Wohnhaus mit Büro und Lagerhalle in Raeren

Schieferdeckung an Dach und Fassade

Die kleine ostbelgische Gemeinde Raeren liegt im Dreiländereck südlich von Aachen. In erster Linie ist sie durch landwirtschaftliche Ansiedlungen in traditioneller Bauweise geprägt. Zweigeschossige Wohnhäuser in Mauerwerk aus dem sogenannten Aachener Blaustein (auch: belgisch Granit) mit Satteldächern säumen die Kapellenstraße. Dort plante Architekt Bernward Sutmann aus dem nahen Roetgen (hinter der deutschen Grenze), Inhaber des Büros Agathos Baukontor, ein Wohnhaus mit Büro und Lagerhalle.

Das Wohnhaus liegt von der Straße abgerückt, im Vordergrund befindet sich das Büro.
Die Fassade des gewerblichen Gebäudeteils besteht aus Aachener Blaustein, das Wohnhaus hingegen ist vollständig mit Schiefer bekleidet.
Die Schieferfassade ist mit einer Dynamischen Deckung ausgeführt.

Gasse, Anger und Kapelle

Die Kapellenstraße weitet sich zu einer Art Anger, dessen Auftakt die aus dem 18. Jahrhundert stammende Annakapelle bildet. Der kleine Sakralbau aus Blausteinmauerwerk hat ein Schieferdach und ist zu einem Platz mit alten Bäumen, einer Wiese und Stellplätzen ausgerichtet. In westliche und östliche Richtung verengt sich der Straßenraum wieder zu einer Gasse. Gegenüber vom Dorfplatz befindet sich das Grundstück, ehemals ein Kohlelager. Zur Straße hin vorgelagert war eine Lagerhalle aus Bruchstein.

Wohnen und Arbeiten vereint

Der Bauherr, Inhaber eines Elektrofachbetriebs, wollte traditionsgemäß Wohnen und Arbeiten an einem Ort vereinen. Als Raumprogramm waren im Erdgeschoss drei Garagen, ein Büro mit Besprechungsbereich, ein Lager für Elektromaterialien und eine Durchfahrt vorgesehen. Die Wohnung in Obergeschoss und Dachraum sollte eine großzügige Terrasse haben und separat erschlossen werden.

Aufgrund der Nähe zur denkmalwerten Annakapelle war eine Vorgabe der Gemeinde Raeren, die Fassaden im Erdgeschoss mit Aachener Blaustein bzw. belgisch Granit auszuführen. Dementsprechend sind die Garagen und das Büro gestaltet. Der zurückgesetzte Eingangsbereich und das Obergeschoss der Wohnung, die Fassaden und Dachflächen sind im Kontrast dazu vollständig mit Naturschiefer gedeckt. Die Proportionen des Wohnhauses sind dem traditionellen Ortsbild angeglichen, die Architektur jedoch ist zeitgemäß, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Konstruktion und Energieversorgung

Der alte Bruchstein-Schuppen wurde abgerissen, das Material eingelagert und für den Neubau wiederverwendet. Die Garagen und der Bürotrakt sind dreischalig gemauert. Die zurückgesetzte Halle wurde mit vorgefertigten Thermo-Doppelwänden aus Beton errichtet. Der aufgesetzte Holzbau ist eine Rahmenkonstruktion mit Zellulose-Einblasdämmung und Brettsperrholz-Deckenelementen. Fenster- und Türelemente bestehen aus Aluminium.

Warmwasser und Heizung wird über eine Wärmepumpe bereitgestellt. Unterstützt wird sie von einer PV-Anlage, die sich auf der Gebäuderückseite und dem Hallendach befindet. Betonkerntemperierung und Fußbodenheizung sorgen für ein angenehmes Raumklima, eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für den notwendigen Luftwechsel.

Schieferdeckungen an Fassade und Dach

Das von der Straße zurückgesetzte Haus ist vollständig von Schiefer umhüllt. Bei der Fassade handelt es sich um eine Dynamische Deckung, die einem wilden Mauerwerksverband ähnelt. Die Schieferplatten haben verschiedene Formate (40 x 12,5 cm / 40 x 15 cm und 40 x 12 cm), die Gebindereihen unterschiedliche Höhen. Die Höhenüberdeckung beträgt mindestens fünf, manchmal auch sechs, sieben oder acht Zentimeter, um das Fassadenbild den Öffnungen und Abmessungen der Architektur entsprechend anzupassen. Den Schieferplatten hinterlegt ist ein schwarzes Aluminiumblech, das gemeinsam mit den Platten befestigt ist und die fehlende Seitenüberdeckung ersetzt. Die Befestigung erfolgte mit 35 mm langen Schiefernägeln auf einer vollflächigen Bretterschalung mit Hinterlüftung.

Die Kubatur des Gebäudes wird durch den fehlenden Dachüberstand und die integrierte Regenrinne betont. Das Dach ist mit Schiefer als Rechteck-Doppeldeckung ausgeführt. Die Plattenformate betragen 22 x 40 cm, die Dachschiefer sind mit 90 mm langen Spitzhaken auf einer Lattung mit Konterlattung befestigt. -us

Bautafel

Architektur: Agathos Baukontor, Dipl.-Ing. Architektur Bernward Sutmann, Roetgen
Projektbeteiligte: Dipl.-Ing. Jan Wisniewski, Herbesthal (Statik); Walter Maassen, Raeren-Eynatten (Bauunternehmen); Josef Gillessen, Schönberg (Holzbaubetrieb); Guido Quetsch, St.Vith (Dachdecker); Mathias Lauffs & Söhne, Raeren (Fensterbau); Eco Confort Systèmes, Malmedy (Heizung, Lüftung, Sanitär); Rathscheck Schiefer, Mayen (Dach- und Fassadenschiefer)
Bauherr/in:
Elektro Bemelmans, Raeren
Fertigstellung: 2021
Standort: Kapellenstraße 7, 4730 Raeren, Belgien
Bildnachweis: Agathos Baukontor, Dipl.-Ing. Architektur Bernward Sutmann, Roetgen; Florian Erler, Eupen, Belgien

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