Bürohochhaus TRÆ in Aarhus

Glaseinschnitte zwischen wiederverwendeten Trapezblechen und Windradteilen

Hafenkonversion in Aarhus – das sorgt in den 2020er-Jahren nicht mehr für Schlagzeilen. Das mit 80 Metern höchste Holzgebäude Dänemarks dagegen schon: TRÆ, auf Deutsch „Holz“ oder „Baum“ und phonetisch identisch mit „drei“. Den dreiteiligen Bürokomplex im Sydhaven-Quartier hat das ortsansässige Büro Lendager Arkitekter zusammen mit dem Bauträger Kilden & Hindby und der kommunalen Stadtplanung entwickelt.

Neben dem 20 Geschosse umfassenden Hochhaus stehen und zwei Sechsgeschosser.
Die überwiegend geschlossenen Flassaden mit Lochfenstern sind von mäandernden Glasbändern durchbrochen.
Die Lochfenster erhielten Teile alter Windradrotoren als außenliegenden Sonnenschutz.

Ode ans Silo

Die drei Türme stehen auf einem annähernd rechteckigen, rund 25 mal 27 Meter großen Parzellenstreifen am Kalkværksvej. Ihre zylindrische Grundform wurde jeweils so angeschnitten, dass die gerundeten Seiten zum Grundstücksinneren weisen und die geraden Seiten nach außen. Dabei wurde der zwanziggeschossige und somit höchste Turm an der Nordostecke des Grundstücks platziert, die zwei kleineren, je sechsgeschossigen südwestlich davon. Die gerundeten Formen nehmen Bezug auf mehrere Silobatterien diesseits und jenseits der benachbarten Hafenbecken. 

Alle drei Gebäude haben rund sechs Meter hohe Erdgeschosse, in die teilweise Zwischenebenen für Technik- und Lagerräume eingezogen sind. Darüber liegen die jeweils ähnlich organisierten Büroetagen. Ausnahmen bilden die eher geschlossene Technikebene im fünften Obergeschoss des Hochhauses sowie die darüberliegende Ebene mit Küche und Betriebskantine, von der man auch die Dachterrassen der beiden kleineren Türme erreichen kann.

Die drei Gebäude sind über mehrere verglaste Brücken miteinander verbunden. Von der Ursprungsnutzung erhalten geblieben ist die 200 Meter lange Betonstruktur einer Kalktransport-Hochtrasse, die direkt am Bürohochhaus entlangführt. Von der gegenüberliegenden Grundstücksecke windet sich eine neue, stählerne Fußgängerrampe zwischen den Glasbrücken der Bürohäuser hindurch und dockt an der zehn Meter hohen Kalktrasse an – als sei deren Reaktivierung schon avisiert.

Bauen nach Verfügbarkeit

Angebunden an zwei Betonkerne – einer innenliegend, einer an die Nordostfassade gerückt – wurde das Hochhaus mit Stützen, Streben und Decken aus Brettschichtholz sowie zusätzlichen Stahlbauteilen errichtet. „Form follows Availability“ ist das Credo des Architekturbüros, das sich dem zirkulären Bauen verschrieben hat. Dabei war es eine besondere Herausforderung, die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und den daraus resultierenden Einsatz zahlreicher wiederverwendeter Materialien mit den strengen Anforderungen an den Hochhausbau in Einklang zu bringen. So durften beispielsweise aus Brandschutzgründen keine Holzfassaden und im Inneren nur zwanzig Prozent sichtbare Holzoberflächen realisiert werden. 

Dennoch finden sich am und im Gebäude zahlreiche wiederverwendete Materialien, darunter die gebrauchten Fenster im Erdgeschoss sowie Glastrennwände, Holz aus der Industrie, Deckenakustikmatten aus recycelten Plastikflaschen, Holzoberflächen aus gebrauchten Möbeln sowie mehr als 1.000 ehemalige Supermarkt-Leuchten, die mit LED-Technik ausgestattet wurden. 

