Botanische Gärten der Welt – Geschichte, Kultur, Bedeutung
Midas Collection, Zürich 2024
264 Seiten, gebunden
Format 25 x 29 cm
Texte in deutscher Sprache
(deutschsprachige Ausgabe von Botanic Gardens of the World, London 2023)
Preis: 34 EUR
ISBN 978-3-03876-294-2
Deborah Trentham, eine britische Dozentin für Kunst- und Gartenbaugeschichte, stellt in diesem Buch 40 weltweit ausgewählte botanische Gärten vor. Sie sortiert sie chronologisch nach dem Jahr ihrer Gründung. Die Spannweite reicht vom Orto Botanico di Pisa in Italien, der im Jahr 1544 im Auftrag von Cosimo de Medici angelegt wurde, bis zum Arktisch-Alpinen Botanischen Garten Tromsø, Norwegen, der auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs nördlich des Polarkreises im Jahr 1994 eröffnet wurde. 27 weitere besuchenswerte botanische Gärten sind im Anhang aufgelistet.
In einer zwar sehr kurzen, nichtsdestotrotz informativen Einleitung wird die historische Entstehung der Gärten als einer Mischung aus Botanik, Landwirtschaft, Gartenbau, Pharmakologie und nicht zuletzt Sammelleidenschaft, Prestige und wirtschaftlichem Konkurrenzdenken erläutert. Heute ist eine elementare Aufgabe botanischer Gärten mitsamt Laboratorien und Datenbanken die wissenschaftliche Forschung mit dem Fokus auf Klima- und Naturschutz. Im Sinne lebender Museen dienen sie der Erhaltung und Bewahrung seltener, vom Aussterben gefährdeter sowie besonders spektakulärer Pflanzen. Das Buch ist als Anregung zu verstehen, diese einzigartigen Gärten zu besuchen und über die Vielfalt der Natur zu staunen.
Jeder Garten wird mit Texten zur Entstehung, zu Besonderheiten
und mit Hintergrundinfos vorgestellt. Zeichnungen und Fotografien
zeigen Beete und Rabatten, Gewächshäuser, Teiche und Wasserspiele,
Gartenarchitekturen wie Pavillons, Tempietti (Phantasietempelchen),
ein Observatorium und zahlreiche Skulpturen bis zu den
Supertree-Grove-Bauminstallationen in Singapur (siehe
Beitrag:
Gewächshäuser im Garden by the
Bay).
Einige Beispiele:
- Im englischen Oxford Botanic Garden aus dem Jahr 1621
wird ein eigener „Physic Gin“ aus 25 Pflanzen hergestellt. In
diesem Garten fanden u.a. die Schriftsteller Lewis Carroll für
Alice im Wunderland und J. R. R. Tolkien für den Herrn
der Ringe Ideen als auch Ruhe und Konzentration zum
Schreiben.
- Der Chelsea Physic Garden in London, den wir
auch hier ausführlich vorgestellt haben (siehe Fachwissen zum
Thema).
- Im Acharya Jagadish Chandra Bose Indian Botanic Garden
in Kolkata (Kalkutta) aus dem Jahr 1787 wächst mit einem etwa 250
Jahren alten Great Banyan (Ficus benghalensis) auf
einer Fläche von etwa zwei Hektar der flächenmäßig größte Baum der
Welt (Stand 1989).
- Der Huntington Botanical Gardens in San Marino,
Kalifornien, ab 1919 angelegt, wurde um einen sechs Hektar großen
chinesischen Garten namens Liu Fang Yuan, übersetzt
Garten des Fließenden Dufts, ergänzt. Dieser Gartenbereich,
der auch einen Bambushain, sogenannte Gelehrtenfelsen, Pavillons
mit Mondtoren, einen See mit Lotuspflanzen und einen chinesischen
Heilkräutergarten beinhaltet, bezieht sich gestalterisch auf die
klassischen Gärten aus dem 16. und 17. Jahrhundert in Suzhou,
China.
- Der Jardin Majorelle wurde 1923 in Marrakesch, Marokko,
vom französischen Maler Jacques Majorelle angelegt, der mitten im
Garten eine tiefblau gestrichene Art-Deco-Villa als Wohnung und
Atelier nutzte. Der auch Bleu Majorelle genannte blaue
Farbton ist eine intensiv leuchtende Mischung aus Kobald und
Ultramarin und bildet einen visuell lebhaften Kontrast zu den
Sukkulenten, Kakteen und Palmen. Der Modedesigner Yves Saint
Laurent kaufte zusammen mit seinem Lebensgefährten Pierre Bergé die
Anlage. Beide retteten Garten und Haus vor weiterem Verfall und
einer drohenden Überbauung. Sie restaurierten und bewahrten das
Anwesen, das heute eine Stiftung ist (siehe Surftipp).
Fachwissen zum Thema
Bauwerke zum Thema
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