Einfamilienhaus in Köln

Wiederverwendete Feldbrandziegel des Vorgängerbaus für die Fassade

Der Nord-Kölner Stadtteil Niehl war bis in das 20. Jahrhundert ein Fischerdorf. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts siedelten sich allerdings immer mehr Großbetriebe an. Auch die Ford-Werke zogen 1929 von Berlin nach Niehl. Neben der kleinteiligen Dorfstruktur entstand somit ein Industriepark, der eine verstärkte Wohnungsbauaktivität nach sich zog. Für ein kleines Grundstück in einer schmalen Gasse mit heterogener und kleinteiliger Bebauung unterschiedlicher Epochen, entwarf der Kölner Architekt Till Robin Kurz ein Einfamilienhaus mit monolithisch wirkendem Ziegelkleid.

Ursprünglich stand auf der Parzelle ein Fischerhaus in Massivbauweise aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aufgrund gravierender Mängel in der Bausubstanz wurde der Bestandsbau abgetragen, wobei die historischen Feldbrandziegel aufbewahrt und gesäubert wurden, um sie im Neubau als Vormauerschale wiederzuverwenden.
Im Süden befinden sich eine Terrasse und ein kleiner Garten. Zu diesen öffnet sich die Fassade großzügig über drei vertikale Fenster.
Zur Katzengasse im Westen hingegen weist der traufständige Baukörper lediglich ein einzelnes mittig in der Fassade platziertes Fenster auf.

Ursprünglich stand auf der Parzelle ein Fischerhaus in Massivbauweise aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aufgrund gravierender Mängel in der Bausubstanz, der niedrigen Deckenhöhen und der geringen Wohnfläche wurde der Bestandsbau abgetragen. Hierbei wurden die historischen Feldbrandziegel aufbewahrt und gesäubert, um sie im Neubau als Vormauerschale wiederzuverwenden. Das zweigeschossige Gebäude schließt mit einem Satteldach ohne Dachüberstand ab und zeichnet sich durch präzise gesetzte Öffnungen aus. Im Inneren spielt der Entwurf mit kontrastreichen Raumwahrnehmungen, indem kleine und niedrige Räume – wie Flure und Erschließungsräume – sich mit großzügigen Wohnbereichen und doppelgeschossigen Deckenhöhen abwechseln.

Wiederverwendete Feldbrandziegel

Der traufständige Baukörper öffnet sich lediglich über ein einzelnes mittig in der Fassade platziertes Fenster zur Katzengasse im Westen. Vor der nördlichen Giebelseite liegt ein Hof mit Sitzbank, über den das Gebäude erschlossen wird. Im Süden befinden sich eine Terrasse und ein kleiner Garten. Zu diesen öffnet sich die Fassade großzügig über drei vertikale Fenster. Die Fensterbänke und Stürze sind in Fertigbetonteilen aus Weißbeton ausgeführt. Das Dach ist mit weißgrau beschichtetem Aluminium-Wellblech gedeckt und die Dachrinnen sind innenliegend ausgeführt.

Doppelte Raumhöhen und reduzierte Materialsprache

Das Gebäude wird durch eine Erschließungs- und Nutzraum-Zone der Länge nach in zwei Hälften geteilt. Mittig der Ostseite befindet sich eine gewendelte Treppe, die ins Ober- und Dachgeschoss führt. Gegenüber von dieser sind ebenerdig ein Gäste-WC und eine Waschküche angeordnet. Im ersten Obergeschoss liegt gegenüber dem Treppenabsatz eine Wohnnische, im Dachgeschoss ein Bad. Ein kurzer Flur verbindet im Parterre die auch als Wohnzimmer genutzte Diele und die Wohnküche miteinander. Diese besitzt doppelte Raumhöhe und wird über die drei vertikalen Fenster mit viel Tageslicht geflutet. Im ersten Stock befindet sich ein Schlafzimmer, zwei weitere liegen an den Stirnseiten unterm Dach.

Durch den langgezogenen Grundriss entstehen Raumsequenzen, die laut des Architekten durch die Außenräume erweitert werden, die er als Zimmer im Freien versteht. Der Materialkanon im Innenraum ist reduziert gehalten: Putz, Holz, Zementböden und Naturstein. Die Wandoberflächen sind mit Lehmputz bearbeitet. In den Haupträumen ist der Zementboden weiß gehalten, in den Nebenräumen schwarz. Einbauten wie die lange Sitzbank mit Stauraum in der Diele sind in Eichenholz ausgeführt. Die Küchenarbeitsplatte besteht aus Kehlheimer Auerkalk, für den Waschtisch im Bad wurde Kirchheimer Muschelkalk verwendet.

Historische Ziegel und dämmender Bimsstein

Die wiederverwendeten Ziegel der Vormauerschale changieren von Hell- bis Braunrot, wodurch die Fassade sehr lebendig wirkt. Auch die Giebelseiten wurden bis zum Dachrand mit den Ziegeln bekleidet. In Kombination mit dem fehlenden Dachüberstand wird damit eine monolithische Wirkung der Gebäudehülle erzielt. Beim Rückbau des alten Fischerhauses wurden die alten Feldbrandbacksteine im Kloster- und Reichsformat von Mörtelresten befreit und mit der Stahlbürste gesäubert. Für das Verblendmauerwerk des Neubaus wurden sie im Wilden Verband vermauert. Die zweischaligen Außenwände sind 49 cm stark und setzen sich aus der 13 cm dicken Vormauerschale, einer 17,5 cm starken Kerndämmung aus Mineralwolle und einem Leichtbetonmauerwerk mit Zuschlägen aus wärmedämmendem Bimsstein von 18,5 cm Stärke zusammen.

Der wärmedämmende Bimsstein ist ein vulkanischer Stein, der durch die Aufschäumung der flüssigen Lava viele Lufteinschlüsse aufweist. Die Gesteinskörnung wird mit Wasser und Bindemittel gemischt in Stahlformen gefüllt und durch Vibration gefestigt. Die Steine härten an der Luft aus, ohne gebrannt zu werden. Der Bimsstein wurde im Neuwieder Becken, einem der größten Bimsabbaugebiete Europas abgetragen, wodurch kurze Transportwege gewährleistet werden konnten. -lw

Bautafel

Architektur: Till Robin Kurz, Köln
Projektbeteiligte: Ertl Tragwerk, Bonn (Statik); Bliersbach Haustechnik, Bonn (Heizung Sanitär)
Bauherr/in: privat
Fertigstellung:  2021
Standort: 50735 Köln
Bildnachweis: Till Robin Kurz, Köln

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