Wohnturm Fiftynine in Hamburg

Sonnenschutz bei bester Aussicht

Ein neuer Turm in Hamburgs HafenCity: Weiße Geschossplatten tanzen aus der Silhouette. Glasbrüstungen reflektieren die Sonnenstrahlen. Ein paar Vögel segeln über die Dachterrasse. Fiftynine (auch Fifty9) heißt der jüngste Zuwachs im Wohnquartier Strandkai, in Sichtweite der Elbphilharmonie. Geplant wurde das luxuriöse Hochhaus vom Hamburger Architekturbüro Hadi Teherani Architects.

76 Eigentumswohnungen verteilen sich auf die 16 Obergeschosse.
Vom Tragwerk bis zur Fassade wurde darauf geachtet, dass die gute Aussicht auf Hafen und Umgebung erhalten bleibt.
 Um trotz der geldwerten Aussicht ausreichend Sonnenschutz zu bieten, setzten die Planer*innen auf Spezialgläser und Metallbehänge.

Kai der Türme

Zum neuen Quartier auf der Strandkaihalbinsel gehören mittlerweile zwei siebengeschossige Blockrandbebauungen und sechs Wohngebäude mit einer Höhe von 55 bis 60 Metern. Den Auftakt im Quartier bildete das Unilever-Haus. Das dekonstruktivistische Glasgebäude, ehemals Sitz von Unilever, wird heute vom Plattformbetreiber New Work genutzt. Dahinter erhebt sich der Marco Polo Tower (von Behnisch Architekten) mit seinen umlaufenden, abgerundeten Balkonen. Weiter in Richtung Kaispitze folgt der Luxuswohnturm The Crown (von Ingenhoven Architects). Zwischen den beiden, quasi als Eckstein eines Blockrandes, wurde 2024 der nicht minder luxuriöse Turm Fiftynine fertiggestellt.

Mit der starken Betonung der Geschossplatten als weiße Bänder und den raumhohen Verglasungen dazwischen orientiert sich der Neubau stark an der vorhandenen Architektur im Quartier. 15 Obergeschosse und ein Staffelgeschoss schichten sich übereinander, wobei jeweils zwei- bis dreigeschossige Pakete gegeneinander verdreht scheinen. Diesen Effekt verstärken die umlaufenden Balkone mit ihren teils spitzen, teils abgerundeten Ecken und wechselnden Auskragungen.

Ausgelegt für maximale Sicht

Über den zwei Tiefgaragenebenen und einem gewerblich genutzten Erdgeschoss befinden sich insgesamt 76 Eigentumswohnungen. Die Grundrisse haben die Form eines verzogenen Trapezes. In der Mitte befindet sich ein rechteckiger Kern mit einem großen Treppenhaus, zwei Aufzügen und Nebenräumen. Ringsherum sind pro Geschoss vier bis sechs Wohnungen angeordnet. Die Bäder und WCs liegen größtenteils innen, direkt am Erschließungskern. Schlafräume und Wohnküchen orientieren sich zur Glasfassade hin.

Bei den Zwischenwänden planten die Architekt*innen zahlreiche Nischen und Versprünge ein, ideal für Schränke und Regale. Der somit freigehaltene Wohnraum kann mit großzügigen Speisetafeln und Sofalandschaften oder repräsentativen Sitzgruppen möbliert werden. Zugleich bleibt der Blick auf Hafen und Umgebung unverstellt. Dafür sorgt auch die Konstruktion des Turms als Stahlbetonskelettbau. Neben dem inneren Kern verfügt er lediglich über eine Stützenreihe entlang der Fassade. Diese wiederum ist überwiegend raumhoch verglast, mit nur wenigen opaken, von außen weiß verkleideten Abschnitten. Den ungehinderten Blick komplettieren die Glasbrüstungen der Balkone.

Sonnenschutz: möglichst unsichtbar

Maximale Sicht bedeutet gleichzeitig maximale Sonneneinstrahlung. Entsprechend kamen Dreifachverglasungen mit einem farbneutralen Sonnenschutzglas und einem hochtransparenten Tageslicht-Wärmeschutzglas zum Einsatz – eine Kombination, die die natürliche Lichtwirkung erhält. Um die künftigen Bewohner*innen darüber hinaus vor Blendung und Überhitzung zu bewahren, musste ein leistungsfähiger Sonnenschutz her, der zugleich den starken Windkräften standhält, die an diesem exponierten Bauplatz und in dieser Höhe vorherrschen. 

Die Entscheidung fiel für einen Metallbehang, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE entwickelt wurde. Er ist bis zur Windwiderstandsklasse 5 geeignet und zeichnet sich auch durch hohe Transparenz aus, mit einem Öffnungsanteil von ca. 21 %. Herstellerangaben zufolge mindert die Beschattung den solaren Energieeintrag um 85 %. Steht die Sonne mehr als 21° über dem Horizont, wird direkte Einstrahlung sogar komplett vermieden. Vorteilhaft sind außerdem die geringen Einbaumaße und das dank der rollgeformten Edelstahl-Mikrolamellen geringe Gewicht. Gerade einmal 4,2 kg/m2 wiegt der Behang, wobei bis zu 12 m2 Fensterfläche verschattet werden können.

Hersteller: MHZ

Bautafel

Architektur: Hadi Teherani Architects, Hamburg
Projektbeteiligte: Frener & Reifer (Tragwerksplanung); bds Architekten (Generalplanung); Saint-Gobain Glass (Hersteller Sonnen- und Wärmeschutzgläser Cool-Lite Extreme 70/33 II, Eclaz Zen II und Contour ClimaTop Solar); MHZ (Hersteller Metallbehang s_enn)
Bauherr*in: Joint Venture "Aug. Prien" Immobilien Gesellschaft für Projektentwicklung und DC Developments
Fertigstellung: 2024
Standort: Am Strandkai 4, 20457 Hamburg
Bildnachweis: Frener & Reifer, Olaf Rohl (Fotos); Hadi Teherani Architects (Fotos und Pläne)

BauNetz Architekt*innen

Fachwissen zum Thema

Isolierverglasungen in verschiedenen Ausführungen Hauptbahnhof Berlin, Architekten: von Gerkan, Marg und Partner Architekten (gmp)

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Materialien

Glas

Außen liegender Sonnenschutz s_enn aus Micro-Edelstahllamellen von MHZ an der Fassade des Merck Serono Headquarter in Genf, Architekten: Murphy/Jahn

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