände und Stützen müssen im Brandfall ausreichend lange standsicher sein (im Bild: U-Bhf in München).

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