Centre Broca Nouvelle Aquitaine in Bordeaux

Perforierte Metallbleche und Aluminium-Mikrolamellen

Bei den Neurowissenschaften treffen unterschiedliche Disziplinen zusammen, die sich mit der Funktionsweise von Gehirn und Nervensystemen befassen. Die Stadt Bordeaux ist ein international bedeutsamer Forschungsstandort auf diesem Gebiet. Mit dem 2017 eröffneten Bordeaux Neurocampus ließen sich nach langem Bestreben endlich die zahlreichen Institutionen und Forschungsprojekte der Stadt und der Region Nouvelle-Aquitaine an einem Ort konzentrieren. Zu dem Komplex gehören zwei Bestandsbauten und als Herzstück das Centre Broca Nouvelle Aquitaine nach Plänen von VIB Architecture aus Paris. Der Neubau ist im Norden und Westen durch verglaste und überdachte Stege mit den übrigen Forschungsgebäuden verknüpft. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Universitätskrankenhaus und weitere Einrichtungen der Hochschule.

 Eine fein perforierte metallische Hülle ist der Außenwand als zweite Haut vorgehängt
Durch eine geringfügige Drehung der Geschosse und die daraus resultierenden abweichenden Gebäudekanten nahmen die Architekten Bezug auf die Nachbarschaft (westliche Eingangsseite)
Die hervortretenden Geschossdecken dienen als Dachterrassen

Auf fünf Etagen umfasst das Gebäude insgesamt 13.000 Quadratmeter. Jeder der Grundrisse ist leicht verzerrt rechteckig: Das Erdgeschoss ist allseitig eingerückt, also etwas kleiner, während die oberen Geschosse leicht abgewinkelt zueinander gestapelt sind. Durch ihre geringfügige Drehung und die daraus resultierenden abweichenden Gebäudekanten nahmen die Architekten Bezug auf die Nachbarschaft. Ausblicke wurden ebenso berücksichtigt wie die erwähnte Anbindung durch Stege. Die hervortretenden Geschossdecken dienen als (spitz zulaufende) Dachterrassen für die nächste Ebene. Eine fein perforierte metallische Hülle ist der Außenwand als zweite Haut vorgehängt.

An der verglasten, nordwestlichen Gebäudeecke im Erdgeschoss befindet sich der Haupteingang. Ein weites Foyer leitet übereck zu einem Atrium, das Tageslicht auch in die Tiefe des etwa 40 x 80 Meter messenden Baus führt. Vom Eingangsbereich sind die Caféteria und das Auditorium, die Konferenz- und Tagungsräume direkt begehbar und dank gläserner Abtrennungen teilweise einsehbar.

Das Atrium durchschneidet den Baukörper nicht streng vertikal, sondern mit leichter Neigung und trichterförmiger Öffnung nach oben. Die im Zickzack verlaufenden, stählernen Dachträger sind überwölbt von einer pneumatischen Konstruktion aus ETFE-Folie. Reichlich Tageslicht füllt den Luftraum, in dem die Treppe als frei tragende Stahl-Glas-Konstruktion effektvoll inszeniert ist. Die dem Atrium zugewandten oberen Etagen sind verglast: Helle opake, spiegelnde und transparente Glasscheiben erzeugen als unregelmäßige Drei- und Vierecke eine facettenartige Wirkung. Dahinter verbergen sich die Labore, während die Büros an der Außenfassade aufgereiht sind. Vier Betonkerne mit Treppen und zentral platzierten Aufzügen erschließen zusätzlich die der Forschung gewidmeten Ebenen.

Sonnenschutz

Schmale Fensterbänder und raumhohe Verglasungen im Erdgeschoss und zu den Dachterrassen kennzeichnen die Fassade, die im übrigen hinter dem metallischen Vorhang mit hochglanzpoliertem, gefalteten Aluminium bekleidet ist. Durch die Überlagerung entsteht ein diffus schimmerndes Fassadenbild, das sich je nach Ausrichtung, Tageszeit und Lichtintensität wandelt. Die feinen, dunkel beschichteten Metallgitter setzen sich als Brüstungen vor den Terrassen fort. Weil sie der eigentlichen Fassade vorgelagert sind und oberhalb der Fensterbänder und Terrassen ein Stück fortgeführt werden, dienen sie auch als Sonnenschutz.

Den Büros und Besprechungsräumen sollten Tageslicht und Ausblick nicht genommen werden, der Blendschutz der Arbeitsplätze aber musste gewährleistet sein. So wurden die zu den Terrassen oftmals raumhohen Verglasungen an der Außenseite mit dem ausfahrbaren Metallbehang s_enro von MHZ ausgestattet, der sich gut in die Materialität der Fassade einfügt. Der Behang aus Aluminium-Mikrolamellen sorgt für einen effektiven Sonnenschutz, ohne die Aussicht stark zu beeinträchtigen (Öffnungsanteil 24%). Steht die Sonne in einem Winkel über 21° am Horizont, wird eine direkte Einstrahlung vermieden. Die Mikroprofile verhindern damit eine Überhitzung und senken erheblich den Kühlbedarf. Der metallische Sonnenschutz ist in integrierten Rollladenkästen untergebracht und wird über Seitenschienen geführt. Er ist deutlich robuster und windstabiler als Außenjalousien oder Markisen. Die beschichteten Lamellen aus Aluminium trotzen auch rauem Seeklima.

Bautafel

Architekten: vib architecture, Paris
Projektbeteiligte:
Égis, Bordeaux (Tragwerksplanung / Haustechnik); Bougon, Paris (Kostenplanung) Tpf-i, Marseille (Bauorganisation); Arcora, Paris (Fassaden); Emacoustic, Bordeaux (Akustik); Batiss, Ivry-sur-Seine (Brandschutz); MHZ (Sonnenschutz: Metallbehang s_enro)
Bauherr: Région Nouvelle Aquitaine
Fertigstellung: 2016
Standort: 38 rue Albert Marquet, 33000 Bordeaux, Frankreich
Bildnachweis: Cyrille Lallement, Paris

Fachwissen zum Thema

Um sowohl Direkt- als auch Reflexblendung am Arbeitsplatz zu verhindern, sollten die Fenster mit variabel verstellbaren Verschattungselementen ausgestattet sein.

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Funktionen

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Innen liegende Horizontallamellen am Kanzleramt in Berlin, Architektur: Axel Schultes und Charlotte Frank

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Grundlagen

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Glaslamellen und Aluminiumraffstore verschatten die großen Glasflächen des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin. Architektur: Stephan Braunfels

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