Akustische Gestaltung von Großraumbüros

Anforderungen und Maßnahmen

Die akustische Gestaltung moderner Arbeitswelten stärkt Wohlbefinden, Konzentration und Kommunikation. Lärm beeinträchtigt nachweislich die Produktivität, während akustisch gut geplante Räume die Sprachverständlichkeit und den subjektiven Komfort verbessern. Zeitgemäße Bürokonzepte kombinieren daher offene Raumstrukturen mit akustisch optimierten Rückzugs- und Fokusbereichen. Flexible Trennwände und Möbelsysteme schaffen räumliche Struktur und erhöhen zugleich die akustische Dämpfung. Ergänzend reduzieren Deckenelemente, akustische Segel und Möbelabsorber den Nachhall und verbessern die Sprachverständlichkeit.

Boden, Decke und Möbel werden im Büro von 50Hertz in Berlin zur Optimierung der Raumakustik genutzt.

Nachhallzeit als zentrale Bewertungsgröße

Die Nachhallzeit (RT60) ist dabei die zentrale Bewertungsgröße. Sie beschreibt, wie lange der Schalldruckpegel nach Abschalten einer Schallquelle benötigt, um um 60 Dezibel abzufallen. Sie gibt also an, wie lange ein Geräusch braucht, bis es praktisch ausgeklungen und fürs menschliche Ohr nicht mehr hörbar ist. Die Nachhallzeit beeinflusst die Sprachverständlichkeit, die kommunikative Ergonomie und die Lärmwahrnehmung. In offenen Büros wird heute in der Regel mit Nachhallzeiten von ca. 0,5 – 0,8 Sekunden geplant, Besprechungsräume liegen häufig bei ca. 0,4 – 0,6 Sekunden. Diese Richtwerte orientieren sich an Normen wie der DIN 18041: Hörsamkeit in Räumen und ISO 3382-3: Akustische Messgrößen in offenen Büros. Weitere relevante Richtlinien sind die VDI 2569: Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros sowie die ASR 3.7: Lärm

Akustikplanung in frühen Bauphasen

Idealerweise wird die Akustik bereits in frühen Leistungsphasen berücksichtigt, da akustisch wirksame Konstruktionen wie Decken- und Wandverkleidungen dann planerisch und wirtschaftlich sinnvoll integriert werden können, etwa durch perforierte Verkleidungen, Akustikvliese oder poröse Füllungen. So entstehen großflächige Absorberflächen, deren Mehrkosten im Bau deutlich geringer ausfallen als der spätere Einbau separater Akustiksysteme. Gleichzeitig lassen sich mögliche Konflikte mit der Haustechnik und thermischen Konzepten – etwa einer Bauteilaktivierung – frühzeitig lösen. 

Nachträgliche Maßnahmen

Sind bauliche Optimierungen nicht mehr möglich, zum Beispiel bei Bestandsflächen oder Nutzungsänderungen, rücken nachträgliche Maßnahmen in den Vordergrund. Da Boden und Decke in offenen Büros die größten Reflexionsflächen darstellen, sollten sie vorrangig einbezogen werden. Teppichbeläge reduzieren Trittschall, während die Decke mit Absorbern ausgerüstet wird. Dabei kann es sich um flächig abgehängte Akustikdecken, Absorberkassetten mit direkter Deckenmontage, Baffeldecken oder abgehängte Deckensegel handeln. 

Deckensegel und Bauteilaktivierung

Auch betonkernaktivierte Decken können mit Deckensegeln belegt werden – allerdings mit zwei wesentlichen Einschränkungen: Es dürfen maximal 60 Prozent der Decke belegt werden und der Abstand der Segel zur Decke sollte mindestens 20 Zentimeter betragen, um die Luftzirkulation entlang der Decke und damit die Temperaturabgabe der Decke an den Raum aufrechtzuerhalten. Auf diese Weise büßt man lediglich 0,3 Grad Celsius Raumtemperatur ein. Darüber hinaus ist der Frequenzbereich der Akustikmaßnahme zu beachten: Eine flächige Belegung wirkt breitbandig, dämpft also hoch-, mittel- und tieffrequente Geräusche und wirkt auch an den Raumkanten schallabsorbierend, wo sich sonst akustische Wellen durch Reflexion und Geometrie überlagern und verstärken. Vereinzelt montierte Deckensegel hingegen dämpfen vor allem hochfrequente Geräusche, die fürs menschliche Ohr besonders laut und unangenehm sind.

Ergänzende Wand- und Möbelabsorber

Da die Belegung der Decke meist nicht ausreicht, um die geforderten akustischen Grenzwerte einzuhalten, sollten ergänzend Wand- und Möbelabsorber eingesetzt werden. Sie können zugleich Räume gestalterisch zonieren. Dabei sollten Reflexionen zwischen parallelen Flächen vermieden werden, um Flatterechos zu verhindern.

Unterschiedliche Absorberarten und ihre Wirkung

Grundsätzlich hängt die Wirksamkeit von Schallabsorbern von Material, Aufbau, Frequenzbereich und Einbauform ab. Für Arbeitsumgebungen sind vor allem Absorber relevant, die im Bereich der Sprachfrequenzen zwischen etwa 250 Hz und 2000 Hz wirksam sind. Tiefe Frequenzen (ca. 80 – 400 Hz) werden primär über resonante Systeme wie Plattenschwinger oder Helmholtz-Resonatoren gedämpft, während poröse Wand- und Möbelabsorber im Mittel- und Hochfrequenzbereich dämpfen. 

Simulationen und messtechnische Verfahren wie der Speech Transmission Index (STI) unterstützen in der Praxis die Sicherstellung einer ausreichend guten Sprachverständlichkeit und eines angenehmen akustischen Komforts.

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