Insgesamt hat das Projekt Pilotcharakter. Ein wesentliches Anliegen war es, Erfahrungen im Holzbau in neuen Dimensionen und unter den strengen Anforderungen des Hochhausbaus sowie der Nähe zu Gefahrstoffen im Hafen zu sammeln. Auch nach Fertigstellung wird weitergeforscht: Auf drei Etagen ist das sogenannte „Living Lab“ beheimatet, wo biobasierte und recycelte Materialien in Hinblick auf Raumklima, Langzeitverhalten und Wirkung auf Nutzer*innen untersucht werden.

Fassade: wiederverwendete Bleche und Rotorblätter

Das Fassadenbild stellt sich als komplexe, unregelmäßige Komposition dar. Zunächst fällt der Wechsel von Glasflächen mit holzsichtigen Rahmungen sowie geschlossenen Bereichen mit hochrechteckigen, fast bodentiefen, mit Aluminiumblech eingefassten Lochfenstern ins Auge. Dabei überwiegt der Anteil der geschlossenen Flächen. Es scheint fast, als hätte man die Fassaden mit einer großen Kettensäge bearbeitet und dabei zwei bis vier Geschosse umfassende, zueinander versetzte Einschnitte vorgenommen. So mäandern die Fensterbänder hoch bis zur Attika. Das oberste Geschoss des Hochhauses ist vollverglast. 

Die übrige Fassade ist mit wiederverwendeten Aluminium-Trapezblechen verkleidet, die von einer Wohnungsbaugesellschaft im 180 Kilometer entfernten Herlev bei Kopenhagen stammen. Die ehemaligen Dachbleche mit Patina und alten Montagelöchern haben noch eine erwartete Restlebensdauer von 80 bis 100 Jahren. Die gut 60 Zentimeter hohen Blechstreifen wurden hinterlüftet vor gedämmte Holzkassetten montiert. Durch die leichte Neigung der Bleche – pro Geschoss je sechs übereinander – entstand eine geschuppte Struktur entstanden. Dazwischen tauchen glatte Blechtafeln von fehlerhaft hergestellten Briefkästen auf, die sich – teils metallisch glänzend, teils noch hell beschichtet – zu treppenartigen Mustern fügen.

Für den außenliegenden Sonnenschutz wurden ebenfalls Bauteile wiederverwendet: Die weißen, kaum wahrnehmbar gekrümmten Blenden bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und wurden aus den Rotorblättern ausgedienter Windkraftanlagen ausgeschnitten. Dadurch haben sie einen deutlich geringeren CO2-Fußabruck als etwa Aluminiumbleche. Als senkrechte Lamelle sind sie neben den Fenstern montiert, beim verglasten Attikageschoss des Hochhauses sogar umlaufend.

Bautafel

Architektur: Lendager Arkitekter, Kopenhagen/Aarhus
Projektbeteiligte: MOE (Artelia Group), Kopenhagen, Aarhus u.a. (beratende Ingenieure), Kaj Ove Madsen, Skive (Bauunternehmen), Stadt Aarhus (Projektbegleitung), Realdania, Kopenhagen (Förderung)
Bauherr*in: PFA Real Estate, Kopenhagen; Kilden & Hindby, Aarhus
Fertigstellung: 2025
Standort: Kalkværksvej 1, 8000 Aarhus C, Dänemark
Bildnachweis: Anders Nymann Wejse, Aarhus (Fotos); Lendager Arkitekter, Kopenhagen/Aarhus (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Aluminiumrauten als Fassadenverkleidung beim Tower Horw. Architektur: Tilla Theus und Partner, Zürich

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Materialien

Aluminium

Die wichtigen Linien der Fassadengestaltung basieren unter anderem auf den Maßen des menschlicher Körper, statischen Erfordernissen und Baustandards.

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Grundlagen

Raster, Module und Maßordnung

Feststehende, mit Keramik bestückte Vertikallamellen am Clay-Museum in Middlefart; Architektur: Kjaer & Richter, Aarhus

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Zusatzelemente

Sonnenschutz außen

VHF am Baustofflabor der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur

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Fassadenarten

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF)

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