Graf-Zeppelin-Halle in Altenkirchen

Holztragwerk, Kunststofffassade und Metalldeckung

Einen bemerkenswert klaren Auftakt setzte das Team von Aretz Dürr Architektur mit der Halle S // 46 im Industrie- und Gewerbegebiet östlich von Altenkirchen im Westerwald. Die geradlinig-schlichte Produktionshalle ist eine von mehreren geplanten, sogenannten Graf-Zeppelin-Hallen. Das Tragwerk besteht aus Holz, die Fassade aus transluzentem Polycarbonat, das Dach ist mit Stahlblech gedeckt. Gegenüber vom Verwaltungsgebäude der Schumann Project Gesellschaft entstand ein Neubau für das Unternehmen, dessen Typologie klar ablesbar ist. Die zunächst sechzig Meter lange und in vier Einheiten teilbare Produktionshalle ist als wachsender Bau konzipiert, eine Verdoppelung der Länge bereits konstruktiv angelegt.

Teilansicht Ost
Aretz Dürr Architekten konzipierten einen einfach erweiterbaren Zweckbau (Nordansicht).
Blick Richtung Norden: Vierzig Meter lange Leimholzbinder überspannen vierundzwanzig Meter frei und kragen beidseitig um jeweils acht Meter aus.

Einfaches Holztragwerk

Die konstruktive Logik des Entwurfs überzeugt. Die Struktur folgt einem elementaren Prinzip: Träger auf Stützen. Vierzig Meter lange Leimholzbinder überspannen vierundzwanzig Meter frei und kragen beidseitig um jeweils acht Meter aus. Das fein austarierte Tragwerk mit weit ausgreifenden Dachflächen verleiht der Halle gewisse Leichtigkeit. 

Transluzente Fassade

Das Tageslicht, das allseitig über die transluzente Gebäudehülle aus Polycarbonat-Mehrkammerelementen in die Halle gelangt, ist weich und diffus. Es sorgt für einen durchweg hellen Arbeitsraum. So gelang es den Architekt*innen mit wenigen, präzise gesetzten Mitteln, Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und räumliche Qualität zu verbinden. Auch das Energiekonzept folgt dieser Haltung. Natürliche Lüftung, konstruktive Verschattung und die thermische Speichermasse der Bodenplatte greifen ineinander und bilden ein einfaches, robustes System. 

Robuster Dachaufbau

Der Dachaufbau im gedämmten Innenbereich der Halle beginnt unterseitig mit einem 0,75 mm starken Trapezblech M 150/280 in der Farbe RAL 9002. Eine PE-Folie dient als Dampfsperre. Die Dämmschicht besteht aus 80 mm dicken PIR-Hartschaumplatten der WLS 023. Eine hochwertige und robuste Kunststoffabdichtung aus FPO bildet den oberen Abschluss. Sie ist mit einem Synthesegewebe armiert und schützt langfristig vor Feuchtigkeit und anderen Witterungseinflüssen. 

Im Bereich der Kragarme besteht die Dachdeckung aus Trapezblech. Die Entwässerung über eine Rundrinne und Regenfallrohre erfolgt zwischen Halle und Auskragung. Die notwendigen 2% Gefälle der gedämmten Dachkonstruktion stellen Auflager aus KVH unterhalb des Trapezblechs konstruktiv her. Eine wasserfeste OSB-Platte bildet das Auflager der Rinnenhalter. Die Kunststoffabdichtung als Oberlage ist bis an die Rinne herangeführt. Das Gefälle der Vordächer ist gegenläufig: Sie enden oberhalb der Rundrinnen und werden auf dem gleichen Weg entwässert.

Bautafel

Architektur: Aretz Dürr Architektur, Köln
Projektbeteiligte: W. u. J. Derix, Niederkrüchten (Zimmerei, Ingenieurholzbau); Bauder, Stuttgart (Dachabdichtung Bauder Thermoplan-T und PIR Dämmplatte 80mm WLS 023)
Bauherr: Schumann Project Altenkirchen
Fertigstellung: 2024
Standort: Graf-Zeppelin-Straße 17, 57610 Altenkirchen
Bildnachweis: Ben Schumann

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