Dämmstoffplatten aus Paludi-Biomasse

Fraunhofer WKI entwickelte neuartige ökologische Dämmung

Wie lassen sich Moor- und Klimaschutz mit einer nachhaltigen Rohstoffversorgung verbinden? Dieser Frage widmeten sich Forschende des Fraunhofer WKI in einem Projekt, das im März 2026 abgeschlossen wurde. In ihrem Bericht kommen sie zu dem Schluss, dass sich Biomasse von Nasswiesen und wiedervernässten Moorflächen zu leistungsfähigen Dämmstoffen verarbeiten lässt. Die Entwicklung war ein ergänzendes Ergebnis des Forschungsvorhabens HyLight, bei dem nach Fertigungsverfahren für Leichtbauprodukte aus Holz und Biokunststoff mittels Formteilautomaten gesucht wurde.

Heubereitung in einem nassen Moor
Rohrkolben als Paludikultur
Rohrkolbenernte in einem Moor

Aus dem Moor geerntet

Ausgangsstoff der Forschung ist sogenannte Paludi-Biomasse. Dabei handelt es sich um Fasermaterial aus Pflanzen wie Schilf, Rohrkolben oder Seggen, die unter nassen Bedingungen wachsen. Diese werden bei der landwirtschaftlichen Nutzung nasser oder renaturierter Moorflächen angebaut, Paludikultur genannt. Sie erlaubt es, Moore wirtschaftlich zu nutzen, ohne sie trockenzulegen und ihre wichtige ökologische Funktion als Kohlenstoffsenke zu verlieren. 

Bisher fand Material in den Bereichen Verpackung und Papier Verwendung. Die Forschenden entwickelten aus ihm Leichtbauwerkstoffe und Dämmstoffe. „Die lignocellulosehaltige Biomasse lässt sich zu Fasern aufbereiten und zu leistungsfähigen Dämmstoffplatten und -matten verarbeiten – analog zu etablierten Holzfaserdämmstoffen“, berichtet die Projektleiterin Dr. Julia Belda.

Thermische Aufbereitung

Zur Aufbereitung der Fasern erfolgte eine thermomechanische Zerfaserung der Biomasse in einem Refiner. Diese aus der Papierindustrie stammende Maschine kann das Material zwischen ihren Mahlscheiben mechanisch zu Fasern zerlegen und bearbeiten. Da eine solche Anlage ursprünglich für die Verarbeitung von Holzhackschnitzeln ausgelegt ist, musste die Prozessführung angepasst werden. Schließlich gelang es den Forschenden, einen Faserstoff herzustellen, der sich sowohl für die Herstellung von Naturfaserdämmstoffen eignet als auch für die weitere Werkstoffentwicklung genutzt werden kann.

Prototyp Dämmstoffplatte

Die aus den Fasern gefertigten Dämmstoffplatten messen bis zu 1.000 x 500 x 40 mm. Als Bindesysteme eignen sich neben konventionellen Bindemitteln auch thermoplastische Polymerfasern. Polymilchsäure-Bikomponentenfasern erwiesen sich als besonders vielversprechend. Wegen ihres Ursprungs und ihres potenziellen Abbauverhaltens ließen sich womöglich vollständig biobasierte Dämmstoffsysteme mit ihnen realisieren.

Die Forschenden untersuchten die mechanischen Eigenschaften, die Wärmeleitfähigkeit, das hygrische Verhalten sowie das Brandverhalten. Bei einer Rohdichte von rund 100 kg/m3 erreichten die Dämmstoffplatten Wärmeleitfähigkeiten von etwa 0,040 W/(mK) – und somit das Niveau von Holzfaserdämmstoffen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass sich Paludi-Biomasse grundsätzlich für die Herstellung leichter Naturfaserdämmstoffe eignet und einen Teil der bislang eingesetzten Holzfasern ersetzen könnte.

Forschung: Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, Braunschweig

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